T H E O    C H A M P I O N   (05.02.1887 Oberkassel – 20.09.1952 Zell an der Mosel)

 

Weitere schwäbische Künstler

 

 

morgendlicher Ausblick auf eine Mole am Rhein mit einsamer Person (1924)

Öl auf Leinwand, aufgezogen auf festen Karton, gerahmt
unten links datiert „1924“
unten links signiert „Champion“ (leicht vom Rahmen verdeckt), sowie verso am Ende der Widmung nochmals sign. „Theo Champion“

€ 1.800,-

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Titel
ohne Titel; morgendlicher Ausblick auf eine Mole am Rhein mit einsamer Person

Größe
Größe: 25,5 x 30,5 cm (ohne Rahmen) bzw. 40 x 45,9 cm (mit Rahmen)

Zustand
etwas nachgedunkelt und leicht fleckig; im Bereich unten links sehr leicht berieben; verso fleckig, sowie Nummerierungen und Annotationen; Rahmen etwas berieben

Provenienz
1) verso Widmung des Künstlers:
„Herrn Dr. Blasberg
in Verehrung freundlichst zugeeignet
Theo Champion
Im August 1924“

Die Widmung richtet sich wohl an Dr. Eugen Blasberg (Lebensdaten unbek.), Inhaber der Firma „Eugen Blasberg & Co.“ (Camphausenstr. 181, Düsseldorf). Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts war die Firma sehr bekannt, da sie mehrere wichtige Innovationen schuf. So war sie 1893 mit einer eigens konstruierten einklappbaren (Feuerwehr-)Leiter auf der Weltausstellung in Chicago vertreten. Daneben bestanden Patente auf u.a. neuartige Kühl- und Heizsysteme.
2) Privatbesitz (Düsseldorf)
3) 23.06.2012, Peter Karbstein, Düsseldorf, Auktion, Los 263 [dort betitelt als „Uferböschung am Rhein“].

 

 

Nach seinen Studien in Düsseldorf und Weimar unternahm Champion Studienreisen nach Frankreich, Italien und in die Niederlande. Er wurde zu dieser Zeit sehr von Van Gogh beeinflusst. Im Ersten Weltkrieg wurde er bei Verdun (1916) verwundet. Er kommt nach Düsseldorf zurück und wird dort 1919 Gründungsmitglied des „Jungen Rheinlandes“. 1921 hatte er eine Einzelausstellung bei der Galerie Flechtheim und es setzte eine „lebhafte Ausstellungsaktivität“ [1] ein, die ihm letztlich zum künstlerischen Durchbruch verhalf.

Zur Malweise der 1920er Jahre schreibt Inge Zacher:

„Im Laufe der zwanziger Jahre wurde die Malweise Champions immer feiner, die Bildformate deutlich kleiner. Er entwickelte eine altmeisterlich anmutende Maltechnik, die er bis in sein Spätwerk beibehielt: Eine Sperrholz- oder Hartfaserplatte wird mit dünner Leinwand oder Nessel bezogen, die zuvor in Leimwasser getaucht wird. Dann wird eine Paste aus Leimwasser, Zinkoxyd, Kreide und Gips in drei Schichten aufgetragen. Nach dem Trocknen erfolgt das Schleifen dieser Grundierung mit einem Schleifklotz, über den Sandpapier gespannt wird. Diese Vorbereitung nahm Champion im Atelier vor. Dort wurde auch der Himmel schon mit Ölfarbe angelegt.“ [2]

Dieses vorliegende, auf 1924 datierte Gemälde ist in diese Schaffensphase einzuordnen. Das kleinere Format und auch die Bevorzugung von Brauntönen [3] innerhalb des Motivs sind exemplarisch für Werke Champions aus diesen 1920er Jahren.

Der Vordergrund ist in Form des Ufers mit seinen Sträuchern nur kurz angeschnitten und der weite Blick geht direkt in das von der Morgensonne angestrahlte Wasser. Erst tief im Bild ist die Horizontlinie an der sich Himmel und Wasser treffen und der Himmel selbst nimmt nur einen marginalen Teil innerhalb der Komposition ein. In diesen Hintergrundbereich verlegt Champion dann eine schemenhafte Szenerie aus kleinen Booten, einer Mole und einer darauf stehenden Person. Vom linken Rand zieht sich die Mole bis über die Bildmitte hin und gegen Ende erblicken wir dann die Umrisse einer stehenden Person. Ganz dezidiert lässt sich anhand der Details sogar sagen, dass dieser Mann sich nach links wendet – vielleicht geht er gerade zum Ufer zurück, vielleicht blickt er nur dorthin? Solche scheinbar menschenleeren Landschaften, wie auch solch abgewandte Figuren finden sich im damaligen Schaffen des Künstlers immer wieder. Diese kleine Figur auf der Mole ist ein feines, kleines Detail, welches Champion hier in das Motiv einfügte und welches zugleich in seiner Rätselhaftigkeit zu einem stillen Zentrum dieses dichten, wirkungsstarken Bildes wird. Trefflich heißt es in diesem Sinne bei Herbert Eulenberg:

„Dabei ist er [d.h. Theo Champion] durchaus nicht platter Naturabschreiber, sondern adelt jedes kleinste Bildchen noch mit der Eigentümlichkeit seines Wesens, die das Vergängliche, Flüchtige in allem sieht und einen Stich ins Menschlich-Schwermütige hat.“ [4]

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[1] Inge Zacher (1987): Theo Champion – sein Leben und seine künstlerische Entwicklung, in: Stadtmuseum Düsseldorf / Städtisches Museum Haus Koekkoek Kleve (Hrsg.): Theo Champion 1887-1952. Gemälde und Graphik, Kleve: Boss Druck & Verlag, S. 7-21 [hier: 12).
[2] Ebd.
[3] Hierauf macht auch Herbert Eulenberg aufmerksam, wenn er schreibt: „In den eigentümlich von ihm [d.h. Theo Champion] gewählten Farben, die der landläufige Bilderkäufer unnatürlich und falsch findet, während sie den ins Bunte Verliebten entzücken: Dies Zinnober- oder pompejanische Rot und dies Braun vor allem, das er in allen Tönungen vom tief dunklen bis zum hellen gelben liebt“ (Herbert Eulenberg: Theo Champion, ein Maler, in: „Die Kunst für alle“, 42. Jg. (1926-27), S. 124-130 [hier: 129]).
[4] Ebd.: 128.

 

 

Zu Theo Champion (05.02.1887 Oberkassel – 20.09.1952 Zell an der Mosel):
Maler, Zeichner; Sohn eines Kaufmanns; er wuchs in wohlhabenden Verhältnissen auf; 1906-07 Besuch der Kunstakademie Düsseldorf (u.a. bei Eduard von Gebhardt); ab 1907 Besuch der Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst Weimar (bei Theodor Hagen); 1910-13 Studienreisen nach Frankreich, Italien und in die Niederlande; bis 1914 war Champion stark von Vincent van Gogh geprägt; 1914-16 Kriegsdienst, dabei wurde er 1916 bei der Schlacht um Verdun verwundet; 1919 Gründungsmitglied des „Jungen Rheinlandes“; der Stil wird neusachlich und etwas später nähert er sich auch etwas einer naiven Malerei (wie bspw. von Henri Rousseau) an; Champion beschäftigt sich mit der Malerei des 19. Jahrhunderts und seine Kunst wird feiner und detaillierter; 1932 Gründungsmitglied der Gruppe „Die Sieben“; 1942-45 Rückzug auf das Land bei Xanten und dort Anschluss an einen Künstlerkreis mit u.a. Carl und Emil Barth; 1947 Ruf als Professor an die Kunstakademie Düsseldorf; 2011 wurde eine Straße in Düsseldorf-Oberkassel nach ihm benannt

Mitgliedschaften: ab 1919 „Das Junge Rheinland“; ab 1924 „Rheingruppe“; ab 1928 „Rheinische Sezession“; ab 1932 „Die Sieben“

Ausstellungen (Auswahl): 1921 Galerie Flechtheim; 1932 Beteiligung an der Kollektivausstellung der Gruppe „Die Sieben“, Bochum, Wuppertal-Barmen, Krefeld, Köln und Düsseldorf; 1987 Einzelausstellung im Stadtmuseum Düsseldorf und im Städtischen Museum Haus Koeckkoek Kleve

Werke Theo Champions befinden sich u.a. bei folgenden Einrichtungen: Sammlung Volmer, Düsseldorf; Museum Kunstpalast Düsseldorf; Kunsthaus NRW, Aachen-Kornelimünster; Nationalgalerie Berlin; Neue Pinakothek München; Wallraf-Richartz-Museum Köln; Museum Ludwig, Köln; Folkwang-Museum Essen; Museum Wiesbaden