W E R N E R   P .   Z I B A S O

 

Weitere Werke von Werner P. Zibaso

 

 

tanzender, dunkelhäutiger Akt mit Trommel

Holzschnitt auf Japanpapier
u.r. im Druck datiert „[19]31″[?]

Blattgröße: 29,7 x 20,9cm
Bildgröße: 27,5 x 17,5cm
Auflage: o.A.

u.r. im Druck monogrammiert „W.Z.“

€ 140,-

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Zustand
rechter und oberer Blattrand mitunter leicht uneben beschnitten; recto und verso durchgehend etwas stockfleckig; leichte Druckstellen im Blatt; linker Blattrand leicht knittrig; verso rechter Rand etwas farbfleckig

 

 

Werner P. Zibaso (recte: Gustav Otto Werner Zippel) machte sich insbesondere als Drehbuchautor einen Namen. Bevor Zibaso 1937 sein erstes Drehbuch („Gordian, der Tyrann“) fertigstellte, schlug er eine künstlerische Laufbahn als Maler, Grafiker und Illustrator ein. Seine damaligen Arbeiten der beginnenden 1930er Jahre lassen nicht nur bei der Darstellungsweise, sondern auch bei der Motivwahl deutliche Anknüpfungspunkte an einen ‚urbanen Expressionismus‘ erkennen. Immer wieder greifen die Arbeiten zutiefst soziale Themen auf, die einerseits als zeitunabhängig (Not, Armut, Hunger, u.a.) und andererseits als direkt kontextbezogen (bspw. Kriegskrüppel) gesehen werden können.
Im vorliegenden Holzschnitt behandelt Zibaso nochmals ein anderes Sujet, welches sich aber gerade in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts unter modernen Künstlern einer Beliebtheit erfreute. Tanzende, dunkelhäutige Akte oder Halbakte, zeigten sich oftmals in dynamischer und schwungvoller Form. Man denke hierbei u.a. an das Gemälde „Negertanz“ (1911) von Ernst Ludwig Kirchner oder den Holzschnitt „Die Werbung (Neger und Tänzerin)“ (1913) von Christian Rohlfs. Zu einer allgemeinen, nicht nur auf den Tanz bezogenen Darstellung hierzu vgl. besonders Jost Hermand (1987): Gewollte Primitivität. Schwarze in expressionistischer Kunst und Literatur (in: kritische berichte; Bd. 15; Nr. 2; S. 4-19).
Bei Zibaso nimmt die Tanzende ganz klar das Zentrum des Bildes ein. Die Füße stehen locker gekreuzt, wobei das Gewicht allein auf den Ballen ruht. Die hierzu benötigte Kraftanstrengung zeigt sich in den angespannten, straffen Waden und Schenkeln. Über dem leicht runden Bauch stehen zwei spitze Brüste über denen eine Kette als Schmuck liegt. Weiterer Schmuck ziert Nase, Ohren und Arme. In der rechten Hand hält sie eine kleine Trommel, auf die sie mit dem Stock in der anderen Hand schlägt. Der Tanz scheint sie ganz zu vereinnahmen, ganz von ihr Besitz ergriffen zu haben.
Das Umfeld wird von Zibaso dagegen nur dezent angedeutet. Der Boden bleibt in wenigen gewellten Linien eher diffus. Am linken und rechten Rand erheben sich zwei Bäume, wobei links die Blätter in das Bild hängen, während der Baum rechts kahl und beschnitten ist, um damit zugleich zumindest indirekt ein erotisches, da phallisches Motiv zu vermitteln. Der Himmel wirkt durch die unruhig gezeigten Striche und Linien fiebrig und wie von heißer Luft aufgeladen.
Sehr schöne, eigenständige Umsetzung Zibasos.

 

 

Zu Werner P. Zibaso (5.8.1910 Bad Homburg v.d.H. – 23.4.1983 Berg am Starnberger See):
Schriftsteller, Drehbuchautor, Zeichner, Grafiker, Illustrator; gebürtig: Gustav Otto Werner Zippel; Sohn von Johannes Zippel und dessen Frau Wanda, geb. Wilhelmi; anfänglich schlug Zibaso eine künstlerische Laufbahn als Maler, Grafiker und Illustrator ein; 1932-36 Beteiligungen an Gruppenausstellungen in Frankfurt a.M. und Berlin; 1932-37 freischaffender Journalist bei der „Vossischen Zeitung“, beim „Berliner Tageblatt“, sowie beim „Uhu“; 1932-37 Bühnenautor in Berlin (tätig u.a. für die UFA); 1936 erscheint der Roman „Abenteuer im Urwald“ (Berlin: DBG) von Franz Taut (recte: Franz Frhr. v. Tautphoeus) mit zwölf Zeichnungen Zibasos; 1937 entstand sein erstes Filmdrehbuch „Gordian, der Tyrann“; (spätestens) 1940 bis (mindestens) 1943 wohnhaft in der Potsdamer Chaussee 49 in Berlin-Nikolassee (zu dieser Zeit in Adressbüchern als Schriftsteller verzeichnet); 1945 Beteiligung an der „Ausstellung bildender Künstler“ (veranstaltet vom Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands, Berlin); ab 1946 wohnhaft in der Palmzeile 21 in Berlin-Schlachtensee; 1946-80 Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler Berlins; bis 1980 schrieb er zahlreiche Drehbücher für verschiedene Genres, darunter u.a. „Es geschah am 20. Juli“ (1955), „Der Arzt von Stalingrad“ (1957), „Orden für die Wunderkinder“ (1963); Zibaso war zuletzt wohnhaft in der Sonnenstraße 2 in München; 12.03.1971 Heirat in München mit Verena Mathilde, geb. Weiß; Werner P. Zibaso starb im Klinikum in Berg-Kempfenhausen (Münchner Straße)

Literatur
KOSCH, Wilhelm (2011): Deutsches Theaterlexikon. Biographisches und bibliographisches Handbuch [Bd. VII, Lieferung 38/39]; Berlin et al.: De Gruyter; S. 3765
Who’s who in the world, 1978-1979 [4. Bd.]; Chicago et al.: Marquis; S. 1028
Internetseite der “Internet-Movie-Database” [imdb.com];
Berliner Adressbücher der Jahre 1940-43