H E I N R I C H   S T E I N E R

 

Weitere Pfälzer Künstler

 

„Blumiger Garten“

Aquarell auf Bütten, verso an den seitlichen Rändern mittig durch kleine Klebestreifen in Passepartout gesetzt, gerahmt
nicht datiert

Rahmengröße: 86,7x67cm
Blattgröße: 55,7×37,5cm

u.r. in Blei signiert „HSteiner“, sowie verso auf Rahmenrückwand auf Etikett der „Galerie Koch“ (Hannover) mit Angaben zum Künstler bez.
verso u.r. in Blei betitelt „Blumiger Garten“, sowie ebenso betitelt verso auf Rahmenrückwand auf Etikett der „Galerie Koch“ (Hannover)

€ 2.800,-

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Zustand
Blatt verso an den seitlichen Rändern mittig durch kleine Klebestreifen in Passepartout gesetzt; in den vier Ecken jeweils kleine Einstichlöchlein; am oberen Blattrand mit kleines Kreuz in Blei; verso u.r. unterhalb der Betitelung in Blei Größenangaben „56×37“; verso an den seitlichen Rändern oben jeweils leichte Reste früherer Befestigung (weißes Klebeband); Rahmen mit wenigen leichten Gebrauchsspuren

Provenienz
Galerie Koch, Hannover [hierzu verso auf Rahmenrückwand Etikett mit Angaben zu Künstler, Titel, Größe und Technik]

 

 

Werkbeschreibung
„Nach letzten Anklängen an Matisse, Picasso und den zeitgenössischen Miserabilismus in den figürlichen sechziger Jahren entstand das fortan ganz und gar persönliche, im Eigentlichen malerische Werk Steiners als eine die Zeiten überdauernde Manifestation des Lyrischen in farbfreudig südlichen Motiven: räumlich klar in den Interieurs und Stillleben, farblich intensiv in den gleichsam freudig gestimmten, in die Tiefe gestaffelten Landschaften und Ortsbildern“ (Reinhard Müller-Mehlis (2011): Heinrich Steiner, in: Galerie Koch (Hrsg.): Heinrich Steiner 1911-2009 [Katalog zur Ausstellung anlässlich des 100. Geburtstages]; Hannover; S. 4-5 [hier: 5]).
Der hier vorliegende ‚blumige Garten‘ ist ein solches Werk aus der eher späteren Schaffensphase, das heißt der zweiten Lebenshälfte Heinrich Steiners.
Die einzelnen Farbflächen fügen sich im besten Sinne lyrisch aneinander und erzeugen eine lockre, duftige Atmosphäre des Freien und Befreiten. – Die blauen, dunkelblauen Blumen, die grünen Sträucher, die Bäume und im hinteren Bereich die Wiesenfläche. Alles wirkt wie wunderlich zufällig eingefangen und erzeugt in seiner scheinbaren Unscheinbarkeit im Betrachter ein staunendes Bewundern, das sich vielleicht mit Hanns Theodor Flemming wie folgt deuten lässt:
„Was Steiner von seinen Vorbildern und seinen Weggefährten unterscheidet, ist nicht zuletzt das bereits in Florenz beobachtete Faktum, daß der Maler nicht nach dem Modell oder vor dem Motiv arbeitete, sondern am liebsten auswendig aus der Erinnerung malte. […] Wie Steiner selbst berichtet, steht bei Beginn eines Bildes sein Thema oft noch nicht fest, es entwickelt sich erst aus dem Umgang mit den Formen und Farben, die dann aus dem Fluidum seiner mittelmeerischen Umgebung heraus eine Landschaft, eine Figur oder ein Stilleben evozieren und dabei eine ‚Harmonie parallel zur Natur‘ im Sinne von Cézanne entstehen lassen“ (Hanns Theodor Flemming (1991): Heinrich Steiner. Harmonie und Transparenz, in: Galerie Koch: Achtzig Jahre Heinrich Steiner [Katalog zur Ausstellung vom 25.10.-23.11.1991]; Hannover; S. 3-5 [hier: 5]).
Und weiter schreibt H. Th. Flemming überaus trefflich:
„In unserer Gegenwart, in der die Malerei sich selbst verleugnet und das Tafelbild immer wieder totgesagt wird, ist es ein beglückendes Erlebnis, dem von lichter Heiterkeit durchpulsten Bildkosmos von Heinrich Steiner mit seinen transparenten Landschaften und verzauberten Gärten, ausgewogenen Interieurs und sommerlichen Fensterausblicken hinter Blumenvasen zu begegnen“ (ebd.).

 

 

Zu Heinrich Steiner (16.10.1911 Kaiserslautern – 29.01.2009 Rom):
Maler, Zeichner, Grafiker, Bühnenbildner; Sohn von Max Steiner-Kaiser (gest. 1930), damaliger Intendant des Stadttheaters Kaiserslautern; 1915-20 lebte die Familie in Zürich, da der Vater dort ein Wiener Operettenensemble aufbaute; ab 1922 Besuch der Höheren Schule in Hamburg; 1926 Eintritt in die Altonaer Kunstgewerbeschule; 1927-29 Lehre als Bühnenmaler am Deutschen Schauspielhaus (Hamburg), sowie an der Städtischen Volksoper (Berlin-Charlottenburg); 1929-32 als Bühnenmaler tätig am Theater am Gärtnerplatz (München); 1933 wird das in jüdischem Privatbesitz befindliche Theater auf politischen Druck geschlossen und Steiner beginnt ein Studium an der Kunstakademie München (bei Karl Caspar); 1934 muss er aufgrund seiner halbjüdischen Abstammung das Studium wieder aufgeben und zieht als freischaffender Maler nach Düsseldorf; mehrere Studienreisen nach Paris, Colmar, Straßburg, Amsterdam, Zürich; 1938 Umzug nach Florenz, wo er sich dem Kreis deutscher Künstler – u.a. Hans Purrmann, Rudolf Levy, Heinz Battke, Eduard Bargheer, Emy Roeder, Werner Gilles – anschloss; 1939 erste Einzelausstellung in Florenz und von da ab zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen; Rudolf Levy hatte dabei großen, nachhaltigen Einfluss auf ihn; 1946 erhielt er auf der Biennale von Venedig den Ausländerpreis „Premio Colomba“; 1948 Umzug nach Venedig; 1949 Rückkehr nach Florenz; 1950 Heirat mit Giuliana Toti und Rückkehr nach Deutschland, wo er als Kunsterzieher an der Hermann-Lietz-Schule Schloss Buchenau (bei Bad Hersfeld) arbeitet; 1953 Pfalzpreis für Malerei (Kaiserslautern); 1959 Umzug nach Frankfurt a.M. (Fürstenberger Straße 163) und bis zu seiner Pensionierung 1974 als Kunsterzieher tätig an der privaten Anna-Schmidt-Schule; in Frankfurt knüpfte er erneut Kontakt zu Heinz Battke (damals Professor an der Städelschule), den er aus seiner Florentiner Zeit kannte; 1966 Bau des Sommerhauses in Lerici am Golf von La Spezia, wo er seine Sommermonate verbringt; 1974 Rückkehr nach Italien; in den 1980er und 1990er Jahren zahlreiche Ausstellungen v.a. in Deutschland (u.a. Frankfurter Westend Galerie, Frankfurt am Main; Galerie Koch, Hannover; Galerie Brigitte Wagner, Bonn); 2005 stellt er aufgrund eines Augenleidens die Malerei ein; Steiner war Mitglied der Pfälzischen Sezession

Literatur
Galerie Koch (Hrsg.) (2011): Heinrich Steiner 1911-2009 [Katalog zur Ausstellung anlässlich des 100. Geburtstages]; Hannover
Galerie Koch (1991): Achtzig Jahre Heinrich Steiner [Katalog zur Ausstellung vom 25.10.-23.11.1991]; Hannover
„Allgemeines Künstlerlexikon“ (AKL), Onlineversion, Künstler-ID: 00042436