H A N S   P A P E

 

Weitere Werke von Hans Pape

 

 

Feldarbeit

Tusche und Bleistift auf Inresbütten, an den oberen beiden Ecken befestigt auf leichten bräunlichen Karton
u.r. in Schwarz datiert „[19]44“
u.r. in Schwarz mit dem Künstlersignum, sowie verso u.l. in Rot der Künstlerstempel

Größe des unterlegten Kartons: 50x70cm
Blattgröße: 33×41,8cm

€ 360,-

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Zustand

Blatt an den oberen beiden Ecken befestigt auf leichten bräunlichen Karton; leichte Druckstellen im Blatt; im unteren Blattbereich leichte horizontal verlaufende Stauchung; Ecke o.r. mit leichter Knickspur; unterlegter Karton mit Druckstellen, sowie am oberen Rand mit weißen Papierresten

 

 

 

Hans Pape nimmt den Betrachter mit auf ein Feld. Im mittleren Bildbereich steht eine kleine Baumgruppe, deren Äste bis zu den Bildrändern reichen und dadurch den Blick auf das, was möglicherweise dahinter liegt, sperren. Einzig im unteren Bereich links lassen sich in der Ferne leichte Hügel erkennen. Von einem Dorf oder einer Stadt, oder auch irgendeinem anderen markanten Punkt, ist nichts zu sehen, so dass die vorliegende Ansicht wenn nicht als ideal gedacht, so doch zumindest als nicht lokalisierbar zu bezeichnen ist.
Im rechten Bildbereich sehen wir drei Personen. Eine Frau im Vordergrund, die in gebückter Haltung gerade der Feldarbeit nachgeht, ein mit einem Stock spielendes Kind im mittleren Bereich, sowie dahinter eine sitzende ältere Frau. Sicherlich darf man hier an drei zeichnerisch dargestellte Lebensalter denken – die Großmutter, die Mutter, das Enkelkind bzw. anders gesprochen: die spielende Unbefangenheit des Kindes, die notwendige Arbeitskraft der Frau und schließlich das ruhige Sinnieren im Alter. Keinesfalls steht dieser Topos aber direkt im Zentrum der Szenerie. Vielmehr hat Pape die drei Personen nur einen kleinen Teil der Bildfläche einnehmen lassen, wodurch ihr Wesen wie auch eben das Verstehen von jenem immer in Relation steht zu der sie umgebenen Natur. Die kleinen, jungen Triebe an den Bäumen lassen an einen anbrechenden Frühling denken, der neues Leben im Sommer verkündet. Das Kind, in seiner Haltung den Bäumen zugewandt, steht jenem Neuen am nächsten, was durch den aufgerichteten Stock nochmals unterstrichen wird. Die Mutter ist dagegen notwendigerweise abgewandt, muss sie sich doch um die Feldarbeit bemühen. Und ebenso sitzt auch die Großmutter dezidiert mit dem Rücken zu den Bäumen, den leicht melancholisch versunkenen Blick zum Boden geneigt.
In einer ganz bewussten Einfachheit entwirft hier Pape ein Bild des Menschen in der Natur, das ohne Verklärungen auskommt und das neben der kindlichen Freude und der ernsthaften Arbeit, auch einen gewissen Trost des Alters zu vermitteln vermag.

 

 

Zu Hans Pape (01.10.1894 Hamburg – 30.11.1970 Münster):
Maler, Graphiker, Illustrator; Studium an den Kunstakademien in Hamburg und München (bei Peter von Halm); 1925-60 Leitung der Fachklasse für Buchgewerbe und Gebrauchsgrafik an der Werkkunstschule Münster; ab 1925 Mitglied der Künstlergemeinschaft Schanze; ab 1925 übernahm Pape die Gestaltung der meisten Plakate der „Schanze“; 1937 wurden bei der Aktion „Entartete Kunst“ drei Werke beschlagnahmt; zahlreiche Illustrationen für Bücher (u.a. von Hans-Friedrich Blunck, Heinrich von Kleist, Wilhelm Schäfer); anfänglich vom Expressionismus beeinflusst, von dem sich Pape aber Mitte der 1920er Jahre wieder löste; er näherte sich in den 1920er und 1930er Jahren mehr einer neusachlichen Ausrichtung an

Literatur
BRUHNS, Maike (2001): Kunst in der Krise (Band 2); Dölling und Galitz; Hamburg; S.314-315
KAUDER-STEININGER, Rita (1999): Avantgarde in Münster?, in: Avantgarden in Westfalen? Die Moderne in der Provinz 1902-1933; Ardey-Verlag; Münster; S. 49-58 [hier: 54-55] HÖLSCHER, Eberhard (1928): Hans Pape [Deutsche Buchkünstler und Gebrauchsgraphiker der Gegenwart]; Sonderdruck aus dem Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik Heft 10/1928