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Weitere Werke von Michel Wagner
Zum Themenflyer ‚Michel Wagner: die Arbeit – das Tier – die Einsamkeit‘

Zum Themenflyer ‚Erdsegen‘

 

 

verso: „Ernte“ (Paar beim Kornbinden im Morgenlicht)
recto: Hafendarstellung mit kleinem Fischerboot

Tusche, Aquarell auf leicht strukturiertem Aquarellkarton
nicht datiert, um 1930-35

recto u.r. signiert „M. Wagner“, sowie verso u.r. Nachlassstempel mit handschriftlicher Nummerierung in Blei „253“, sowie verso u.m. und u.r. von fremder Hand mit Künstlername bez.

€ 1.200,-

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Größe
Blattgröße: 45,7x56cm

Titel
verso u.r. unterhalb des Nachlassstempels in Blau betitelt „Ernte“ (Paar beim Kornbinden im Morgenlicht); verso Hafendarstellung mit kleinem Fischerboot

Zustand
leichte Druckstellen im Blatt; technikbedingt mitunter sehr leicht wellig; Ecken minimalst bestoßen; verso in den oberen beiden Ecken kleine Reste früherer Befestigung (weißes Klebeband); verso u.l. klein und schwach in Blei nummeriert

 

 

Der aus einem bäuerlichen Umfeld im oberpfälzischen Muschenried stammende Michel Wagner entschied sich erst 1921 – immerhin in seinem 28. Lebensjahr stehend – für die Kunst. „Zunächst ist [er] in Berlin Schüler von Lovis Corinth, dann in München von Stanislaus Stückgold. In München tritt er der ‚Münchner Künstlergenossenschaft‘ bei, wechselt wenig später zur ‚Neuen Secession‘ über und schließlich zu den ‚Juryfreien’“ (Wolfgang Ch. Schneider (1994): Michel Wagner – Künstler einer ‚gebrochenen‘ Generation, in: Galerie Bernd Dürr (Hrsg.): Michel Wagner 1893-1965. Vom expressiven Realismus zur konstruktiven Figuration. Eine Werkübersicht; München; 1994; S. 12-22 [hier: S. 13]). Wagners Schaffen erfährt in den folgenden Jahren signifikante Einflüsse und Veränderungen. Eine prägende Reise nach Brasilien in den Jahren 1923-24 verstärkt in seinem Schaffen die Bedeutung der Farbe gegenüber der Linie. Bezogen auf die Bildthemen gewinnt nach seiner Rückkehr aus Südamerika die menschliche Figur vermehrt an Bedeutung, wogegen die reine Landschaftsdarstellung zurücktritt.
„Um 1930 hat Michel Wagner dann seinen Stil gefunden, der im vollsten Sinne als ‚Expressiver Realismus‘ gelten muß. Es entstehen Werke von hoher Dichte. Das Bildinventar wird aufs Äußerste verknappt. Die in voller plastischer Monumentalität aufgefaßten Figuren werden bevorzugt in Nahsicht gegeben, wiederholt in kühnen Schnitten, jähe ‚Farbblitze‘ strukturieren die Form. […] Eine besondere Bedeutung kommt dabei Hell-Dunkel-Kontrasten zu, auch wird der mattonige Grundton der Bilder durch jähe, grelle Farbtöne aufgebrochen“ (ebd.; S. 16).
Die vorliegende Arbeit ist in die Jahre um 1930-35 einzuordnen.
Wagner zeigt hier in vornehmlich warmen Farbtönen eine morgendliche Ernteszene. Die Sonne erhebt sich und zieht einen goldenen Schweif hinter sich her. Der gesamte Himmel ist vom hellen Rot des anbrechenden Tages erfüllt und lässt einen warmen, wenn nicht gar: heißen, Sommertag erahnen. Links und rechts im Bild stehen bereits die gebundenen Korngarben, während wir im Vordergrund ein Paar sehen, das gerade mit dem Binden einer weiteren Garbe beschäftigt ist. Die Frau links mit einem dunklen, knielangen Rock, weißen Oberteil, sowie einem hellroten Kopftuch bekleidet geht in ihrer farblichen Ausstrahlung im Licht der Sonne auf, fängt dieses förmlich durch ihre hellrot strahlende Haut ein, so dass man versucht ist an Schneiders oben zitierte ‚grelle Farbtöne‘ zu denken. Der Mann ihr gegenüber wirkt dagegen weitaus dunkler, ‚erdfarbener‘ mit seinem dunkelblauen Arbeitskleid und der ebenso dunklen, braungebrannten Haut.
Den Moment, den wir als Betrachter hier erblicken dürfen, zeigt die Beiden über der Korngarbe, durch ihre Hände wie vereinigt. Es wirkt wie eine ganz natürliche Harmonie, welche im symbolischen Sinne durch die dahinterstehende, goldene Sonne nochmals aufgegriffen wird. Dennoch entgeht Michel Wagner der Gefahr einer allzu ‚süßlichen Verklärung‘ der Landarbeit; vermitteln doch gerade die beiden, expressiv realistisch dargestellten Personen einen durchaus harten, ernsten und bodenständigen Eindruck, wobei Letzteres explizit durch den breiten Stand des Mannes, wie auch durch dessen stämmige Füße unterstrichen wird.
Insbesondere farblich eine wunderschöne, warme Komposition Michel Wagners, welche durch das verso skizzenhaft ausgeführte, im Schaffen des Künstlers eher untypische Motiv einer Hafendarstellung, noch einen zusätzlichen Reiz erhält.

 

 

Zu Michel Wagner (20.12.1893 Muschenried – 03.12.1965 München):
Maler, Zeichner; entstammt einer oberpfälzischen Bauersfamilie; 1908 Bäckerfachschule in München, hierbei erste Begegnung mit Kunst und erste autodidaktiche Versuche; Michel Wagner übersendet Arbeiten an Franz von Defregger, der sich anerkennend dazu äußert; 1910 wandert zu Fuß nach Hamburg und heuert auf einem Frachter an; 1910-12 mit dem Frachter bereist er Afrika, Asien, Nordamerika, Spitzbergen; 1914-18 Kriegsdienst bei der Marine (weiterhin zeichnerischer tätig); nach dem Krieg weiter auf See; 1921 Entscheidung für die Kunst; Schüler bei Lovis Corinth (Berlin) und später bei Stanislaus Stückgold (München); 1923 erste Beteiligung an der Kunstausstellung im Münchener Glaspalast; Mitglied der Münchener Künstlergenossenschaft; 1923-24 Studienreise nach Brasilien; 1924 Ausstellung der brasilianischen Arbeiten im -Atelier Konopacki- (Sao Paulo); nach seiner Rückkehr Heirat mit Malerin Else Seulen (das Paar wohnt in Hohenschäftlarn); 1927 erste umfassende Einzelausstellung im Kunstsalon Hiller (München); bis 1933 zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen; Mitglied der -Juryfreien-; zwischen 1933-1945 geht Wagner aufgrund der nationalsozialistischen Kulturpolitik in die innere Emigration, er zieht sich aus dem öffentlichen Kunstleben zurück, Ölbilder entstehen kaum, allenfalls Zeichnungen, Aquarelle; 1945 Beteiligung bei Ausstellung „Maler der Gegenwart“ (Palais Schätzler / Augsburg); 1947 Gründungsmitglied der „Neuen Gruppe“; erneut rege Ausstellungstätigkeit; 1949 umfangreiche Übersicht über das Nachkriegswerk in Ausstellung der Galerie Maier-Lengeling (Nürnberg); 1949-65 alljährliche Teilnahme an der Großen Kustausstellung München; 1952 Umzug nach München; 1954, 1955, 1957 Teilnahmen an Gesamtausstellungen Neuer Deutscher Kunst in Kairo, Rutherford, Rom; 1964 Tod der Ehefrau

Literatur
Galerie Bernd Dürr (Hrsg.) (1994): Michel Wagner 1893-1965. Vom expressiven Realismus zur konstruktiven Figuration. Eine Werkübersicht; München