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Weitere Werke von Otto Bloss
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„Aus dem deutschen Totentanz“

Ölfarben auf Schieferplatte
Entstehungsjahr: „22/7/1946“ [so verso am oberen Rand betitelt] bzw. „3.6.[19]46“ [so verso u.r. in dunklem Kugelschreiber auf braunem Klebestreifen datiert, ebenso datiert im Werkkatalog]

verso am oberen Rand betitelt „A.[us] d.[em] dt.[deutschen] Totentanz“, sowie verso u.r. in dunklem Kugelschreiber auf braunem Klebestreifen bez. „Fallender Soldat“, ebenso betitelt im Werkkatalog (Kat.Nr. 303, Bl. 25)

Größe: 31,3x25cm
verso am oberen Rand signiert „Dr. O. Bloss / Coburg“

€ 1.350,-

Kaufanfrage

 

 

Zustand
verso etwas berieben

 

 

Nach seinem Studium an der Kunstgewerbeschule Berlin bei u.a. Philipp Franck und Georg Tappert war Otto Bloß vornehmlich im Lehrberuf tätig. Anfangs an der Berufsschule in Eisfeld und nach seiner Promotion 1932 an der Universität Jena, bevor er erneut an die Berufsschule seiner Heimatstadt wechselte. Neben seiner Dozententätigkeit entstand ein reiches künstlerisches Schaffen und in den 1930er Jahren war Bloß vermehrt auch auf überregionalen Ausstellungen vertreten.
Im Zweiten Weltkrieg war Bloß anfangs bei der Propagandakompanie 666 (PK 666, 12. Armee) und später in der „Staffel der bildenden Künstler“ eingesetzt. Nach einer kurzen Kriegsgefangenschaft ließ er sich in Coburg nieder. Walter Eichhorn schreibt zu dieser Schaffensphase:

„Da er sich als Offizier nicht nach Eisfeld in die russische Zone entlassen lassen wollte, wurde er in Coburg ansässig, mußte allerdings bis 1950 auf seine von den Russen festgehaltene Frau warten. Neben seiner Tätigkeit an der Berufsschule Coburg entstehen neben einigen aus der Not dieser Zeit geborenen Gemälden auf Schiefer die schönsten Aquarelle seines Künstlerschaffens […]“ (Eichhorn 1982: 100).

Das vorliegende Werk ist dem Malgrund nach zu urteilen gerade ein solches ‚aus der Not dieser Zeit geborenes Gemälde‘.

Im Werkkatalog wie auch auf dem verso angebrachten kleinen Papierstreifen findet sich der Titel „Fallender Soldat“, wobei dieser Titel aller Wahrscheinlichkeit nach erst später entstand. Ein anderer Titel wurde vom Künstler in großen Lettern direkt auf der Rückseite der Schieferplatte angebracht: „A[us] d.[em] dt.[deutschen] Totentanz“.

Bedenkt man zudem, dass auf dem kleinen Papieretikett der Vermerk „unverkäufl.[ich]“ steht, dann ist anzunehmen, dass das gezeigte Motiv über die bloße Darstellung eines ‚fallenden Soldaten‘ hinausgeht. Und tatsächlich findet sich recto ein Hinweis auf einen sehr persönlichen Bezug des Künstlers zu dem Werk. Im unteren rechten Bereich nämlich ist in die Schieferplatte die Bezeichnung geritzt „Adolf / 1915 1945“.
Der ältere Bruder von Otto Bloss hieß Adolf, wurde am 03. Januar 1894 in Eisfeld geboren und ist am 06. März 1915 bei Dawia in Rußland gefallen (vgl. hierzu „Eisfelder Amtsblatt“, Jg. 26 (v. 04.03.2016), S. 17), so dass der Künstler diesen ‚deutschen Totentanz‘ wohl als Erinnerung an seinen so früh verstorbenen Bruder schuf.
Zu der Beziehung der beiden Brüder heißt es zudem bei Eichhorn:

„Mit seinem älteren, musikbegabten Bruder wuchs er in einem Eisfelder Handwerkshaus auf, besuchte das Lehrerseminar in Hilburghausen; doch in den besten Jugendjahren erlebte er die Sorgen und den Schmerz des Ersten Weltkrieges, besonders durch den Tod seines geliebten Bruders an der russischen Front, und schließlich selbst am eigenen Leib“ (Eichhorn 1982: 98).

Aus dem Grau der Schieferplatte erarbeitet Bloss den Sterbenden, wobei er den Malgrund dezidiert für die komplette Uniform verwendet. Die gebräunte Haut, die blonden Haare und der zart vom Blut getränkte Stirnverband heben sich farblich vom Feldgrau ab. Hinter dem Soldaten formt sich einem Gespenst gleich eine Gestalt in einem weißen Umhang und unweigerlich verweist dies auf den Tod des jungen Mannes. Da Bloss aber ganz bewusst das Gesicht der Gestalt freigelassen hat, bleibt eine weitere Deutung – vielleicht auch hin zu einer Mariendarstellung – ungewiss. Ein schönes farbliches Detail und zugleich ein Blickfang ist der dezent gesetzte blaue Streifen am unteren linken Rand.
So reduziert Farbgebung und Formensprache auch sein mögen, so eindringlich wirkt das Motiv auf den Betrachter, was durch den aufgezeigten biografischen Hintergrund und die damit verbundene, durch den Krieg zerstörte Bruderliebe, noch verstärkt wird.

 

 

Zu Otto Bloß (07.11.1898 Eisfeld – 22.05.1963 Coburg):
Maler, Zeichner; Ausbildung am Lehrerseminar Hildburghausen; und später Volksschullehrer in Sonneberg; im Ersten Weltkrieg Soldat; nach dem Krieg Ausbildung an der Industrieschule in Sonneberg (bei Karl Staudinger); später Studium an der Kunstgewerbeschule Berlin (bei Philipp Franck, Bernhard Hasler, Willi Maillard und Georg Tappert); Abschluss mit der Zeichenlehrer-Prüfung; danach Lehrer an der Berufsschule in Eisfeld, sowie daneben praktische Ausbildung im Baufach und in Holzverarbeitung; 1932 Promotion zum Dr. phil. mit der Dissertation „Die graphisch-bildliche Darstellung im modernen gewerblichen Unterricht“ (Erlangen) und Dozent für Berufspädagogik an der Universität Jena; später erneut an der Berufsschule Eisfeld tätig; 1937-44 mit insgesamt 17 Werken beteiligt an den „Großen Deutschen Kunstausstellungen“ (Haus der Deutschen Kunst, München); 1938 Beteiligung an der Ausstellung „Deutsche Maler der Gegenwart“ (Haus der Kunst, Heidelberg); 1939 Beteiligung an der „Kunstausstellung“ (Gewerbemuseum, Kaiserslautern); Kriegsdienst als Oberleutnant bei der Propagandakompanie PK 666 (12. Armee), sowie später bei der „Staffel der bildenden Künstler“, anschließend Kriegsgefangenschaft; danach in Coburg Lehrer an der Staatsbauschule; ab 1949 an der Berufsschule Coburg tätig, sowie später deren Direktor; 1959 Einzelausstellung im Coburger Kunstverein; Werke befinden sich u.a. im Besitz der Kunstsammlungen der Veste Coburg

Literatur
TRIER, Dankmar: Bloß, Otto, in: „Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, Onlineversion, Künstler-ID: 10129523
VELTZKE, Veit (2005): Kunst und Propaganda in der Wehrmacht; Kerber; Bielefeld; S. 249