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Weitere schwäbische Künstler

 

 

Bruststück der Eleonore van Hoogstraten (1938)

Öl auf Leinwand, Keilrahmen, gerahmt
unten links datiert „[19]38“
unten links signiert „W. Imkamp“
Größe: 52,2 x 40 cm (ohne Rahmen) bzw. 62 x 49,5 cm (mit Rahmen)

€ 1.350,-

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Titel
nicht betitelt, Bruststück der Eleonore van Hoogstraten (1918-2007), Tochter der Pianistin Elly Ney (27.09.1882 Düsseldorf – 31.03.1968 Tutzing) und des Geigers und Dirigenten Willem van Hoogstraten (18.03.1884 Utrecht – 11.09.1965 Tutzing)

Zustand
im rechten Bereich mittig (etwas oberhalb der Schulter) kleiner, retuschierter Leinwandschaden; im Eckbereich unten rechts sehr kleiner Verlust der Farbschicht; partiell schwach fleckig; verso auf Rahmen und Keilrahmen Annotationen in Blei (wohl von Rahmenmacher); Rahmen mit leichten Gebrauchsspuren (etwas berieben, leichte Abplatzer)

 

 

Freundliche Hinweise zur Einordnung des Werkes kamen dankenswerterweise von Frau Dr. Lioba Schmittt-Imkamp („Privatarchiv Wilhelm Imkamp“, Heidelberg).

 

 

Wilhelm Imkamp gilt als einer der wichtigsten und eigenständigsten Vertreter der Abstraktion nach 1945. Doch im Gegensatz zu anderen Vertretern der gegenstandslosen Kunst, die sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg diesem Stil zuwandten, hatte Imkamp bereits in den 1920er Jahren die Grundlagen hierfür gelegt. Noch während seines Studiums am Dessauer Bauhaus (1926-29) bei Klee und Kandinsky hatte er erste Ausstellungsbeteiligungen und 1932 fand schließlich die erste Einzelausstellungen mit abstrakten Arbeiten im Museum Folkwang statt. Der Erfolg war so groß, dass die Schau an das Städtische Museum in Duisburg weitergereicht wurde. Weitere Möglichkeiten um diese Ausstellungen zu zeigen, wurden mit der Machtergreifung 1933 unterbunden. Sicherlich war es damals anfangs durchaus noch möglich moderne, soll vor allem heißen: expressiv realistische, Kunst zu zeigen, doch für Vertreter der Abstraktion bedeutete 1933 dieser politische Wandel direkt eine Zäsur. Ihre Kunstauffassung war von Beginn an verfemt und hatte fortan keinerlei Chance mehr auf Öffentlichkeit.

Imkamp, der sich 1930 als freischaffender Künstler in Essen niedergelassen hatte, malte seine abstrakten Arbeiten nur noch im Privaten. Offiziell betätigte er sich vor allem als Porträt- und Landschaftsmaler. Diese Lösung hatte zweifelsohne ganz schlichte wirtschaftliche Gründe und verweist zugleich zurück auf die Jugendzeit des Künstlers, in der er ebenso Porträtaufträge annahm, um so die Eltern ein wenig finanziell zu unterstützen.

Das vorliegende Gemälde aus dem Jahr 1938 ist explizit in diese Zeitspanne einzuordnen. Es steht sicherlich in engem Zusammenhang mit der „Bildnisstudie: Prof. Elly Ney“, welche bei der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1939 ausgestellt und dort von Adolf Hitler angekauft wurde [Standort: Deutsches Historisches Museum, Sammlung Haus der Deutschen Kunst, Gm 98/252.].

Die hier dargestellte Eleonore van Hoogstraten (1918-2007) war die Tochter von Elly Ney (1882-1968) und des Geigers und Dirigenten Willem van Hoogstraten (1884-1965). Neben seiner überaus populären Frau war auch Willem van Hoogstraten zu dieser Zeit in Musikkreisen durchaus bekannt – 1939, 1941 und 1942 dirigierte er bei den Salzburger Festspielen und von 1939 bis 1945 war er Chefdirigent des Mozarteumorchesters.
Anzunehmen ist, dass Imkamp Kontakte zu Elly Ney und deren Freundeskreis erhielt oder bereits hatte. Hierauf verweist nicht zuletzt auch ein Porträtgemälde von Ludwig Hoelscher, welches bei der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1940 gezeigt wurde [Standort: unbekannt.]. Ludwig Hoelscher, Wilhelm Stross und Elly Ney bildeten ab 1930 das sogenannte „Elly-Ney-Trio“.
Elly Ney unterstützte zeitlebens verschiedenste Personen, worunter auch Künstler waren. Es lässt sich daher vermuten, dass Elly Ney das vorliegende Bildnis ihrer Tochter bei Imkamp auch deswegen in Auftrag gab, um diesen finanziell zu unterstützen.

Überaus bemerkenswert ist die Tatsache, dass das offizielle, realistische Schaffen Imkamps aus der Zeit des Dritten Reichs deutlich heraussticht aus dem übrigen, vor allem gegenstandsfreien Œuvre. Es wirkt fast schon wie das Werk eines anderen Künstlers und wird sicherlich maßgeblich durch die äußeren Umstände, den Druck und mögliche persönliche Nöte bedingt gewesen sein.

 

 

Zu Wilhelm Imkamp (09.03.1906 Münster – 01.11.1990 Stuttgart):
Maler, Zeichner; er war das jüngste von vier Kindern des selbstständigen Malermeisters Anton Imkamp; noch während der Schulzeit besuchte er die sog. „Gipsklasse“ der Kunstgewerbeschule in Münster, sowie ab seinem 16. Lebensjahr auch die dortige „Aktklasse“; bereits zu dieser Zeit unterstützte er seine Eltern finanziell durch kleine Porträtaufträge; 1926 Abitur an der Oberrealschule in Münster; 1926 bewarb er sich auf Anraten seines Zeichenlehrers am Bauhaus in Dessau und beginnt sein Studium im Wintersemester 1926/27; bis 1929 besuchter er Kurse von Paul Klee und Wassily Kandinsky, zudem besuchte er Lyonel Feininger in dessen Meisterhaus; das Studium finanzierte er sich durch Porträtaufträge, sowie durch ein Stipendium des Landes Westfalen; noch während des Studiums nahm er an ersten Ausstellungen teil; 1929 prägender Paris-Aufenthalt; ab 1930 ließ er sich als freischaffender Maler in Essen nieder und hatte seinen eigenen gegenstandslosen Stil gefunden; ab 1933 trat die Abstraktion in den Hintergrund und er ging dieser nur noch im Privaten nach, während er offiziell als Landschafts- und Porträtmaler auftrat; 1939 Heirat mit Charlotte Rube und Umzug nach Gießen; 1939-45 Kriegsdienst, während dieser Zeit war Imkamp „Kriegsmaler“ an der Westfront; 1944 wurde die Gießener Wohnung samt Atelier zerstört, so dass das Paar nach Allendorf übersiedelte; nach 1945 begann er sich nur noch der Abstraktion zu widmen; 1948 verzog Imkamp nach Asperg bei Stuttgart, um so der Stuttgarter gegenstandslosen Kunst näher zu sein; es entstanden Freundschaften mit Ida Kerkovius, Erich Schurr und anderen; 1953 Umzug in ein kleines Atelierhaus in Stuttgart; 1963 Bau eines größeren Atelierhauses auf dem Stuttgarter Killesberg; ab den 1950er hatte Imkamp zahlreiche Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen; angetragene Lehraufträge schlug er stets aus, da er sich auf seine Kunst konzentrieren wollte; insgesamt lebte und arbeitete Imkamp eher zurückgezogen, wollte bis in die 1960er Jahre hinein nicht mit dem Kunsthandel zusammenarbeiten und suchte stets den direkten Kontakt mit Sammlern; 1979 verleiht ihm das Land Baden-Württemberg den Professorentitel

Mitgliedschaften: „Neue Gruppe“; ab 1949 „Die Schanze“; ab 1951 „gruppe sw“; ab 1951 „Verband Bildender Künstler Württemberg“

Ausstellungen (Auswahl)
1928/29 Wanderausstellung „Junge Bauhausmaler“; 1929 Juryfreie-Ausstellung (Berlin); 1932 Museum Folkwang (Essen); 1932/33 Städtisches Museum Duisburg; 1939-41 und 1943 war er mit insgesamt fünf Werken vertreten bei den „Großen Deutschen Kunstausstellungen“ (München); 1946 Marburger Universitätsmuseum (erste Einzelausstellung nach dem Krieg); in der Folge zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen, zuletzt 23.08.2020 – 10.01.2021 „Wilhelm Imkamp. Vom Bauhaus-Schüler zum Meister der Abstraktion.“ (Fagus-Werke, Alfeld (Leine))

Werke
Werke Wilhelm Imkamps befinden sich in zahlreichen öffentlichen Sammlungen, wie u.a. Suermondt-Ludwig-Museum (Aachen), Kunstmuseum Basel, Kunsthalle Bielefeld, Kunstmuseum Bochum, Stiftung Bauhaus Dessau, Museum am Ostwall (Dortmund), Städtische Kunstsammlung Düsseldorf, Wilhelm-Lehmbruck-Museum (Duisburg), Museum Folkwang (Essen), Osthaus Museum (Hagen), Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Museum Ludwig (Köln), Wilhelm Hack Museum (Ludwigshafen), Kunsthalle Mannheim, Bayerische Staatsgemäldesammlungen (München), Westfälisches Landesmuseum (Münster), Germanisches Nationalmuseum, Staatsgalerie Stuttgart, Von der Heydt-Museum (Wuppertal).