W E R N E R   P .   Z I B A S O

 

Weitere Werke von Werner P. Zibaso

 

 

„Rue Blomet“ (1931)

Holzschnitt auf Ingrespapier, aufgezogen auf Papier, unter Passepartout
u.l. im Druck datiert „[19]31“

u.l. im Druck monogrammiert „WZ“, sowie auf dem Passepartout unten links in Schwarz nachträglich vom Künstler signiert „WZibaso“; sowie verso oben links (teilweise abgeschnittener) Künstlerstempel

Auflage: o.A.

€ 130,-

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Größe
Passepartoutgröße: 29,8 x 21,1 cm
Druckgröße: 16,2 x 12 cm

Titel
auf dem Passepartout unten links in Schwarz nachträglich vom Künstler betitelt „Rue Blomet“

Zustand
Blatt aufgezogen auf Papier, unter Passepartout; Passepartout an den Rändern uneben zugeschnitten

 

 

Werner P. Zibaso (recte: Gustav Otto Werner Zippel) machte sich insbesondere als Drehbuchautor einen Namen. Bevor Zibaso 1937 sein erstes Drehbuch („Gordian, der Tyrann“) fertigstellte, schlug er eine künstlerische Laufbahn als Maler, Grafiker und Illustrator ein. Seine damaligen Arbeiten der beginnenden 1930er Jahre lassen nicht nur bei der Darstellungsweise, sondern auch bei der Motivwahl deutliche Anknüpfungspunkte an einen ‚urbanen Expressionismus‘ erkennen. Immer wieder greifen die Arbeiten zutiefst soziale Themen auf, die einerseits als zeitunabhängig (Not, Armut, Hunger, u.a.) und andererseits als direkt kontextbezogen (bspw. Kriegskrüppel) gesehen werden können.

Im vorliegenden Blatt entführt Zibaso den Betrachter mitten in eine Kneipe, welche dem nachräglich gegebenen Titel nach in die Pariser „Rue Bloment“ lokalisiert werden kann. Bezeichnend ist dies auch deswegen, da gerade in der Rue Bloment zahlreiche Ateliers und Ateliergemeinschaften bestanden, welche für die Entwicklung der modernen Kunst entscheidende Bedeutung hatten. – Man denke hierbei beispielsweise an Künstler wie Joan Miró, André Masson, Antonin Artaud, Roger Vitrac und andere.
Die verschlossene Tür im hinteren Bereich begrenzt das Sichtfeld deutlich und vermittelt so den Eindruck eines nur kleinen Raums. Im Vordergrund wird dieser Raum belebt mit einer älteren, stark geschminkten Wirtin, die sich mit ihren Armen auf den Tresen stützt. Ihr gegenüber lehnt ein älterer Mann mit Schiebermütze an der Wand. Die Hände in den Taschen und den Kopf leicht gesenkt, wirkt er wie eingeschlafen. Der hintere Bildteil wird durch einen Vorhang, einem Séparée gleich, vom Betrachter abgetrennt. Doch lassen sich neben dem Tisch links auch die Andeutungen eines Liebespaars erkennen, bei dem sie augenscheinlich auf seinem Schoß sitzt.

Bestechend ausgeführte, urbane Szenerie!

 

 

Zu Werner P. Zibaso (5.8.1910 Bad Homburg v.d.H. – 23.4.1983 Berg am Starnberger See):
Schriftsteller, Drehbuchautor, Zeichner, Grafiker, Illustrator; gebürtig: Gustav Otto Werner Zippel; Sohn von Johannes Zippel und dessen Frau Wanda, geb. Wilhelmi; anfänglich schlug Zibaso eine künstlerische Laufbahn als Maler, Grafiker und Illustrator ein; 1932-36 Beteiligungen an Gruppenausstellungen in Frankfurt a.M. und Berlin; 1932-37 freischaffender Journalist bei der „Vossischen Zeitung“, beim „Berliner Tageblatt“, sowie beim „Uhu“; 1932-37 Bühnenautor in Berlin (tätig u.a. für die UFA); 1936 erscheint der Roman „Abenteuer im Urwald“ (Berlin: DBG) von Franz Taut (recte: Franz Frhr. v. Tautphoeus) mit zwölf Zeichnungen Zibasos; 1937 entstand sein erstes Filmdrehbuch „Gordian, der Tyrann“; (spätestens) 1940 bis (mindestens) 1943 wohnhaft in der Potsdamer Chaussee 49 in Berlin-Nikolassee (zu dieser Zeit in Adressbüchern als Schriftsteller verzeichnet); 1945 Beteiligung an der „Ausstellung bildender Künstler“ (veranstaltet vom Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands, Berlin); ab 1946 wohnhaft in der Palmzeile 21 in Berlin-Schlachtensee; 1946-80 Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler Berlins; bis 1980 schrieb er zahlreiche Drehbücher für verschiedene Genres, darunter u.a. „Es geschah am 20. Juli“ (1955), „Der Arzt von Stalingrad“ (1957), „Orden für die Wunderkinder“ (1963); Zibaso war zuletzt wohnhaft in der Sonnenstraße 2 in München; 12.03.1971 Heirat in München mit Verena Mathilde, geb. Weiß; Werner P. Zibaso starb im Klinikum in Berg-Kempfenhausen (Münchner Straße)

Literatur
KOSCH, Wilhelm (2011): Deutsches Theaterlexikon. Biographisches und bibliographisches Handbuch [Bd. VII, Lieferung 38/39]; Berlin et al.: De Gruyter; S. 3765
Who’s who in the world, 1978-1979 [4. Bd.]; Chicago et al.: Marquis; S. 1028
Internetseite der “Internet-Movie-Database” [imdb.com];
Berliner Adressbücher der Jahre 1940-43