J U L I U S   H Ü T H E R   (04.11.1881 Cannstatt – 09.08.1954 München)

 

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Stillleben mit roter Amaryllis und gelber Calla (1939)

Öl auf Hartfaserplatte, ungerahmt
unten links signiert „Hüther“
unten links datiert „[19]39 “

verkauft

 

 

 

 

Titel
ohne Titel [Stillleben mit roter Amaryllis und gelber Calla]

Größe
Größe: 64,8 x 49,7 cm

Zustand
Platte an Ecken und Kanten etwas bestoßen und leicht berieben; in den Randbereichen mitunter sehr kleine Verluste der Farbschicht; im rechten Randbereich unten kleine Kratzspur; partiell schwach fleckig; verso leicht fleckig

 

 

Julius Hüther wuchs in München auf, absolvierte anfangs eine Lithografenlehre und begann 1901 sein Kunststudium an der Münchner Akademie. Seine damaligen Lehrer waren Gabriel von Hackl und Ludwig von Löfftz. Hüther wurde Mitglied der „Juryfreien“, der Münchner Sezession und war zudem Gründungsmitglied der Gruppe „Die Gaukler“. 1908 heiratete er die aus Vezzano bei Trient stammende Dichterin Viola Zeni (?-1928) und das Paar lebte – mit Unterbrechung in der Zeit des Weltkrieges – bis 1922 in Vezzano bzw. in Trient. Ab 1912 stellte Hüther regelmäßig bei den Glaspalast-Ausstellungen aus. 1925 erfolgte die Ernennung zum Honorarprofessor der Münchner Akademie.
Auch nach 1933 nahm Hüther noch an Ausstellungen teil, weiterhin wurde bei einem Porträtwettbewerb 1937 sein eingereichtes Gemälde als eines der besten ausgestellt und 1941 erhielt er zu seinem 60. Geburtstag auch offizielle Glückwünsche und Ehrungen. Andererseits wurden 1937 insgesamt fünf Gemälde aus Museumsbesitz (Hannover, München, Nürnberg) als „entartet“ beschlagnahmt. 1939 verstarb zudem seine zweite Ehefrau Marion.
1942 floh er kriegsbedingt mit der Familie aus München nach Benediktbeuren und 1944 wurde die Wohnung bei einem Bombenangriff zerstört. Nach dem Krieg blieb Hüther in München ansässig und tätig.

Das vorliegende Stillleben entstand 1939 und damit in der oben beschriebenen ambivalenten Schaffensphase von Julius Hüther. Während Susanna Partsch in ihrem Beitrag zum Künstler im „Allgemeinen Künstlerlexikon“ davon spricht, dass Hüther nach 1937 neben Illustrationen für Zeitschriften und Porträts „v.a. unverfängliche Blumen-Bilder“ malte, kann man dieses flott und expressiv ausgeführte Arrangement aus Amaryllis und Calla nicht so einfach als „unverfänglich“ abtun. Zumal eine solche Umschreibung doch eher an biedere Wohnzimmerkunst und eben nicht an ein kräftig expressiv realistisches Stillleben denken lässt.
Hintergrund und grünlicher Untergrund bleiben in ihrer reduzierten Darstellung skizzenhaft. Die farblich kräftig ausgeführten Blüten dominieren die Komposition und das Kolorit wird durch die wunderbar markanten, durchaus gewagten hellblauen Umrandungen der Konturen nochmals verstärkt.

 

 

Zu Julius Hüther (04.11.1881 Cannstatt – 09.08.1954 München):
Maler, Zeichner, Grafiker.

Hüther wuchs in München auf und besuchte dort die Schule (zusammen mit Karl Valentin). Anfangs machte er eine Lithografenlehre, begann dann ab 1901 ein Studium an der Kunstakademie München (bei Gabriel von Hackl). Weiterhin Besuch der privaten Malschule von Ludwig von Löfftz. 1908 Heirat mit der Dichterin Viola Zeni aus Vezzano bei Trient, wo das Paar bis 1922 – mit Unterbrechung des Ersten Weltkrieges – auch lebte. 1923 Bekanntschaft mit Martha und Lion Feuchtwanger. 1925 Ernennung zum Honorar-professor an der Münchner Akademie. 1928 Tod der Ehefrau und 1930 Heirat mit Marion Schiffer. 1931 verlor er einige Werke beim Brand des Glaspalastes. 1937 wurden fünf Gemälde aus Museumsbesitz (Hannover, München, Nürnberg) als „entartet“ beschlagnahmt. 1939 Tod der zweiten Ehefrau. 1942 wurde das Paar kriegsbedingt evakuiert und kam nach Benediktbeuren. 1944 wurde die Münchnr Wohnung bei einem Luftangriff zerstört. 1951 Teilnahme am Ersten deutschen Kulturkongress in Leipzig (Kongresshalle Leipzig), worauf ihm in der Folge ein Reisepass verweigert wurde und er bis zum Lebensende nicht mehr reisen konnte.

Mitgliedschaften
ab 1905 bei den „Juryfreien“
1906 Gründungsmitglied der Künstlergruppe „Die Gaukler“
Münchner Secession
ab 1947 Künstlergruppe „Die Schwabinger“

Ausstellungen (Auswahl)
ab 1912 Teilnahme an den Glaspalast-Ausstellungen in München
1932 Einzelausstellung im Münchner Kunstverein
1945 Beteiligung an der Ausstellung „Maler der Gegenart“, Aschaffenburg
1946 Beteiligung an der „Weihnachtsausstellung Münchner Künstler“
1947 Beteiligung an der „Großen Kunstausstellung Essen“
1957 Beteiligung an der Ausstellung „Arte tedesca dal 1905 ad oggi“ (Rom)
1967 Kollektivausstellung in der Galerie Interkunst (München)
1989 Einzelausstellung im Pavillon im Alten Botanischen Garten München
2013 „Ein stiller Beobachter – Julius Hüther“, Landkreisgalerie auf Schloss Neuburg

Sammlungen
Bayerische Staatsgemäldesammlungen
Lenbachhaus München
Stadtmuseum Regensburg
Städtische Kunstsammlung Nürnberg
Sammlung Joseph Hierling (Tutzing)
LETTER-Stiftung (Köln)

Literatur (Auswahl)
Burger, Willy: Julius Hüther, in: Die Kunst für alle, Heft 13/14 (April 1917), S. 258-266
Papenbrock, Martin (Hrsg.) (1996): „Entartete Kunst“, Exilkunst, Widerstandskunst in westdeutschen Ausstellungen nach 1945. Eine kommentierte Bibliographie]; Weimar: VDG; S. 471
Partsch, Susanna: Julius Hüther, in: „Allgemeines Künstlerlexikon“, Online-Version
Schneider, Erich (Hrsg.) (2009): Expressiver Realismus. Die Sammlung Joseph Hierling [Schweinfurter Museumsschriften 166/2009]; Schweinfurt; S. 156
Unus, Walter (1920): Julius Hüther-München, in: Die Kunst für alle, Jg. 46, S. 2-12
Unus, Walter (1931): Julius Hüther zum 50. Geburtstage, in: Deutsche Kunst und Dekoration, Jg. 69 (1931-32), S. 216