A R I E    G O R A L    geb. als „Walter Sternheim“    (16.10.1906 Rheda – 23.04.1996 Hamburg)

 

Weitere Hamburger Künstler

 

 

Arie Goral: Stillleben mit verdorrten Sonnenblumen in gelber Vase (1959)

 

Arie Goral: drei Figuren, Familie (o.J., verso Grüße zum Weihnachtsfest 1959)

 

Arie Goral: abendliche Landschaft mit drei Figuren, Familie (o.J., verso Grüße zum Weihnachtsfest 1959)

 

Zu Arie Goral, geb. als „Walter Sternheim“ (16.10.1906 Rheda – 23.04.1996 Hamburg):
Maler, Zeichner, Schriftsteller, Kunstpädagoge; 1916-25 Schulzeit in Lemgo und Hamburg (Abschluss mit der mittleren Reife); 1921-33 Mitglied im Jüdischen Wanderbund Blau-Weiß und im Jung-Jüdischen Wanderbund; ab 1925 Beginn einer kaufmännischen Lehre; 1927 verlässt er das Elternhaus und arbeitet als Zeichner für eine Berliner Modefirma; er wird Mitglied im Kibbuz Cheruth bei Hameln; 1928-32 landwirtschaftliche Arbeit als Vorbereitung für die Auswanderung nach Palästina; Mitarbeit im Brith Habonim; Autor der Zeitschrift „Der Junge Jude“; 1932 Rückkehr nach Hamburg; Mai 1933 Flucht nach Südfrankreich; in Toulouse ist es zeitweise Leiter des landwirtschaftlichen Ausbildungsbetriebes Chuljah für jüdische Flüchtlinge; Mitarbeit im „Comité Réfugié Allemand“; 1933-34 zunächst Aufenthalt in den Pyrenäen, später in Marseille; August 1934 Heirat mit der Malerin Anna Szmajewicz; Dezember 1934 Emigration nach Palästina; 1935 im Kibbuz Giwath Brenner; 1936-44 verschiedene Tätigkeiten, u.a. als Bauarbeiter in Jerusalem, Bademeister am Toten Meer, Assistent am Dizengoff-Museum in Tel Aviv; 1942-44 Veröffentlichungen von Lyrik in deutscher Sprache; Kontakte u.a. zu Schalom Ben Chorin, Wolfgang Hildesheimer, Arnold Zweig, Else Lasker-Schüler; 1944 Scheidung der Ehe; 1946-47 Arbeit auf Orangenplantagen in Rechovoth; Einrichtung eines Malstudios für Kinder; ab 1948 lassen sich erste Werke als Maler feststellen; 1948 Teilnahme am jüdisch-arabischen Krieg; ab 1950 Beteiligungen an Ausstellungen (u.a. in Florenz, München, Hamburg, Bremen); 1950-51 Italien-Aufenthalt, u.a. Studium an der Kunstakademie in Florenz; 1953 auf Einladung Erich Kästners beteiligt er sich an einer Ausstellung israelischer Kinder in München; Oktober 1953 Rückkehr nach Hamburg; er hält Vorträge und gibt Kunstunterricht für Kinder und Jugendliche; 1955 Kunsterzieher am sozialpädagogischen Institut der Universität Hamburg; Bekanntschaft mit Eva Peters, seiner späteren Frau; 1957 Gründung des „Jungen Studios“; 1962 Pläne für eine erneute Emigration, da er die „heuchlerische christlich-jüdische Brüderlichkeit“ ebenso wie die Rehabilitierung von Theodor Oberländer (1905-1998) kritisierte; 1963 wandte sich Goral offen gegen Peter R. Hofstätter und dessen, in „Die Zeit“ publizierten, Artikel „Bewältigte Vergangenheit?“; 1964 Übersiedlung nach Berlin; 1965 Gründung der Galerie Uhu in Hamburg; 1967 beteiligt er sich an der Initiative „Hamburg linksliterarisch“; 1968 Gründung der Hamburger „Intergalerie“; Reise in die CSSR; Oktober 1968 Heirat mit Eva Peters; 1973 organisierte er die Hamburger Ausstellungen „Aufstand im Warschauer Ghetto“ und „Internationale Engagierte Kunst“; 1976 Teilnahme am „Kongress gegen politische Unterdrückung und ökonomische Ausbeutung“, der vom Sozialistischen Büro Frankfurt veranstaltet wurde; 1978 entstehen die letzten Werke als bildender Künstler; 1979 protestiert er öffentlich gegen Syberbergs Hitler-Film; 1982 Verleihung der „Biermann-Ratjen-Medaille“; Einweihung des Heine-Denkmals auf dem Hamburger Marktplatz, für das sich Goral lange eingesetzt hatte

Werke von Arie Goral befinden sich u.a. in folgenden Sammlungen: Jüdisches Museum in Frankfurt am Main (künstlerischer Nachlass); Jüdisches Museum Rendsburg; Kunstsammlung des NDR; Sammlung Dr. Maike Bruhns (Hamburg); Museum Kunst der verlorenen Generation / Sammlung Prof. Dr. Heinz Böhme (Salzburg); Exil-Sammlung Memoria / Thomas B. Schumann (Hürth)

Literatur (Auswahl)
Bruhns, Maike (2001): Kunst in der Krise (Band 2); Dölling und Galitz; Hamburg; S.158-160
Bruhns, Maike (2007): Geflohen aus Deutschland. Hamburger Künstler im Exil 1933-1945; Edition Temmen; Bremen; S. 200-201
Gross, Raphael / Riedel, Erik (Hrsg.) (2007): Kein Weg als Jude und Deutscher? Arie Goral. Der Maler Publizist und Dichter; Offenbach am Main: Beer Konzept
Jüdisches Museum Rendsburg (1998): Arie Goral; Neumünster: Wachholtz
Heydorn, Volker Detlef (1974): Maler in Hamburg 1966-1974; Christians; Hamburg; S. 142
Familie Kay Rump (Hrsg.) (2013): Der neue Rump. Lexikon der bildenden Künstler Hamburgs (überarbeitet von Maike Bruhns); Wachholtz; Neumünster – Hamburg; S.152
Hansen, Antje: Arie Goral, in: „Allgemeines Künstlerlexikon“ (AKL), Onlineversion, Künstler-ID: 40290646