O T T O   E R N S T   F R I T S C H

 

 

 

„Blick vom Vomperberg in Tirol“ (recto)
Blick auf Garten mit Haus (wohl) in Tirol (verso)

Aquarell ohne Bleistiftvorzeichnungen auf Malkarton (Schoellers Parole); verso umlaufend durch braunes Klebeband unter Passepartout; gerahmt; unter Glas [Rahmung durch Rahmenwerkstatt Vester in Frankfurt-Höchst; hierzu verso auf Rahmenrückwand o.m. Etikett]

€ 325,-

Kaufanfrage

Titel
verso auf Etikett an der Rahmenrückwand u.r. maschinenschriftl. bez. „Blick vom Vomperberg in Tirol“

Entstehungsjahr
nicht datiert, (wohl) um 1945-50

Signatur
u.r. in Blei sign. „Otto Ernst Fritsch“, sowie verso auf Etikett an der Rahmenrückwand u.r. maschinenschriftl. mit Küstlernamen bez.

Größe
Rahmengröße: 66,5x54cm
Blattgröße: 50×35,9cm
Größe des Passepartoutausschnitts: 48,8×34,9cm

Zustand
Blatt verso umlaufend durch braunes Klebeband unter Passepartout; recto – partiell leicht (stock-)fleckig; Passepartout verso leicht fleckig; Rahmen mit leichten Gebrauchsspuren (etwas berieben)

 

 

Otto Ernst Fritsch war als Künstler wohl Autodidakt. Er schuf vornehmlich Landschaftsansichten in Aquarell. Das vorliegende beidseitige bemalte Blatt zeigt recto in lockeren, zarten Farben einen ‚Blick vom Vomperberg in Tirol‘. Die verso gezeigte Ansicht auf ein wohl Tiroler Haus mit Garten erscheint in beinahe pointillistischer Manier und lässt insbesondere was die Darstellung des Hauses anbelangt an neusachliche Tendenzen denken. Unter Umständen lässt die Tatsache, dass Fritsch hier den Malgrund zweifach verwendete die finanzielle Notlage erkennen, in die er sich nach 1945 kontinuierlich befand. Schön ausgeführte Aquarellkompositionen eines sehr in Vergessenheit geratenen Künstlers.

 

 

Zu Otto Ernst Fritsch (05.12.1908 Bingen am Rhein – ? [nach 1978]):
als Künstler wohl Autodidakt; frühes SPD-Mitglied; nach der Reichskristallnacht 1938 in Berlin-Charlottenburg drängte er sich ans Rednerpult und protestierte gegen die Vorgänge; im Folgenden hielt er sich mit Hilfe von Freunden versteckt und beschloss sich freiwillig zur Luftwaffe zu melden, um so möglichen Repressalien zu entgehen; Februar 1943 Fronturlaub in Tirol, während diesem Aufenthalt protestierte er direkt beim Gauleiter gegen dessen harsches Vorgehen gegen Juden bzw. gegen Mischehen; vorerst half ihm noch sein Rang als Angehöriger der Luftwaffe, dann wurde er als `Judenfreund` eingestuft und von der Gestapo verhaftet; September 1945 Umzug von Innsbruck nach Vomp (Vomperberg 53; nach Neunummerierung Nr. 15); 05.05.1946 Heirat mit Amalie Kuzel (*22.05.1908 Wien) in Vomp; 11.05.-16.12.1948 Aufenthalt in der Rehaklinik in Zell am Ziller; Ende der 1940er/Anfang der 1950er Jahre ansässig in Frankfurt-Rödelheim; 1958 Umzug von Frankfurt-Rödelheim nach Altenstadt (Hessen) (Frankfurter Straße 25); April 1975 Umzug nach Waldenburg (Steinstraße 31) (Hohenlohe-Kreis); 1975 wurde Fritsch von Yad Vashem unter die Gerechten unter den Völkern aufgenommen; spätestens ab den 60er Jahren führte Fritsch Korrespondenzen mit u.a. Carl Zuckmayr, Bertrand Russel, Walter Friedländer, Nelly Sachs

Literatur
GROSSMANN, Kurt R. (1972): Freund der Verfolgten in schwerer Not. Der Fall Otto Ernst Fritsch, in: Aufbau (38. Jg.); 25.02.1972; New York; S. 5
GUTMAN, Israel (Hrsg.) (2005): Lexikon der Gerechten unter den Völkern; Wallstein; Göttingen; S. 115-116