K A R L   O T T O   H Y

 

Weitere Werke von Karl Otto Hy

 

 

Winterliche Dorfansicht (wohl bei Wiesbaden)

Kohle und Bleistift auf dünnem Zeichenpapier, in den vier Ecken befestigt auf leichten hellen Karton, auf diesen am Rand graue Karton als Passepartoutmaske punktuell befestigt
u.r. datiert „[19]28“

€ 390,-

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Titel & Signatur
nicht betitelt
u.r. signiert „K. Hy“

Größe
Größe des unterlegten Kartons: 29,9x40cm
Blattgröße: 20×28,1cm

Zustand
Blatt in den vier Ecken befestigt auf leichten hellen Karton; in den Eckbereichen etwas knittrig, sowie mit jeweils kleinen Einstichlöchern; im Blattbereich o.l. und o.r. leichte Knickspuren; am linken Blattrand mittig minimaler Papierverlust; in den Randbereichen mitunter etwas fingerspurig; auf Passepartoutmaske u.r. klein in Blei bez. „NR 2.“; verso etwas fleckig

 

 

Nach einer Lehre zum Dekorationsmaler, besuchte Karl Otto Hy die Kunstgewerbeschulen in Mainz und Wiesbaden (1925-29). Seine damaligen Lehrer waren u.a. Hans Christiansen (1866-1945), Otto Fischer-Trachau (1878-1958) und Otto Arpke (1886-1943). Bereits neben seinem Studium arbeitete er für den bedeutenden Wiesbadener Architekten Joachim Wilhelm Lehr (1893-1971) und auch in der Folgezeit war er an zahlreichen Restaurierungen und Gestaltungen von Bauwerken beteiligt.
Vorliegende auf 1928 datierte Zeichnung ist in diese Studienzeit Hys einzuordnen.
Von einer leichten Anhöhe blicken wir herunter in eine dörfliche Landschaft, welche sich wohl in die Wiesbadener Region lokalisieren lässt. Der Blick wird dabei von dem aus dem linken Vordergrund kommenden Weg begleitet und geführt. Zentral im vorderen Bereich macht dieser bei der Straßenlaterne eine scharfe Biegung. Kleine Häuser und kahle Bäume lassen in ihrer gewissen Melancholie und Tristesse an einen winterlichen, kühlen Tag denken. Im weiteren Verlauf macht der Weg eine Rechtskurve, bevor er sich in der Ferne verliert. Die Landschaft außerhalb des Weges ist im Allgemeinen nur angedeutet und trägt deutlich skizzenhafte Züge. Es sind insbesondere die Bäume und vor allem die Häuser denen Hy sich widmet, und sicherlich mag man in deren Darstellungsweise auch die Neigung des Künstlers zur Architektur erkennen. Als ein Detail sticht dabei der links stehende, schwungvoll gezeichnete Baum ins Auge, der gerade gegenüber dem harten, kantigen Baum im rechten Bereich ungemein expressiv und lebendig wirkt.

 

 

Zu Karl Otto Hy (28.10.1904 Rüdesheim – 05.04.1992 Wiesbaden):
Maler, Zeichner, (Werbe-)Grafiker, Architekt; 1911 Zuzug von Rüdesheim nach Wiesbaden; Schulbesuch in Heidelberg und Wiesbaden; erster Kunstunterricht in der privaten Malschule von Hermann Bouffier (Wiesbaden), daneben Besuche im Atelier von Kaspar Kögler (1838-1923); 1919 Ende der Schulzeit und anfänglicher Wunsch Schlosser zu werden, da es aber hierbei keine freien Lehrstellen gab, ging er in die Ausbildung zu einem Dekorationsmaler; 1925-29 Studium an den Kunstgewerbeschulen in Mainz und Wiesbaden (u.a. bei Hans Christiansen (1866-1945), Otto Fischer-Trachau (1878-1958), Otto Arpke (1886-1943)); neben dem Studium arbeitete Hy bei dem Wiesbadener Architekten Joachim Wilhelm Lehr (1893-1971); ab 1930 freischaffend tätig, zu seinen Kunden zählten v.a. Reklamefirmen, Kaufhäuser, Brauereien, Hotels; daneben auch als Architekt tätig; 1937 Ausgestaltung der Wandelhalle in der Herbert-Anlage mit Sgraffiti (Wiesbaden); 1938 Beteiligung an der „Kunstausstellung in Frankfurt am Main, der Stadt des Deutschen Handwerks“ (Städelsches Kunstinstitut, Frankfurt a.M.); 1942 zur Wehrmacht eingezogen und anschließend russische Kriegsgefangenschaft; 1948 Rückkehr aus der Gefangenschaft nach Pforzheim und von dort Umzug nach Wiesbaden; nach 1945 als Architekt in Wiesbaden tätig und dabei beteiligt bei Restaurierungen und Innenraumgestaltungen von u.a. dem Staatstheater, dem Kaiser-Friedrich-Bad, der Trauerhalle am Südfriedhof, des Großen Sitzungssaals des Magistrats; 1962 Umzug nach Georgenborn (Gemeinde Schlangenbad); ab 1978 Vorsitzender des „Rings bildender Künstler“; 1980 Beteiligung an der Ausstellung „Wiesbadener Künstler aus 3 Generationen“ (Museum Wiesbaden, Wiesbaden); 1987 Ausstellung zusammen mit Franz Ruzicka (Nassauischer Kunstverein Wiesbaden); 2014 vertreten bei der Ausstellung „Landschaftsbilder – ein Zwischenreich von Natur und Zivilisation aus Imagination und Realität“ (Kunstarche Wiesbaden e.V.); Werke befinden sich u.a. im Besitz der Stadt Wiesbaden („Frühling“, Öl, 1957), des Museums Wiesbaden („Die Kaiserstraße in Wiesbaden“, Öl, 1934), der Ortsverwaltung Wiesbaden-Dotzheim („Blick vom Neroberg über Wiesbaden“, Öl)

Literatur
HILDEBRAND, Alexander (1992): Akribie und Atmosphäre, in: Wiesbadener Leben; 6/1992; Seite 15
Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden (Hrsg.) (1980): Wiesbadener Künstler aus 3 Generationen; Wiesbaden: Wilhelm Lautz; unpag. (Kat.Nr. 37-38)
„Karl Otto Hy. Optische Kultur – Wiesbadener Maler wird 80 Jahre alt“ (Autorenkürzel AH), in: Wiesbadener Kurier, vom 27./28.10.1984, Seite 9
„Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, Onlineversion, Künstler-ID: 42431199