K Ä T H E   S C H M I T Z – I M H O F F

 

Weitere Werke von Käthe Schmitz-Imhoff

 

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„Blumen an meinem Fenster!“, Stillleben mit Kölner Blick auf den Rhein und der Deutzer Hängebrücke bzw. Hindenburgbrücke (1913-1945)

Öl auf Leinwand, Spannrahmen, gerahmt [verso auf Spannrahmen mittig violetter Stempel „Lucien Lefebvre-Foinet/19, rue Vavin & 2, rue Brea, Paris“];
u.l. datiert „[19]44“, sowie verso oben auf dem Spannrahmen von der Künstlerin in Schwarz datiert „1944“

u.l. signiert „K. S. Imhoff“, sowie verso oben auf dem Spannrahmen von der Künstlerin in Schwarz nochmals signiert

€ 1.900,-

 

 

                    

 

Titel
verso oben auf dem Spannrahmen von der Künstlerin in Schwarz betitelt und nummeriert „29“: „Blumen an meinem Fenster!“

Größe
Rahmengröße: 86x72cm
Leinwandgröße: 81x65cm

Zustand
partiell leicht beschmutzt; Rahmen mit wenigen leichten Gebrauchsspuren

 

 

Kölner Blick auf den Rhein und der Deutzer Hängebrücke bzw. Hindenburgbrücke (1913-1945)
Für das künstlerische Schaffen Käthe Schmitz-Imhoffs bildet der 31. Mai 1942 eine herbe Zäsur. In dieser Nacht wird ihr Elternhaus samt ihres Ateliers (Machabaerstraße 1, Altstadt-Nord) bei einem Bombenangriff getroffen und sie verliert einen Großteil ihrer damaligen Werke. Wie stark das Elternhaus zerstört wurde, ist nicht überliefert. Möglicherweise ist dieses weiterhin bewohnbar gewesen oder Schmitz-Imhoff konnte bei Freunden aus der Altstadt-Nord untergekommen. Das Mädchen aus der Nordstadt, welches in der Machaberstraße 1 aufwuchs und auf das in derselben Straße gelegene Ursulinengymnasium (Machabaerstraße 47) ging, war in ihrer Heimatstadt, insbesondere in der Kölner Künstlerszene, gut vernetzt.

Die Deutzer Hängebrücke wurde im Jahre 1913 erbaut und löste die aus dem 19. Jahrhundert stammende Schiffsbrücke ab. 1935 wurde sie zu Ehren des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg in „Hindenburgbrücke“ umbenannt. 10 Jahre später, am 28. Februar 1945 brach die Hängebrücke durch die hohe Belastung der Flüchtlingsströme und Militärfahrzeuge bei einer Reparatur von Kriegsschäden zusammen. Die 1944 noch intakte Deutzer Hängebrücke liegt ca. 1km Luftlinie von der Machabaerstraße entfernt. Dass Käthe Schmitz-Imhoff aus ihrem Fenster in der Machabaerstraße die Deutzer Hängebrücke erblicken konnte, ist sehr wahrscheinlich. Vergleichsabbildungen finden Sie am Ende der Artikelbeschreibung.
Dem Titel „Blumen an meinem Fenster!“ entsprechend schaut der Betrachter aus dem Zimmer der Künstlerin direkt auf das nächtliche Köln und den Rhein. Im Hintergrund erkennt man Teile der Deutzer Hängebrücke. Gut sichtbar ragen zwei Pylone der Brücke in den Himmel. Mit leichtem Pinselstrich gezogen, werden die links und rechts vom Pylon herabschwingenden Ketten der Brücke angedeutet. Die massiven Bauteile der Deutzer Hängebrücke (bspw. das Widerlager) wurden mit einem dicken hellgrau-farbigen Pinselstrick ausgemalt. Die gesamte Szenerie des Hintergrunds ist in kühlen und ruhigen Blautönen gehalten.

Der im linken Bereich leicht ins Bild hängende Vorhang wirkt wie der gerade zurückgezogene Bühnenvorhang eines Theaterstücks, der uns einen gleichsam theatralisch irrealen Blick eröffnet. Im Vordergrund, angeordnet auf der bordeauxfarbigen Fensterbank steht ein gräulicher Krug mit einem reichhaltigen Blumenstrauß. Obgleich der Krug im rechten Bereich der Fensterbank steht, fallen die Blumen doch bis weit über die Bildmitte, als ob sie den Blick auf die Außenwelt mit ihrer Schönheit verdecken wollen. Das Kolorit der Blüten steht dabei nicht in Kontrast zu dem dominierenden Blau des Himmels und des Wassers. Vielmehr wählt Schmitz-Imhoff hier wenige Farben (vornehmlich Violett, Grün, Weiß) aus und unterstützt dadurch die bereits im Hintergrund angelegte Atmosphäre aus Ruhe, Sehnsucht und vielleicht auch Entrücktheit.
1949 malte die Künstlerin das Gemälde „Eine Blume!?“, zu dem Martina Schmitz schreibt: „Hoffnung und ungläubiges Staunen nach dem Schrecken, so zeigt sich ‚Eine Blume!?‘; dieses Bild geht auf die Begegnung mit einem Holländer, der einen Korb voller Tulpen in die zerstörte Stadt brachte, zurück. Im ausgebombten, zerstörten Köln ist hier eine fast absurde, unwirkliche Situation dargestellt“ (Martina Schmitz (1983): Zum Weg von Käthe Schmitz-Imhoff, in: Künstler-Union-Köln: Käthe Schmitz-Imhoff zum 90. Geburtstag. Eine Retrospektive mit Werken aus dem Besitz der Malerin; Köln; unpag. [S. 6-10; hier: 9]). Ganz ähnlich kann man auch diese, etwa zwei Jahre nach der Zerstörung ihres Ateliers entstandenen ‚Blumen an meinem Fenster‘ als unwirklich ansehen, hat doch die Künstlerin hier auf eine brillante Weise eine kontemplativ zeitenthobene Komposition voller Ruhe und Schönheit geschaffen.

 

 

Zu Käthe Schmitz-Imhoff (16.05.1893 Köln – 21.03.1985 ebd.):
Malerin, Zeichnerin, Zeichenlehrerin; Schmitz-Imhoff stammt aus einer Kölner Familie von Dombildhauern; nachweislich sind fünf Imhoff-Generationen mit elf Trägern dieses Namens bekannt, die eine bildhauerische Tätigkeit am Kölner Dom und an vielen Kölner Kirchen ausübten; sie wuchs in der Machabaerstraße 1 in der Kölner Innenstadt (Altstadt-Nord) auf; Besuch des Ursulinengymnasium (Machabaerstraße 47, Köln); 1912-15 Studium für das künstlerische Lehramt (Düsseldorf); Lehrtätigkeit als Zeichenlehrerin an der zuvor als Schülerin besuchte Ursulinenschule in Köln; 1920-21 Besuch der privaten Malschule von Johannes Walter-Kurau (Berlin); 1921-24 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf (bei Heinrich Nauen); 1924-33 gesundheitsbedingter Aufenthalt in Italien (Positano, Procida) und Südfranbkreich (Mollans, La Vallet du Var), in Südfrankreich zusammen mit der Familie des Malers Willy Eisenschitz; 1925 erste Ausstellung im Kölnischen Kunstverein; 1933-45 Lehrauftrag am Sozialpädagogischen Seminar Köln; 1934 Mitbegründerin eines eigenen Kunstverlages (die Woensam-Presse, benannt nach dem Kölner Holzschnittmeister Anton Woensam ) zusammen mit den Kölner Künstlern Franz M. Jansen,Wilhelm Geißler, Peter Sraußfeld, Anton Wolff und Irmgart Zumloh; ab sofort nennt sich dieser Künstlerkreis auch „Woensam-Ring“; 1935 Gemeinschaftsausstellung der Woensam-Künstler; 1937 Beteiligung mit Holzschnitten an dem Buch „Das ABC der Woensampresse zu Köln“; 1937 Beteiligung an der „Großen Kunstausstellung Düsseldorf“ (Kunsthalle Düsseldorf); 1939, 1940 Beteiligung an der Ausstellung „Der deutsche Westen. Malerei und Plastik aus der Gegenwart“ (Kunstverein Köln und Kunstverein Westfalen (Münster)); während der Kölner Zeit enge Freundschaft mit mehreren Künstlerinnen wie ‚Leni‘ Helene Moch oder Grete Schlegel; 1941 Beteiligung an der Ausstellung „Die deutsche Malerin und Bildhauerin“ (Kunsthalle Düsseldorf); 1942 Beteiligung an der „Frühjahrsausstellung Düsseldorf“ (Kunsthalle Düsseldorf); 31.5.1942 durch einen Bombenangriff auf Köln wurde das Elternhaus in der Machabaerstraße 1 (in welchem zugleich das Atelier war) zerstört, so dass ein Großteil des bisherigen Schaffens verloren ging; 1945-85 freie Malerin in Köln; Mitglied im GEDOK Köln, in der Künstler-Union Köln, im Westdeutschen Künstlerbund und im Deutschen Künstlerbund

Literatur
JESSEWITSCH, Rolf / SCHNEIDER, Gerhard (Hrsg.) (2008): Entdeckte Moderne; Kettler; Bönen; S. 513
Künstler-Union-Köln: Käthe Schmitz-Imhoff zum 90. Geburtstag. Eine Retrospektive mit Werken aus dem Besitz der Malerin; Köln
„Allgemeines Künstlerlexikon“ (AKL), Onlineversion, Künstler-ID: 00224138
Künstler-Union-Köln: Käthe Schmitz-Imhoff zum 90. Geburtstag. Eine Retrospektive mit Werken aus dem Besitz der Malerin; Köln
„Allgemeines Künstlerlexikon“ (AKL), Onlineversion, Künstler-ID: 00224138