F R I E D R I C H   E B E R H A R D T

 

Weitere schwäbische Künstler

 

 

Landschaft

Gouache über leichten Bleistiftvorzeichnungen auf Karton
nicht datiert

Grösse: 24,7×29,6cm

u.l. in Blei signiert „F. Eberhardt“
nicht betitelt

€ 410,- (reserviert)

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Zustand
Ecke u.r. mit leichtem Papierverlust; im Bereich des früheren Passepartoutausschnitts etwas aufgehellt; am linken Blattrand mittig kleiner Einriss (Länge etwa 1cm); am linken Rand oben kleiner Papierverlust; am oberen Rand dünne reste früherer Befestigung (Klebestreifen); leichte Druckstellen im Blatt; verso in den vier Ecken Reste früherer Befestigung (Klebereste)

 

 

Nach dem Friedrich Eberhardt an der Kunstgewerbeschule und der Akademie in Stuttgart seine Ausbildung erhielt, blieb er in dieser Stadt und war dort tätig. 1929 erhielt er von dem Leiter der Stettiner Kunstgewerbeschule Georg Rosenbauer (1890-1966) eine Anstellung als Mitarbeiter in der Fachklasse für Dekorationsmalerei. Eberhardt war im Folgenden weiterhin in Stettin ansässig und neben seiner Lehrtätigkeit auch künstlerisch aktiv. Ein damaliger Freund des Künstlers, Friedrich Bernhardt, beschreibt rückblickend dessen Schaffen folgendermaßen: „Er [d.h. Eberhardt] zeigte in kleinen Formaten weiträumig gestaffelte Landschaft und Figürliches in vereinfachter flächiger Darstellung, konstruktiver Bildform, reich variiertem Bildaufbau, in der Landschaft durch betonte, ungleich zerfließende Konturierung etwas Schwebendes erreichend […]“ (zitiert nach: Kozinska (2011): 229).
Die vorliegende, obgleich undatierte Landschaft dürfte in diese Stettiner Schaffensphase einzuordnen sein. Zeigt sie doch in einem verhältnismäßig kleinen Format eine eben solche ‚ weiträumig gestaffelte Landschaft‘, die in ihrer lockeren, beinahe minimalistisch anmutenden Ausführung dem Betrachter jenes vor Augen führen, das Bernhardt trefflich als ‚etwas Schwebendes‘ umschreibt.

 

 

Zu Friedrich (Fritz) Eberhardt (17.01.1895 Wittlensweiler – 04.07.1971 Stuttgart):
Maler, Zeichner, Grafiker, Illustrator; 1909-14 Lehre als Dekorationsmaler; danach Studium an der Kunstgewerbeschule Stuttgart, sowie an der Kunstakademie Stuttgart (bei Adolf Hölzel); April-Oktober 1921 Studienreise über die Schweiz (Basel) nach Italien (Rom); (spätestens) 1921 in Stuttgart wohnhaft in der Werastraße 14, darauf (spätestens) 1926 in Stuttgart-Obertürkheim wohnhaft in der Uhlbacherstraße 65; verheiratet mit der Kunstgewerblerin Hedwig, gab. Ankelen (22.11.1894-?); 1929 Umzug nach Stettin; 1929-36 leitete er die Fachklasse für Dekorationsmalerei an der Kunstgewerbeschule Stettin; 1934 Beteiligung an der Ausstellung „Das Land am Meer. Pommersche Kunst der Gegenwart“ (Städtisches Museum, Stettin); 1936 Beteiligung an der Ausstellung „Pommersche Kunst“ (Greifswald); 1937 werden bei der Aktion „Entartete Kunst“ zwei Werke aus dem Bestand des Städtischen Museums Stettin beschlagnahmt; 1939 Beteiligung an der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ (Haus der Deutschen Kunst, München); 1942 Beteiligung an der Ausstellung „Das Meer. Bilder deutscher Maler“ (Künstlerhaus Berlin); 1947 Beteiligung an der Ausstellung „Stuttgarter Sezession“ (Künstlerhaus „Sonnenhalde“, Stuttgart); 1954 Beteiligung an der Ausstellung „Zeitgenössische Kunst des deutschen Ostens“ (Staatliche Kunsthalle, Baden-Baden & Kunsthalle Bremen); im Späteren Leitung des Graphischen Büros der Ausstellungs- und Tagungsstelle in Stuttgart; Eberhardt malte v.a. Landschaften und figürliche Kompositionen

Literatur
KOZINSKA, Bogdana (2011): Die künstlerische Tätigkeit der Lehrer der Stettiner Kunstgewerbeschule in den 1920er und 1930er Jahren, in: Bernfried Lichtnau (Hrsg.): Bildende Kunst in Mecklenburg und Pommern von 1880 bis 1950; Berlin: Lukas Verlag; S. 229
NAGEL, Gert K. (1986): Schwäbisches Künstlerlexikon; Kunst & Antiquitäten; S. 35
PAPENBROCK, Martin (1996): „Entartete Kunst“, Exilkunst, Widerstandskunst in westdeutschen Ausstellungen nach 1945; Weimar: VDG; S. 444
SPILLER, Monika: Friedrich Eberhardt, in: Allgemeines Künstlerlexikon (AKL), Onlineversion, Künstler-ID: 10200058