O T T O   F I S C H E R – T R A C H A U

 

Weitere Werke von Otto Fischer-Trachau

 

 

„Portrait-Studie“ (1913)

Tempera auf Papier („Universal“), dieses vom Künstler an den Rändern befestigt auf bräunlichen Karton
oben links in Schwarz datiert „1913“
oben links in Schwarz monogrammiert „O F-Tr.“, sowie verso oben links voll signiert „Otto Fischer-Trachau“
Größe: 39,3 x 51,1cm (Blatt) bzw. 39,8 x 51,1cm (unterlegter Karton)

€ 1.250,-

Kaufanfrage

 

Titel
verso o.l. betitelt „Portrait-Studie“ und mit früherer Preisangabe („Mrk. 300,-“) versehen, bei dem Dargestellten könnte es sich womöglich um Prof. Karl Elkart (15.09.1880 Altshausen – 12.06.1959 Hannover) handeln
Eine Vergleichsabbildung einer Zeichnung von August Heitmüller mit dem Porträt Prof. Karl Elkarts ist unten angefügt.

Zustand
Blatt vom Künstler an den Rändern befestigt auf bräunlichen Karton; an den Rändern durchgehend Beschädigungen, sowie teilweise etwas uneben zugeschnitten; am unteren Rand mittig etwas aufgeraut, sowie mit Verlust der Farbschicht (etwa 1×1,5cm); am oberen Rand und unten mittig kleine Einstichlöcher; Blatt durchgehend mit leichten Druckstellen, in den Randbereichen stärker
verso Karton flecking, sowie mit Knickspuren und Druckstellen; verso o.m. kleines Etikett, dieses überklebt mit Klebeband und Nummerierung “134”; verso u.l. in rot bez. “Nr. 129”

 

 

Nach einer Malerlehre (1893-97) und einer darauf folgenden Tätigkeit als Malergehilfe (1897-1902), besuchte Otto Fischer-Trachau die Kunstgewerbeschule Dresden (1902-04). Während seiner Dresdner zeit kam er auch mit Fritz Schirrmacher zusammen, der ihn schließlich dazu bewog nach Hamburg umzuziehen, was Fischer-Trachau schließlich 1907 auch tat. Ein Jahr später heiratete er Elisabeth Münchmeyer. Zu dieser verhältnismäßig frühen Schaffenszeit schreibt Maike Bruhns:

„Ab 1909 arbeitete er [d.h. Otto Fischer-Trachau] mit Baudirektor Fritz Schumacher über 20 Jahre zusammen und bemühte sich, als Vorsitzender des Vereins ‚Farbe im Stadtbild‘ um Durchsetzung farbiger Architektur im Städtebau. Durch seine Tätigkeit wurde er gut bekannt mit Emil Maetzel, den Architekten Hermann Höger, Prof. Elkart, Distel und Grubitz, Tauchnitz, Zauleck, Kurt F. Schmidt sowie Ockert.“
(Maike Bruhns (2001): Kunst in der Krise (Band 2); Hamburg: Dölling und Gallitz; S.128-131 [hier: 128].)

Die vorliegende Porträtstudie datiert auf 1913 und ist damit in diese Phase einzuordnen. Der blaue, hellblaue Hintergrund wird im linken Bereich einzig durch einen hellbraunen Streifen unterbrochen. Im rechten Bereich bis über die Bildmitte ausgreifend zeigt sich nun das Profil eines Mannes. Dieser sitzt mit Blickrichtung nach links in einem hellbraunen Stuhl. Markant an dem Dargestellten sind sowohl der Bart wie auch das schüttere Haar. In der Umsetzung und gerade auch aufgrund dieser beiden markanten Charakteristika legt es sich nahe, dass Otto Fischer-Trachau hier Prof. Karl Elkart (15.09.1880 Altshausen – 12.06.1959 Hannover) porträtierte.

 

 

Zu Otto Fischer-Trachau (15.08.1878 Trachau b. Dresden – 13.07.1958 Hamburg):
Maler, Zeichner, Grafiker; 1890 verstarb der Vater, so dass Otto Fischer-Trachau bis zur Entlassung aus der Volksschule 1893 in einer Fabrik Kinderarbeit leisten musste; 1893-97 Malerlehre; 1897-1902 Arbeit als Malergehilfe; 1902-04 Besuch der Staatlichen Kunstgewerbeschule Dresden (bei u.a. Otto Gussmann, Wilhelm Kreis, Oskar Zwintscher, Richard Müller); in Dresden traf er u.a. zusammen mit Max Pechstein; zusammen mit Pechstein gestaltete Fischer-Trachau die Dekoration für Dresdener Künstlerfeste; während dem Studium hospitierte er zum Studium der Raumkunst und Wandgestaltung an der Technischen Hochschule Dresden; hierbei traf er mit Fritz Schumacher zusammen, der ihm 1907 zur Übersiedlung nach Hamburg riet; 1907-08 leitende Stellung im Atelier für Innenraumgestaltung Gustav Dorens (Hamburg); 1907 entstand Fischer-Trachaus erstes großes Wandbild im heute zerstörten Operncafé Ecke Jungfernstieg/Colonnaden; im Weiteren erhielt Fischer-Trachau u.a. den Auftrag der dekorativen Innengestaltung des Vorlesungsgebäudes der neu gegründeten Universität Hamburg; daneben entwarf er Plakate und Postkarte; ab 1908 Mitglied im Hamburger Künstlerverein; 1909 übernahm Fritz Schumacher das staatliche Bauamt in Hamburg und zog zu zahlreichen Innenraumausgestaltungen Fischer-Trachau hinzu (bspw. Tropenhygienisches Institut 1913, Museum für Hamburgische Geschichte 1920 und 1922); neben der Tätigkeit für Schumacher war Fischer-Trachau für verschiedene Hamburger Architekten tätig; 1914 gewann er den Wettbewerb um die farbige Gestaltung der großen Altonaer Gartenbauaustellung; 1915-18 als Kriegsberichterstatter in Frankreich eingesetzt; 1919-33 Mitglied der Hamburgischen Sezession; für diese entwarf er auch die Vortragsplakate; 1919 Mitgründer des Vereins -Hamburger Künstlerfeste-; 1920 Lehrauftrag für Wandmalerei an der Altonaer Kunstgewerbeschule; 1920 Gründungsmitglied des Deutschen Werkbundes (Ortsgruppe Hamburg); 1920 Berufung in die Hamburger Kunstpflegekommission; 1925 gründete er -Verein für kirchliche Kunst-; Fischer-Trachau galt wurde in den 20er Jahren -zu einem der führenden Vertreter farbiger Raumgestaltung in Deutschland- (Heuer 1990: 6); bis 1926 lehnte er zahlreiche Berufungen auf Lehrämter ab; 1926 Leiter der Abteilung für Malerei und Gestaltungslehre an der Städtischen Kunstgewerbeschule Leipzig; 1927 Lehrauftrag für Malerei, Gestaltungslehre und Raumgestaltung an der Städtischen Kunstgewerbeschule Wiesbaden; 1933 Entlassung von dieser Position durch die Nationalsozialisten; auch in Hamburg lehnte ihn die NS-Baubehörde ab; einigen seiner expressionistischen Arbeiten wurden vernichtet (bspw. die Glasgemälde der Kriegerehrung in der Oberrealschule Bülaustraße in St. Georg); 1935 erhielt er Auftrag der Wiederherstellung der St. Pauli Kirche Hamburg; weitere größere Aufträge folgten; zw. 1937-44 (trotz anfänglicher Ablehnung) erhielt er mehrere Aufträge der Wehrmacht für Wandbilder, Mosaiken, Glasfenster; 1946-52 Beschlagnahme des Ateliers und der Wohnung durch die alliierten Kräfte; 1949 Beirat in der Baupflegekommission; nach 1945 vornehmlich freischaffend tätig; hierbei intensivierte er die Arbeit an seinem bildnerischen Werk; 1952 schwere Verletzung durch Verkehrsunfall, die ihn zu zwei Jahren Pause zwang und eine bleibende Behinderung nach sich zog; Fischer-Trachau malte vornehmlich in Tempera oder Gouache

Literatur
BRUHNS, Maike (2001): Kunst in der Krise (Band 2); Dölling und Gallitz; S.128-131
HEUER, Claudia (1990): Otto Fischer-Trachau (1878-1958); in: Katalog Otto Fischer-Trachau (AMSA-Galerie); Hamburg
JESSEWITSCH, Rolf / SCHNEIDER, Gerhard (Hrsg.) (2008): Entdeckte Moderne; Kettler; Bönen; S. 483

 

 


August
Heitmüller (1873-1935): Zeichnung mit dem Porträt von Prof. Karl Elkart, um 1929