J E A N   L E H M A N N

Weitere Werke von Jean Lehmann

 

Ansicht auf die Dachauer Altstadt

Öl auf Leinwand, Keilrahmen, gerahmt
u.l. in der hellroten / rosafarbigen Wand des Hauses geritzt datiert „1931“

Leinwandgröße: 65 x 79,5cm
Rahmengröße: 77 x 91,7cm

u.l. in der hellroten / rosafarbigen Wand des Hauses geritzt monogrammiert „Jlls“

€ 5.300,-

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Zustand
partiell leicht beschmutzt; an wenigen Stellen sehr leichte, dezente Retuschen; in den Randbereichen leichte Druckstellen durch den hinterliegenden Keilrahmen; verso etwas fleckig; verso u.l. in Schwarz mit Größenangaben bez. „64/79“

 

 

Freundliche Hinweise zur Einordnung des Werkes kamen dankenswerterweise von Frau Jeannette Hnilicka-Lehmann (Nachlass Jean Lehmann).

 

 

„[Bei] Jean Lehmann dauerte es lange, bis er sich seinem großen Ziel, einer künstlerischen Betätigung, auch hauptberuflich widmen konnte. Auf Wunsch der Eltern hatte er zunächst das Hotelfach zu lernen. Das anschließende Kunststudium mußte er sich selbst verdienen. Er ging für zwei Jahre als Buchhalter nach Sardinien, wo er in der Freizeit bereits viel malte. Mit dem ersparten Geld konnte er ein Jahr lang an der Academia dell´ Arte in Venedig studieren. Als Museumsdiener erarbeitete er sich anschließend das Geld, das er für ein einjähriges Studium an der Kunstakademie in München benötigte. In dieser Zeit – um 1910 – muß er auch Dachau kennen und vielleicht lieben gelernt haben. Es dauert jedoch zwölf Jahre, bis er 1922 nach Dachau kommt. Er bleibt bis 1936. Es ist seine fruchtbarste Schaffensperiode. Regelmäßig beteiligt er sich an den Ausstellungen der Münchner Secession und der Künstlervereinigung Dachau“ (Horst Heres (1985): Dachauer Gemäldegalerie; Dachau: Bayerland; S. 157).
Das vorliegende Gemälde entstand 1931 und damit gerade in dieser Dachauer Lebens- und Schaffensphase.
Jean Lehmann nimmt den Betrachter mit an das Ufer der Amper. Über das Wasser geht der Blick zu den ersten Häusern der Altstadt und schließlich den Berg hinauf. Die üppige Vegetation, wie auch der strahlende Himmel lassen dabei an einen wunderschönen, warmen Sommertag denken.
Der Bildaufbau fällt von links nach rechts ab. So lassen sich noch in der linken oberen Ecke weitere Gebäude erkennen, die gar den Blick auf den Himmel verdecken. Dagegen ist die Sicht im rechten Bereich frei und wird allein durch einen den abfallenden Bildaufbau ausgleichenden Baum etwas gebrochen. Als überaus markant und gerade für das damalige Schaffen Lehmanns signifikant zeigt sich die Farbgebung. Es dominieren satte, kräftige Farben, wobei der Fokus deutlich bei der Kombination aus Rot und Grün liegt. – Diese Wirkung der Komplementärfarben unterstreicht der Künstler nochmals durch die differierenden Strukturen. Während die roten Dächer aus klaren, kantigen Flächen bestehen, ist das Grün der Bäume und der Wiesen ungebundener und freier. Die helleren Gebäudewände setzen gewisse Ruhepole, wobei auch hier Lehmann in Form des roséfarbigen Hauses links einen feinen Akzent setzt. Und just ist es auch genau dieses Haus, welches sein Signum und die Datierung trägt, die sich beide damit ganz harmonisch, einer Hausbeschriftung gleich, in die Ansicht einfügen.
Farblich eingerahmt wird das Motiv durch das Blau des Himmels und das Blau des Flusses, welches in beiden Fällen, wenn auch aufgrund jeweils anderer Ursachen, teilweise mit Rottönen vermengt wird. Die Spannung und die Vitalität der Ansicht, nota bene: der an sich menschenleeren Ansicht, wirkt durch die blaue Einrahmung ruhiger, um nicht zu sagen: zeitloser.
Herausragende Komposition in brillanter farblicher Ausführung.

 

 

Zu Jean Lehmann (12.05.1885 Dagmersellen (Kanton Luzern) – 23.02.1969 Zürich):
Schweizer Maler, Grafiker, Bildhauer; 1900-05 auf Wunsch der Eltern Ausbildung im Hotelfach und Besuch der Handelsschule, sowie daneben Besuch des Zeichenunterrichts an der Kunstgewerbeschule Luzern; er ging für zwei Jahre als Buchhalter nach Sardinien, um sich sein folgendes Kunststudium zu finanzieren; 1907 zwei Semester Besuch der Kunstakademie Venedig; im Anschluss arbeitete er als Museumsdiener, um sein kommendes Münchner Studium finanzieren zu können; 1910 Studium der Gebrauchsgraphik an der Kunstakademie München; um 1910 wohl das erste Mal Aufenthalt in Dachau; 1912-22 wohnt und arbeitet in St. Moritz, im Winter ist er als Eiskunstlauflehrer tätig; 1922-36 ansässig und tätig in Dachau; während seiner Zeit in Dachau und vor allem nach seiner Rückkehr in die Schweiz reist Lehmann immer wieder nach St. Moritz um zu malen; 1936 Rückkehr in die Schweiz; es folgen Reisen nach Frankreich und Italien
Lehmann malte insbesondere Landschaften, Darstellungen des bäuerlich-dörflichen Lebens, figürliche Kompositionen und Stillleben.
Ausstellungen: 1912-18 regelmäßige Gemäldeausstellungen im Gemeindesaal St. Moritz zusammen mit u.a. Peter Robert Berry, Christian Conradin, Giovanni Giacometti, Augusto Giacometti, Carl von Salis, Edgar Vital, Gottardo Segantini; 1913-14 Lehmann malt das Dioramabild „St. Moritz im Winter“ für die Landesausstellung 1914 in Bern; 1913, 1915, 1917/18, 1919 und 1921 Beteiligungen an Ausstellungen im Kunsthaus Zürich; 1917 Beteiligung an einer Ausstellung in der Kunsthalle Basel;1919 Beteiligung an der „Gemäldeausstellung Engadiner Künstler“ im Volkshaussaal Chur;1923-36 Beteiligungen an Ausstellungen der Münchner Secession, sowie der Künstlervereinigung Dachau;1928 Beteiligung an der XVII. Nationalen Kunstausstellung im Kunsthaus Zürich; 1929 Beteiligung an der Turnusausstellung des Schweizerischen Kunstvereins im Kunstmuseum Luzern und im Kunstmuseum Winterthur;1930-31 Beteiligung an der Sommerkunstausstellung im Schloss Dachau;1934 Beteiligung an der Turnusausstellung des Schweizerischen Kunstvereins im Kunsthaus Luzern;1943 Ausstellung grafischer Werke im Kongresshaus Zürich;1945 Übersichtsausstellung im Kongresshaus in Zürich mit einer Auswahl seiner Malerei, Grafik und Skulpturen der letzten dreißig Jahre;1973 Gedenkausstellung Jean Lehmann in der Kleinen Galerie in Chur;2015 Ausstellung „Engadiner Landschaften“ in der ASTE-Galerie in St. Moritz; 2016-17 Ausstellung „Jean Lehmann. Engadin. Hobby. Leidenschaft. Maler.“ in der Fundaziun Capauliana in Chur
Mitgliedschaften: Neue Künstlervereinigung Dachau; Società Artistica Engiadina
Werke: Werke Lehmanns befinden sich u.a. im Besitz von: Dachauer Gemäldegalerie; Bündner Kunstmuseum, Chur;Kunstmuseum Luzern; Fundaziun Capauliana, Chur
Seine Signatur bzw. sein Monogramm veränderte Lehmann in der Anfangszeit etwas, bevor er ab etwa Mitte der 1920er Jahre wesentlich mit „JllS“ (i.e. „Jean Lehmann Luzern Schweiz (bzw. St. Moritz)“) unterzeichnete.

Literatur
HERES, Horst (1985): Dachauer Gemäldegalerie; Bayerland; Dachau; S. 157, 279
JUR, Marie-Claire: Wiederentdeckt. Der Künstler Jean Lehmann, in: Engadiner Post (v. 10.09.2015)
LUDWIG, Horst (1994): Münchner Maler im 19. Jahrhundert (Bd. 6); Bruckmann; München; S. 16
Aste Auktionen (2015): Jean Lehmann „Engadiner Landschaften“ [Katalog zur Ausstellung vom 08.08.-16.09.2015]; St. Moritz
„Allgemeines Künstlerlexikon“ (AKL), Onlineversion, Künstler-ID: 00051221
SIKART. Lexikon zur Kunst in der Schweiz [sikart.ch]