K A R L    G A T E R M A N N   d e r    Ä l t e r e

 

Weitere Werke von Karl Gatermann der Ältere

 

 

‚Bildnis von Martha Niemann (1888 Brandenburg – 1952 Lübeck)‘ (1953)

Öl auf Holz
unten rechts datiert „[19]53“, sowie verso oben mittig nochmals datiert „Ostern 53“
Größe: 31,9 x 26,2 cm
unten rechts signiert „K. Gatermann“, sowie verso oben mittig nochmals ebenso signiert
‚Bildnis von Martha Niemann (1888 Brandenburg – 1952 Lübeck)‘; hierzu verso am unteren Rand beschrieben „Frau Niemann Ratzeburg Gr. Wallstr.“

€ 420,-

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Zustand
Ecken / Kanten leicht berieben; verso an den Rändern umlaufend braunes Klebeband; verso mittig in Blei Annotation des Künstlers („Lichtmaß für den Rahmen 25 x 31 cm.); verso mittig Papieraufkleber mit handschriftlicher Notiz von Bruno Gatermann (Neffe des Künstlers): „Nicht von mir bearbeitet, ist wahrscheinlich früher 1x gereinigt oder besser gesagt: abgeschruppt[sic] worden. Lübeck, den 8.VIII 81 Bruno Gatermann“

 
 

1945 lebte Karl Gatermann bei seiner Schwester in Ratzeburg in der Kleinen Wallstraße. Die hier dargestellte Martha Frieda Luise Niemann, geb. Müller, (14.06.1888 Brandenburg – 31.10.1952 Lübeck) lebte zusammen mit ihrem Mann Ernst Heinrich Ludwig (04.01.1894 Hagenow – 01.06.1953 Lübeck) in der Großen Wallstraße 7. Womöglich handelte es sich hierbei um eine Freundin bzw. Nachbarin der Schwester des Künstlers. Das Ehepaar Niemann betrieb in Ratzeburg einen Kolonialwarenladen.

Bedenkt man, dass Martha Niemann 1952 verstarb und, dass das vorliegende Bildnis auf 1953 datiert, so sind zwei Optionen denkbar. Entweder kann das Werk ein posthumes Auftragsporträt sein, welches beispielsweise auf Basis einer Fotografie ausgeführt wurde. Oder vielleicht erfolgte der Auftrag auch noch zu Lebzeiten der Dargestellten, während nur das Gemälde – aus welchen Gründen auch immer – nach deren Tod fertig wurde.

 

 

Karl Gatermann der Ältere (19.07.1883 Mölln/Lauenburg – 14.02.1959 Ratzeburg):
Maler, Zeichner, Grafiker; er entstammte einer bereits im frühen 17. Jahrhundert in Klinkrade (bei Mölln) nachweisbaren Kätner- und Handwerkerfamilie; Sohn des ‚wandernden Händlers‘ Gottfried Gatermann (1843-1887) und dessen Ehefrau Maria Dorothea Elisabeth, geb. Hack (1845-1918); Onkel des gleichnamigen Malers Karl Gatermann (der Jüngere) (1909-1992); 1889-97 Schulzeit in Brunsmark / Mölln; zu dieser Zeit bereits Auszeichnungen und Preise für seine künstlerischen Leistungen; 1897-1901 Lehre beim Dekorationsmaler Meier in Mölln; Besuch der Gewerbeschule; 1901-03 Wanderjahre nach Dessau, München und durch Hessen; 1903-07 Geselle in Lübeck; 1904-07 neben seiner regulären Arbeit erhält er einen Freiplatz an der Kunstschule Lübeck (bei Prof. Leo von Lütgendorff); 1907-14 Studium an der Kunstakademie München (bei Hugo von Habermann, dessen Meisterschüler er die letzten drei Jahre seines Studiums war); 1908 Auftrag zur Illustration des Bandes „Das alte bürgerliche Wohnhaus in Lübeck“ von Rudolf Struck, wodurch er sich seine Münchner Studienzeit finanzierte; 1910 erster Preis für Malerei der Stadt München für das großformatige Gemälde „Das Leben“ (beim Bombenangriff auf Lübeck 1942 vernichtet); 1912-13 Beteiligungen an den Frühjahrsausstellungen der Münchner Secession; 1914 nach seinem Studium Rückkehr nach Norddeutschland; 1914-18 Kriegsdienst (vornehmlich in Flandern) während dem zahlreiche Aquarelle und Zeichnungen entstehen; 1915 erste Einzelausstellung im Kunstsalon Nöhring (Lübeck); nach dem Ersten Weltkrieg 1919 bis 1942 als freischaffender Künstler in Lübeck tätig; 1919 Mitbegründer der „Vereinigung Lübecker Bildender Künstler“; 1919 Sonderausstellung mit insgesamt 16 Werken Gatermanns innerhalb der „XVI. Ausstellung der Overbeck-Gesellschaft“ (Lübeck); 1922 begleitet er Rudolf von Laban und seine Tanzgruppe; 1923 Studienreise nach Italien; 1925 Studienreise nach Italien und Sizilien; 1923 Einzelausstellung in der „Kleinen Galerie“ (Berlin); 1925 Einzelausstellung in der Galerie Rudolf Wiltschek (Berlin); 1926 Einzelausstellung im Kunsthaus Karl Heumann (Hamburg); 1927 Studienreise in die Niederlande, um das Werk Rembrandts zu studieren; 1928 Reise nach Ascona und dort Bekanntschaft mit Otto Niemeyer-Holstein, Ernst Frick, Werner von der Schulenburg und Albert Kohler; in Lübeck Förderung durch den Direktor des dortigen St.-Annen-Museums Carl Georg Heise (1890-1979); 1933, 1935-36, 1938, 1949 Beteiligungen an den Weihnachtsausstellungen der „Vereinigung Lübecker bildender Künstler“ (Behnhaus, Lübeck); um 1936 Mitglied der „Reichskammer der bildenden Künste“; 1938 und 1942 Beteiligung mit jeweils einem Werk an der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ („Haus der Deutschen Kunst“, München); 1941 Beteiligung an einer Gedächtnisausstellung für Hugo von Habermann (München); 1942 Beteiligung an der „Großen Berliner Kunstausstellung“ (Nationalgalerie, Berlin); 28.03.1942 Bombenangriff auf Lübeck, bei dem Gatermann ein Großteil seines Werks verliert (etwa 100 Ölgemälde, sowie etwa 125 Aquarelle und Grafiken); er und seine Lebensgefährtin Magdalene Hammerich verziehen nach Ratzeburg; in den folgenden Jahren bis zu seinem Tod malte Gatermann zahlreiche Motive der Region um/bei Ratzeburg; 1944 eingezogen zum Kriegsdienst und eingesetzt zum Schippen von Laufgräben an der Nordsee (Husum, Flensburg); 1945 ansässig bei seiner Schwester in Ratzeburg; 1953 die Overbeck-Gesellschaft gestaltet im Lübecker Behnhaus eine umfassende Sonderausstellung zum 70. Geburtstag des Künstlers; 1958 große Feier zum 75. Geburtstag mit Ausstellung im Kreismuseum Ratzeburg; 1973 Gedächtnisausstellung zum 90. Geburtstag im Sozialpfarramt Lübeck; 1983 zum 100. Geburtstag findet im Möllner Ratssaal eine große Gedächtnisausstellung statt

Werke Gatermanns befinden sich u.a. im Museum für Kunst und Kulturgeschichte (Lübeck), im Möllner Museum, im Kreismuseum Ratzeburg, im Besitz der Firma Niederegger (Travemünde), sowie im Rathaus von Stockholm.

Literatur
Gatermann, Bernd (1973): Karl Gatermann. Ein Leben der Kunst gewidmet; Lübeck: Gustav Weiland Nachf.
Gatermann; Bernd: Gatermann, Karl, in: „Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, Onlineversion, Künstler-ID: 00055294
Hanke, Peter-Alexander / Gatermann, Bernd (2005): Der Maler Karl Gatermann d.Ä. (1883-1959). Leben und Werk; Selbstverlag; Ratzeburg
Hannemann, Horst (1987): Gatermann, Karl Joachim Heinrich Friedrich, in: Biographisches Lexikon für Schleswig-Holstein und Lübeck [Bd. 8] (Hans F. Rothert (Red.); Neumünster: Wachholtz; S. 148-151