O T T M A R   B E G A S

 

Weitere Werke von Ottmar Begas

 

 

Porträt eines Jungen (wohl um 1890-1898)

Aquarell und Bleistift auf Ingrespapier
nicht datiert [wohl um 1890-1898]

Größe: 34,7 x 32,5cm

o.r. signiert „Begas“
nicht betitelt

€ 720,-

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Zustand
Blattränder mitunter etwas uneben zugeschnitten; leichte Druckstellen im Blatt; im Eckbereich o.l. längerer, hinterlegter Einriss; am unteren Rand links kleiner Papierverlust; insgesamt leicht nachgedunkelt; verso an den Rändern umlaufend weißes Klebeband; verso etwas (stock-)fleckig

 

 

Ottmar Begas entstammte der Berliner Künstlerfamilie Begas, er war der Sohn des Bildhauers Carl Begas d. J. (1845 Berlin – 1916 Köthen) und der Enkel des preußischen Hofmalers Carl Joseph Begas d. Ä. (1794 Heinsberg – 1854 Berln). Die Kindheit verbrachte er zuerst in Köthen (Anhalt) und ab 1890 in Kassel, da sein Vater ab 1889 eine Professur an der dortigen Kunstakademie erhielt. Bereits im Jugendalter begann er zu malen und zu zeichnen. 1898 ging er nach München und erhielt dort kurzzeitig Unterricht von Franz von Lenbach, was wohl durch seinen Vater und seinen Onkel, den Bildhauer Reinhold Begas (1831 Schöneberg – 1911 ebd.), arrangiert wurde. Nach längeren, weiten Reisen war er ab etwa 1901/02 in Berlin ansässig.
Das vorliegende Aquarell ist der Ausführung nach, wie auch aufgrund der Signatur, einzuordnen in die frühe Kasseler Zeit.
Der Künstler zeigt hier vor einem dunklen, braunen Hintergrund das fein herausgearbeitete Bildnis eines Knaben. Das Licht fällt von der linken Seite auf den Dargestellten und legt die rechte Gesichts- und Körperhälfte in eine dezente Schattierung. Die braun-gräuliche Jacke ist in wenigen Strichen schön erfasst und unterstützt in ihrer zurückhaltenden Art die junge Ernsthaftigkeit, die aus dem Knabengesicht spricht.

 

 

Zu Ottmar Begas (10.05.1878 Rom – 16.06.1931 Neapel):
Maler, Zeichner; entstammte der Berliner Künstlerfamilie Begas; Sohn des Bildhauers Carl Begas d. J. (1845 Berlin – 1916 Köthen) und Anna von Behr; Enkel des preußischen Hofmalers Carl Joseph Begas d. Ä. (1794 Heinsberg – 1854 Berlin); die Kindheit verbrachte er in Köthen (Anhalt) und ab 1890 in Kassel; er begann bereits im Jugendalter zu malen und zu zeichnen; 1898 kurzzeitig Unterricht bei Franz von Lenbach in München, was wohl durch seinen Vater und seinen Onkel, den Bildhauer Reinhold Begas (1831 Schöneberg – 1911 ebd.), arrangiert wurde; Lenbach hinterließ einen nachhaltigen Einfluss in seinem Schaffen; 1900 Reise nach Texas; 1901 mehrmonatige Ostasienreise; anschließend lebte er in Berlin und betätigte sich vornehmlich als Porträtmaler und –zeichner (Kaiserdamm 101); immer wieder zog es ich auf Reisen nach u.a. Italien und Mexiko; 1907 hielt er sich in Rom auf und porträtierte dort Papst Pius X.; 5.12.1910 Heirat mit Marie Wagner (1883-1969) in Hoboken / New Jersey; in Berlin verkehrte er in Künstlerkreisen des „Café des Westens“ (Kurfürstendamm) und zeichnete die dortigen Stammgäste; 1916 trennte er sich von seiner Frau und am 14.7.1920 erfolgte die Scheidung der kinderlosen Ehe; 1919-21 in Bremen ansässig; 1921-25 lebte er mit seiner zweiten Ehefrau Marie, geb. Alberti, in der Villa Alberti in Goslar; danach ließ sich das Paar dauerhaft in Italien (Neapel und Capri) nieder; Ottmar Begas beging am 16. Juni 1931 Selbstmord
Der künstlerische Nachlass befindet sich im Begas-Haus in Heinsberg.

Literatur
MÜLLEJANS-DICKMANN, Rita / CORTJAENS, Wolfgang (Hrsg.) (2013): Begas Haus Heinsberg. Die Sammlung Begas; Köln: Wienand; S. 127-133
TRIER, Dankmar: Ottmar Begas, in: „Allgemeines Künstlerlexikon“ (AKL), Onlineversion, Künstler-ID: 42178642
KOCH, Heinz-Werner et al. (Hrsg.) (2016):Tagebücher zum Kirchenkampf 1933-1938; Köln et al.: Böhlau; S. 21-24