H A R D Y    S C H N E I D E R – S A T O    (27.06.1919 Hoyerswerda – 18.12.2002 Karlsruhe)

 

Zum Themenflyer ‚Bilder des Schmerzes‘

 

 

„Durst“ (1944)

Aquarell über Bleistift auf leichtem Karton, am linken Rand punktuell auf schwarzen Karton befestigt
oben rechts datiert „[19]44“
oben rechts signiert „Sato“
Größe: 25,3 x 22,3 cm (Blatt) bzw. 40,5 x 30,3 cm (unterlegter Karton)

€ 840,-

Kaufanfrage

 

 

 

Titel
„Durst“ [Studie / Vorarbeit zu dem so betitelten Gemälde [1], Abb. in: Spitzner, Wolfram / Knauber, Hubert (1975): Sato. Retrospektive [Schriftenreihe der Museumsgesellschaft Ettlingen e.V., Bd. 7], Karlsruhe, S. 16 (eine Abb. der Katalogseite ist unten angefügt)];
[1] Im Ettlinger Katalog wird das Gemälde auf 1943 datiert, was jedoch irrig sein dürfte. Vielmehr wird Schneider-Sato hier zu Beginn seiner Karlsruher Zeit dieses Gemälde „Durst“, das er während des Krieges schon einmal malte, nochmals nachvollzogen haben. Denn wie auch Hubert Knauber ausführt konnten von den Bildern, die während des Krieges entstanden sind „nur noch die Skizzen aus Rußland gerettet werden“ (Spitzner / Knauber 1975: 11).

Zustand
am linken Rand punktuell auf schwarzen Karton befestigt; rechter Blattrand leicht uneben zugeschnitten; durchgehend stockfleckig; im linken Bereich oben zwei größere Stockflecken; Ecken leicht bestoßen; leichte Druckstellen im Blatt; verso leicht fleckig

 

 

Hardy Schneider-Sato wurde direkt bei Kriegsbeginn 1939 als Soldat eingezogen. Er wurde in der Folge im Osten eingesetzt, geriet 1944 in russische Gefangenschaft aus der er erst 1949 entlassen wurde. Während der Gefangenschaft machte er die prägende Bekanntschaft mit dem Zen-Meister Joshimo Sato, der ihn als seinen Schüler annahm und unterrichtete. Daher führte der Künstler fortan den Namen des Lehrers („Sato“) als Beinamen.

Das vorliegende Aquarell datiert auf 1944 und ist zudem vom Künstler mit „Sato“ signiert. Hieraus ergibt sich, dass diese Arbeit während der Zeit als Kriegsgefangener entstand. Dass Schneider-Sato auch damals künstlerisch tätig war, zeigt sich auch daran, dass russische Offiziere sein Talent erkannten und ihn deshalb um 1947 in ein Kulturlager nach Moskau verschickten. Dort war er unter anderem als Freskomaler und Porträtist tätig. Daneben entstanden aber auch eigenständige Arbeiten, welche sich in einer hoch expressiven Manier dezidiert kritisch mit den Schrecken des Krieges auseinandersetzten. Von diesen Kriegsbildern konnten „nur noch die Skizzen aus Rußland gerettet werden“. [Spitzner / Knauber 1975: 11.]

Vor diesem Hintergrund kommt dem vorliegenden Aquarell eine besondere Bedeutung innerhalb des Schaffens von Schneider-Sato zu. Und auf Basis wohl dieses Aquarells entstand dann das ebenso eindrucksvolle Gemälde „Durst“ [Abb. in ebd.: 16.]. Bezeichnend ist dabei aber, dass das Gemälde in seiner Ausführung weit mehr an Van Gogh, oder beispielsweise auch Wilhelm Morgner erinnert, während das Aquarell stärker in der Tradition des Expressionismus steht und hierbei dürfte man wohl nicht zuletzt an Schneider-Satos Lehrer, Otto Dix, denken. Die Farbe erhält im Aquarell eine weitaus größere Wirkkraft, während das Gemälde im Ganzen seine Wirkung entfaltet. Ebenso wirken die beiden Soldaten im Aquarell flotter und expressiver ausgeführt, was das Moment des tatsächlich Erlebten unterstreicht. Mitunter mag man bei der Ausführung an manche jener erstaunlich expressiv-realistischen Arbeiten denken, die während des Ostfeldzuges innerhalb der sog. „Staffel der bildenden Künstler“ entstanden [2]. Jedoch geht Schneider-Sato gerade mit dem Motiv den durstigen, abgemagerten und im Ganzen leidenden Soldaten noch einen Schritt weiter. In dieser Kombination von moderner Ausführung und authentisch eigenständigem Motiv liegt, in Verbindung mit dem Entstehungsjahr, das Besondere dieser Komposition, die sich vor diesem Hintergrund als ein eindringliches zeitgeschichtliches und kunsthistorisches Zeugnis darstellt.
[2] Das innerhalb dieser „Staffel der bildenden Künstler“ so zahlreich moderne, expressive Werke entstanden ist insbesondere dadurch zu erklären, dass die Kontrolle ausschließlich innerhalb der eigenen Einheit stattfand. Dies bedeutet, dass „die Bilder [in der Regel] also ohne Eingriffe anderer kontrollierender Instanzen, allenfalls nach Betrachtung durch den Kompaniechef, direkt in das Staffelarchiv nach Potsdam expediert [wurden]. Dies bedeutet eine Ausschaltung des Zensurapparates, dem alle sonstigen Erzeugnisse der Propagandatruppe unterworfen waren, und garantierte eine gewisse Freiheit im künstlerischen Schaffensprozess“ (Veit Veltzke (2005): Kunst und Propaganda in der Wehrmacht; Bielefeld: Kerber; S. 103).

 

 

Zu Hardy Schneider-Sato (27.06.1919 Hoyerswerda – 18.12.2002 Karlsruhe):
Maler, Zeichner, Grafiker; erster Malunterricht beim Heimatmaler Karl Leder; 1936-37 Zeichenunterricht bei Otto Dix; Studium der Mathematik, Geodäsie und Kunst in Dresden; ab 1939 Kriegsdienst im Osten und 1944 Gefangenschaft; in einem Lager in der Mandschurei lernte er einen Zen-Meister namens Joshimo Sato kennen, der ihn als Schüler annahm – daher auch der Beiname „Sato“; russische Offiziere erkannten sein künstlerisches Talent und er wurde in ein Kulturlager nach Moskau geschickt, wo er als Freskomaler und Porträtist tätig war; Ende 1949 entlassen aus der Gefangenschaft; Otto Dix und auch der befreundete Künstler Willy E. Nocken (1919 Düsseldorf – 1995 Karlsruhe) ermutigten ihn zur Malerei, so dass Schneider-Sato nach Karlsruhe zog und dort von 1951-54 die Kunstakademie besuchte (bei Hans Gaensslen und Wilhelm Schnarrenberger); ab Studienbeginn hatte er in Karlsruhe ein eigenes Werbeatelier (in der ehemaligen Villa des Künstlers Friedrich von Keller); später Umzug nach Durlach; im Juni 1970 Gründung einer Galerie (Zunftstraße 9, Karlsruhe-Durlach) um junge Künstler zu unterstützen; 1970 Gründung des Durlacher Rings zur Rettung der historischen Altstadt; bis zu seinem Tod war Schneider-Sato als freischaffender Künstler tätig; 1975 Retrospektive im Museum Ettlingen

Literatur
Groeg, Otto J. (1975): Who’s who in the Arts [Bd. 2]; Ottobrunn: Who’s Who-Book and Publishing; S. 185
Mülfarth, Leo (1987): Kleines Lexikon Karlsruher Maler; Karlsruhe; S. 247
pitzner, Wolfram / Knauber, Hubert (1975): Sato. Retrospektive [Schriftenreihe der Museumsgesellschaft Ettlingen e.V., Bd. 7], Karlsruhe
„Allgemeines Künstlerlexikon“ (AKL), Onlineversion