W E R N E R   B E G A S

 

Weitere Berliner Künstler

 

 

wohl morgendliche Sylter Küstenansicht

Öl auf Leinwand, u.l. in Braunrot lokalisiert und datiert „Sylt 1910“
u.l. in Braunrot signiert „Werner Begas“
Größe: 34 x 53,7cm (mit Rahmen) bzw. 30 x 50cm (ohne Rahmen)

€ 1.400,-

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Titel
Öl auf Leinwand, Keilrahmen, gerahmt [verso auf Keilrahmen Stempel von „Müller & Hennig / Künstlerfarben und Malutensilien / Dresden Pragerstraße 52“]

Zustand
partiell leicht fleckig; im Bereich u.l. (bei dem pastosen Weiß der Wellen) leichte Retuschen; Leinwand verso leicht (farb-)fleckig; Rahmen mit leichten, wenigen Gebrauchsspuren; Keilrahmen verso o.r. in Blau nummer. „3628“, sowie o.l. in Blei nummer. „1338“

 

 

Werner Begas entstammte einer vornehmlich in Berlin tätigen Künstlerfamilie. Sein Großvater war Carl Joseph Begas (30.09.1794 Heinsberg – 24.11.1854 Berlin), dessen vier Söhne wiederum ebenfalls Künstler wurden. Einer hiervon war der berühmte Bildhauer Reinhold Begas, Vater von Werner Begas. Und es war auch sein Vater der für Werner Begas zum maßgeblichen Lehrer auf dem Gebiet der bildenden Kunst wurde. Zugleich hatte Werner Begas als Sohn des berühmten Bildhauers bereits Einlass in höhere gesellschaftliche Kreise und verkehrte dort. So lässt sich beispielsweise für den 15. Januar 1895 ein Besuch von Werner Begas zusammen mit seiner Mutter bei einem Diner von Julius Meier-Graefe nachweisen. Weiterhin wird sowohl er wie auch sein Vater in den Erinnerungen von Carl Fürstenberg (28.08.1850 Danzig – 08.02.1933 Berlin) mehrfach und löblich erwähnt (siehe hierzu: Fürstenberg, Hans (Hrsg.) (1931): Carl Fürstenberg. Die Lebensgeschichte eines deutschen Bankiers 1870-1914; Berlin: Ullstein; S. 71, 221, 226f., 334). Es sind auch diese biografischen Erinnerungen des Berliner Bankiers Fürstenberg, die auf einen sehr interessanten, oftmals vergessenen Punkt hinweisen. Denn Werner Begas war zwar in der Hauptsache Bildhauer, doch daneben betätigte er sich ebenso als Maler.
Explizit heißt es hierzu:

„Gerade in der Zeit, über die ich berichte [i.e. das ausgehende 19. Jahrhundert], verkehrten zum Beispiel zahlreiche Künstler bei uns. Zu den bereits erwähnten polnischen Malern gesellten sich unser Grunewalder Nachbar Leistikow. Ich nenne ferner Maler wie Hanns Fechner, Max Rabes, Georg Ludwig Meyer und den Träger eines großen historischen Namens, Lucas Cranach. Auch Werner Begas, der Sohn des großen Bildhauers, hatte eine starke malerische Begabung“ (Fürstenberg 1931: 334).

Ganz offiziell finden sich in den Dresdener Adressbüchern von 1909 bis 1912, sowie in den darauf folgenden Berliner Adressbüchern die Angaben ‚Bildhauer‘ und ‚Maler‘. Erst im Späteren verschwindet die ‚Maler‘-Profession aus diesen amtlichen Quellen wieder.
Und als eine interessante Anekdote mag man in diesem Zusammenhang noch einen Brief des Künstlers an Anton von Werner (09.05.1843 Frankfurt (Oder) – 04.01.1915 Berlin) heranziehen, den Werner Begas im Juni 1910 schrieb (der besagte Brief befindet sich im „Geheimen Staatsarchiv – Preußischer Kulturbesitz“ (Berlin), das den Nachlass Anton von Werners verwahrt. Signatur: VI. HA, Nl Werner, A. v., Nr. 11 Lit. Ba – Bi). Hierin klagt er dem betagten Professor und Freund seines Vaters sein Leid über den Dresdener Professor Richard Müller. Dieser habe ein Gemälde von Werner Begas, auf dem jener seinen Vater porträtierte, für die „Große Berliner Kunstausstellung“ als ungenügend abgelehnt. Der Verfasser erhofft sich nun Hilfe und bittet um einen Ratschlag von Anton von Werner. Bezogen auf sein malerisches Werk führt Begas zu den Einlieferungen zur Ausstellung noch explizit aus: „Ich schickte es [d.h. das Porträt des Vaters] […] mit noch 3 anderen Bildern und einem Broncekopf […]“.
In einer weiteren Erinnerung von Carl Fürstenberg, wird zudem geschildert, dass sich jener mit seiner Familie um 1875 zur Sommerfrische auf Sylt befand. „Wir lebten recht gemütlich in der ‚Villa Roth‘, und in einem der Nebengebäude hatte sich Reinhold Begas einquartiert“ (Fürstenberg 1931: 228). Und damit gibt der Bankier zumindest eine indirekte Verbindung von der Familie Begas zur Insel Sylt und damit zu dem vorliegenden Gemälde.

Werner Begas malte hier 1910 einen wohl morgendlichen Blick auf die Nordsee und lokalisierte das Gemälde explizit nach Sylt. Zu dem Entstehungszeitraum passt weiterhin der verso auf dem Keilrahmen befindliche Stempel der Dresdner Firma „Müller & Hennig / Künstlerfarben und Malutensilien“, lässt sich doch der Wohnsitz des Künstlers für den Zeitraum 1909 bis 1912 in Dresden nachweisen.
Die Ansicht wurde vom Künstler in zwei nahezu gleich große Teile geteilt. – Das Meer unten und der Himmel oben. Die dunkelblaue, schwarze Nordsee wird nur leicht aufgelockert durch die weiße Gischt der Wellen. Der Himmel zeigt sich dagegen in einer etwas belebteren Farbigkeit aus einem hellen Grau, Blau, sowie Braun- und Ockertönen. Das Sonnenlicht scheint von der linken Bildseite in die Szenerie vorzudringen und erhellt auf diese Weise mehr und mehr den Raum. Besonders jene Stellen im rechten Bereich des Himmels, in denen das Braun dezent in den Wolkenpartien eingefügt ist, wirken überaus gelungen und wirkmächtig. Es sind zugleich auch diese scheinbar marginalen Aspekte, welche die vorliegende Ansicht qualitativ über gängige Meeresansichten herausheben.

Bedenkt man, dass bereits bildhauerische Arbeiten von Werner Begas eher selten auftauchen, so muss man bei Gemälden von einer absoluten Seltenheit ausgehen. Neben dem reinen malerischen Reiz an sich, kommt diesem Rarissimum daher noch eine biografische, kunsthistorische Bedeutung zu.

 

 

Zu Reinhold Josef Werner Begas (04.03.1872 Berlin – 25.01.1927 ebd.):
Bildhauer, Maler; entstammte der vornehmlich in Berlin tötigen Künstlerfamilie Begas; Sohn und Meisterschüler von Reinhold Begas (15.07.1831 Schöneberg – 03.08.1911 ebd.); die Familie hatte enge Kontakte zur damaligen Kunst- und Kulturwelt Berlins, so lässt sich für den 15.01.1895 ein Besuch von Werner Begas zusammen mit seiner Mutter bei einem Diner von Julius Meier-Graefe nachweisen (Harry Graf Kessler (2004): Das Tagebuch. 1880-1937 [Zweiter Band 1892-1897, hrsg. v. Günter Riederer und Jörg Schuster]; Stuttgart: Cotta; S. 315); 1896/97 gewann er einen Preis im Wettbewerb um die Ergänzung der antiken „Tanzenden Mänade“; 1897 Beteiligung an der „Grossen Berliner Kunstausstellung“; 1898 Beteiligung an der „Jubiläums-Kunstausstellung der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens“; 1899 Romaufenthalt in der „Casa Baldi“; 1909-12 wohnhaft in der Gustav-Adolf-Straße 11 in Dresden; ab 1913 in Berlin ansässig (anfangs in der Reichsstr. 1 in Charlottenburg, später kurz in der Holsteinischen Str. 7, sowie darauf in der Hohenzollernstr. 7 in Steglitz).
Werner Begas schuf als Bildhauer hauptsächlich Porträts. Daneben entstanden aber auch Gemälde mit Landschafts- und Personendarstellungen.
Werke befinden sich in der Berlinischen Galerie, dem Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, der Hochschule für Bildende Künste Berlin, der Deutschen Nationalbibliothek (Leipzig).

Literatur
Müllejans-Dickmann, Rita / Cortjaens, Wolfgang (Hrsg.) (2013): Begas Haus Heinsberg. Die Sammlung Begas; Köln: Wienand; S. 214
Feist, Peter H.: Werner Begas, in: „Allgemeines Künstlerlexikon“ (AKL), Onlineversion, Künstler-ID: 10113073
Fürstenberg, Hans (Hrsg.) (1931): Carl Fürstenberg. Die Lebensgeschichte eines deutschen Bankiers 1870-1914; Berlin: Ullstein; S. 334