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Stillleben mit Chrysanthemen (1935)

Öl auf Leinwand, Keilrahmen, gerahmt [Originalrahmen];
u.r. datiert „1935“
Größe: 55 x 45,5 cm (ohne Rahmen) bzw. 61,7 x 52,2 cm (mit Rahmen)
u.r. signiert „Ischi v. König“, sowie verso auf Keilrahmen u.r. (wohl) von fremder Hand bezeichnet
nicht betitelt

€ 1.500,-

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Zustand
in den pastoseren Farbpartien mitunter leicht fleckig; bei den pastoseren Farbpartien an wenigen Stellen sehr leichte Craquelé-Bildung; im Bereich unten rechts (am rechten oberen Rand der braunen Tischplatte) kleiner Leinwandschaden mit Verlust der Farbschicht (Umfang etwa 5x4mm); im Bereich oben links (etwas oberhalb der orangefarbigen Blüte links) hinterlegter Leinwandschaden; Leinwand verso fleckig; Rahmen mit leichten Gebrauchsspuren (etwas berieben, an wenigen Stellen ausgebessert)

Provenienz
Wilhelm Ohrmann (Lebensdaten unbekannt; Bäcker in Hannover)
[Hierzu verso auf Keilrahmen oben (wohl) von fremder Hand bezeichnet „Bes. Ohrmann, Hannover“, sowie am Keilrahmen verso unten links aufgeklebt kleiner, maschinenschriftlicher Zettel „W. Ohrmann / Hannover / Podbielski 315“.]  
Im Adressbuch von Hannover für das Jahr 1941 gibt es zwei Einträge zu „Wilhelm Ohrmann“. Zum einen eine Bäckerei in der Podbielskistraße 315 und zum anderen ein Maler in der Heidornstraße 9A. Möglicherweise sind es auch zwei verschiedene Adressen für eine Person.

Ausstellung
(möglicherweise) Teil einer Ausstellung der „Vereinigung Nordwestdeutscher Künstler“ (VNK) [hierzu verso auf Leinwand oben mittig aufgeklebtes VNK-Logo]  
Die VNK wurde 1906 in Bremen von dem Künstler Wilhelm Otto (1868-1950) ins Leben gerufen.

 

 

Das vorliegende Stillleben datiert auf 1935 und damit in eine für Ischi von König überaus wichtige Schaffensphase, die vor allem durch ihre ausgiebige Chinareise geprägt war. Zusammen mit Tilla Grabbe reiste sie mit dem Schiff und konnte in dieser Zeit sogar Werke bei Ausstellungen in Peking und Nanking öffentlich zeigen.

Ischi von König ist insbesondere bekannt für ihre Porträts und Landschaften, daneben entstanden immer auch wieder Stillleben. Stilistisch steht sie in der nach-impressionistischen bzw. expressiv-realistischen Tradition ihres Onkels Leo von König. Oder wie es Werner Schumann beschreibt:

„Im Stil von Onkel und Nichte ist soviel[sic] Wesensähnliches, daß die Begabung für das Porträt, die den Ruhm des Älteren begründete, in der Neigung der Schülerin sich auf eine ihrem Naturell entsprechende Weise wiederholt.“ (Werner Schumann [1968]: Ischi von König, in: „Ischi von König. Monographie mit 28 Bildern“ [Eingeleitet von Werner Schumann]; Hannover: Selbstverlag; S. 3-5 [hier: 4].)

Und ganz konkret zu den Stillleben der Künstlerin schreibt Schumann:

„Mit den Chrysanthemen, Zinnien, Lilien und Gladiolen, die in den starken Farben des Sommers glühen, bilden sie den poetischen Bereich eines malerischen Lebenswerks, das seine Maßstäbe allein im Ästhetischen suchte.“ (Ebd: 5.)

Beachtlich an dem vorliegenden Werk ist der mitunter sehr pastose, expressive Farbauftrag der Blüten. So konventionell das Sujet an sich ist, so modern und unkonventionell ist hier die Umsetzung, was zugleich auch den hauptsächlichen Reiz dieses Objekts ausmacht.

 

 

Zu Ilse („Ischi“) Freifrau von König (08.11.1891 Berlin – 16.10.1973 Hannover):
Malerin, Zeichnerin; Tochter eines Generalmajors in Berlin und Nichte des Künstlers Leo von König; 1897 erkrankte sie an Scharlach und ertaubte hieran; ab 1901 wuchs sie unter der Obhut einer Tante in Hannover auf; ab 1909 erhielt sie Unterricht in Hannover von Ernst Pasqual Jordan, Rudolf Weber und auch in Berlin von ihrem Onkel Leo von König; 1914-18 Besuch einer Gartenbauschule in Zwingenberg a.d. Bergstraße, sowie vier Semester Aktzeichnen und Kompositionsaufgaben bei Leo von König; ab 1926 hatte sie in Hannover ein gemeinsames Atelier mit Hans Koken (Volgersweg); Beginn der Freundschaft mit Tilla Grabbe; 1928-31 Reisen nach Südfrankreich, Paris, Cassis-sur-Mer, La Ciotat; in Hannover richtet sie sich ihr erstes, eigenes Atelier ein (Hannover-Kleefeld); Beginn der Freundschaft mit Richard Seiffert-Wattenberg (1874 Immendorf – 1945 Einbeck); 1933 Umzug nach Berlin; es entstehen Zeichnungen im Zoo, sowie farbige Karikaturen; 1934 Reisen nach Dänemark, während denen die ersten größeren Aquarelle entstehen; Rückkehr nach Hannover und dort ansässig Am Listholz 8; sie erhält ihre ersten Porträtaufträge; 1935-36 Chinareise zusammen mit Tilla Grabbe; während dieser Reise Ausstellungsbeteiligungen in Nanking und Peking; 1944 wird die Wohnung samt Atelier in Hannover ausgebombt, worauf die innerhalb von Hannover umzieht (Am Listholz 11); 1956 Italienreise; 1962 Spanienreise

Ausstellungen
1927, 1934-40, 1942-43 Beteiligungen an den „Grossen Kunstausstellungen“, Kunstverein Hannover;
1933-34, 1937-42 Beteiligung an der „Herbstausstellung Hannoverscher Künstler“, Kunstverein Hannover;
1938 Beteiligung an der „Ausstellung Hannoverscher Künstler“, Kunsthalle Hamburg;
1951 große Werkausstellung „Ölbilder, Aquarelle und Zeichnungen von Ischi v. König“ in Krefeld;
1958, 1961 Beteiligungen an den Gedok-Ausstellungen in Herrenhausen

Werke befinden sich u.a. im Besitz der Stadt Hannover, sowie bei der Landesgalerie Hannover.

Literatur
„Ischi von König. Monographie mit 28 Bildern“ [Eingeleitet von Werner Schumann]; Hannover: Selbstverlag [1968];
Böttcher, Dirk (2002): Hannoversches biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart; Hannover: Schlütersche; S. 204
Schroeder, Hiltrud (1990): Sophie & Co. – Bedeutende Frauen Hannovers; Hannover: Fackelträger; S. 242
„Niedersächsische Landesgalerie und Städtische Galerie Hannover: Die Gemälde des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts in der Niedersächsischen Landesgalerie Hannover“ [Textband]; München: Bruckmann; S. 263
„Allgemeines Künstlerlexikon“ (AKL), Onlineversion, Künstler-ID: 00057184