E W A L D    B E C K E R – C A R U S

 

Weitere Werke von Ewald Becker-Carus

 

 

„Manes“ (wohl um 1945-50), verso eine frühere alpine Landschaft (wohl um 1927-30)

Öl auf festem Malkarton, gerahmt [Originalrahmen], frühere Rahmenrückwand lose anbei

undatiert [(wohl) um 1945-50, die verso gezeigte alpine Landschaft wohl um 1927-30]

u.r. signiert „E. Becker-Carus“, sowie u.l. nochmals signiert „E. Becker […]“, sowie verso o.r. Künstleretikett mit damaliger Anschrift in Hamburg-Blankenese / auf Rahmen verso am unteren Element nochmals signiert / sowie auf lose beigefügter früherer Rückwand verso u.r. monogrammiert „B.C.“ und o.l. Künstlerstempel und darunter Nachlassstempel

€ 1.400,-

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Titel
verso o.r. auf Künstleretikett betitelt „Manes“, neben dem Titel noch nummeriert „5“ und mit früherem Preis versehen „1200,-“; weiterhin ebenso betitelt verso unten links in rot
Verso eine frühere alpine Landschaft.

Größe
Größe: 90 x 65 cm (ohne Rahmen) bzw. 102,5 x 77,5 cm (mit Rahmen)

Zustand
leicht fleckig; Ecken und Kanten etwas bestoßen (unter Rahmung nicht sichtbar); verso die verworfene Landschaft etwas fleckig und berieben

Provenienz
aus dem Nachlass des Künstlers

 

 

„Manes ist jene hohe Individualität, die immer und immer wieder auf der Erde verkörpert ist, die der leitende Geist ist derer, die zur Bekehrung des Bösen da sind. Wenn wir von den großen Führern der Menschen sprechen, so müssen wir auch dieser Individualität gedenken, welche sich diese Aufgabe gesetzt hat. Es wird, wenn auch in der Gegenwart dieses Prinzip des Manes sehr in den Hintergrund hat treten müssen, weil wenig Verständnis für den Spiritualismus da ist, es wird dieses wunderbar herrliche Manichäer-Prinzip mehr und mehr Schüler gewinnen, je mehr wir dem Verständnis des spirituellen Lebens entgegengehen.“
[Rudolf Steiner-Nachlaßverwaltung (Hrsg.) (1985): Rudolf Steiner. Die Apokalypse des Johannes. Ein Zyklus von zwölf Vorträgen mit einem einleitenden öffentlichen Vortrag gehalten in Nürnberg vom 17. bis 30. Juni 1908; Dornach: Rudolf Steiner Verlag; S. 163.]

In diesem Zitat Rudolf Steiners werden zwei wichtige Punkte deutlich, die Steiners Verständnis von „Manes“ und dem „Manichäismus“ charakterisieren. Zum einen ist hier nicht an den ‚historischen Manichäismus‘ zu denken, wie er sich in streng quellenbasierten, (religions-)historischen Darstellungen findet. Und dasselbe gilt auch für Manes, der nicht allein als historische Figur betrachtet wird. Denn vielmehr ist es zum anderen so, dass der Manichäismus als ein Prinzip zu verstehen ist, welches sich immer wieder in neuen, vertieften Formen über die Zeiten hinweg realisiert und in diesem Sinne ist dann Manes eine Bezeichnung für zentrale Personen innerhalb solcher (manichäischer) Formen.
Es ist bei Rudolf Steiner also kein reines Schauen in die Vergangenheit, wenn er von Manes und Manichäismus spricht. Er durchwandert die Jahrhunderte, findet darin immer wieder derartige manichäische Manifestationen und wirft dann schließlich auch seinen Blick in die Zukunft. Ganz in diesem Kontext ist die Frage von Klaus J. Bracker zu sehen:

„Ist diese Idee, statt sie auf den historischen Manichäismus zurückführen zu wollen, nicht viel eher als Hinweis darauf zu verstehen, daß Steiner, wenn er von ‚Manichäismus‘ spricht, ein Neues, Zukünftiges meint, für das, wenn auch anknüpfend an Gewesenes, in unserer Zeit erste Impulse gegeben werden sollen?“
[Klaus J. Bracker (1998): Manichäismus und Anthroposophie, in NOVALIS. Zeitschrift für spirituelles Denken; Nr. 6; Schaffhausen [ebenso als pdf-Datei verfügbar auf: academia.edu]]

Mit der hier angesprochenen Idee meint Bracker Steiners Überlegung, wonach der Manichäismus eben gerade nicht die oftmals verkürzte harte Distinktion zwischen den beiden widerstreitenden Prinzipien von „gut“ und „böse“ ist. Nach Steiner ist das Böse nicht zu negieren oder hart mit Gewalt zu bekämpfen, sondern vielmehr ist es notwendig, dass das Gute das Böse mit Milde und Liebe umformt.

„Das Gute würde nicht ein so großes Gutes sein, wenn es nicht also wachsen würde durch die Überwindung des Bösen.“
[Rudolf Steiner-Nachlaßverwaltung (Hrsg.) (1985): 162.]

Eine in sich zutiefst anrührende, menschliche Botschaft, deren Grundgedanke in der Theorie wohl keinen Widerspruch findet, während – bedauerlicherweise – die Realität ganz anders aussieht.

Ewald Becker-Carus war seit 1924 Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft und war den Gedanken Rudolf Steiners zeitlebens eng verbunden. Dass er im vorliegenden, verhältnismäßig großen Gemälde ein Bildnis bzw. eine Manifestation von „Manes“ zeigt, verweist nicht zuletzt auch auf eine durchaus tiefe Beschäftigung mit Rudolf Steiners Schriften.

Der Hintergrund zeigt sich als unbestimmbar und bewusst diffus. Die warmen Farben aus vornehmlich Viollettönen zentrieren sich am oberen Rand in einem goldenen Farbfeld und verweisen damit deutlich auf die innere, heilige Kraft des Dargestellten. Dieser steht in einer leichten Neigung zum Betrachter und blickt an diesem vorbei. Die Augen sind halb geöffnet, wirken aber doch erstaunlich wach und ernst. Den Mund umspielt ein leichtes, wissendes Lächeln.

 

 

Zu Ewald Becker-Carus (17.9.1902 Dingelstedt b. Halberstadt – 5.10.1995 Hamborn b. Paderborn):
Maler, Zeichner, Grafiker, Kunsterzieher; 1919 Abitur; 1922 1.Lehramtsprüfung; 1924-27 Studium an der Akademie der bildenden Künste zu Dresden (bei Prof. Richard Dreher, Schwerpunkte waren Landschaftsmalerei, Akt, Kunstgeschichte); Ernennung zum Meisterschüler; 1927 Studienreise durch die Schweiz und Oberitalien und durch die bekanntesten deutschen Kunstmuseen und Galerien (München, Düsseldorf, Kassel, Berlin, Hamburg, Bremen); ab Herbst 1927 selbständig als freischaffender Maler und Graphiker in Dresden tätig; 1927 Beteiligung an einer Gruppenausstellung im Kunstverein Dresden (Brühlsche Terasse, Dresden); 1928-29 Studium der graphischen Techniken an der Akademie für Graphik in Leipzig mit angeschlossenem pädagogischen Institut ( Abschluss: Werklehrerexamen); 1929 Ruf als Leiter des Werkunterrichts und Erzieher an das Pädagogium zu Niesky/Oberlausitz und dort Ausbau des künstlerischen Unterrichts; 1929/30 Auf Grund privater Malaufträge Sommeraufenthalte in Schweden (Stockholm, Jämtland, Lappland); 1933 Lehrauftrag an der Rudolph-Steiner-Schule Hamburg-Altona (Flottbeker Chaussee, heute: Elbchaussee) für künstlerische Fächer und Werkunterricht; dort bis zum Verbot der Schule 1937 durch die Nationalsozialisten tätig; 1938 freischaffend tätig in eigenem Atelier in Hamburg-Altona (heute: Max Brauer-Allee); 1939 Einrichtung des „Atelier für Malerei und Graphik“ in Hamburg-Blankenese, Elbchaussee 82 (heute: 485) mit Werkstatt für Radierung, Holzschnitt, Schnitzen und Plastizieren; 1940 Einberufung zur Wehrmacht; Kriegsdienst in Norddeutschland bis 1945; 1945 Wiederaufnahme und Ausbau des Ateliers an der Elbchausse zum „Studienatelier für bildende Künste“ mit berufsbildendem Unterricht auf den verschiedenen Gebieten der bildenden Kunst (Schwerpunkt Malerei); 1949 Ruf als Professor an die Staatliche Hochschule für Bildende Künste Hamburg, Lerchenfeld, dem er nicht Folge leistete, da dies zwangsläufig die Aufgabe des eigenen Studienateliers in Hamburg-Blankenese zur Folge gehabt hätte; stattdessen folgte er der dringenden Nachfrage der 1946 wiedereröffneten Rudolf Steiner-Schule Hamburg-Wandsbek und übernahm dort den Aufbau des Kunstunterrichts insbesondere in der Oberstufe (bis 1971 dort tätig); 1951 erscheint sein Aufsatz „Über das Farbenerleben des Kindes“ (in: Erziehungskunst. Monatsschrift zur Pädagogik Rudolf Steiners (15. Jg./Heft 8); Verlag Freies Geistesleben; Stuttgart; S. 234-240); 1967 Einzelausstellung in der Anthroposophischen Gesellschaft Hamburg; zu Becker-Carus‘ Schülern gehörten u. a. K.R.H.-Sonderborg, Pit von Frihling, Werner Freytag (bürgerlich: Sauernheimer), Vera Hedrich, Marianne Spälty; im Rahmen der internationalen Waldorfschulbewegung führte er nahezu regelmäßig im Sommer / Herbst öffentliche Künstlerische Kurse in Malen sowie Plastizieren durch, u. a. in: Stockholm, Schweden (1954); Krogerup Höjskole, Dänemark (1956, 1958 und 1959); Hamburg, (1957); Stuttgart, öffentl. päd. Arbeitswoche (1960); Aarhus, Dänemark, Egmont Höjskole (1960, 1961); Helsingfors, Finnland (1961); Wanne-Eikel, Hibernia-Schule (1968); Ejstupholm, Dänemark (1969); Ausstellungsbeteiligungen; Werke befinden sich im Besitz der Waldorfschule Hamburg-Wandsbek, der Waldorfschule Stockholm, im Privatbesitz, sowie bei seinen Erben

Literatur
Familie Kay Rum (Hrsg.): Der neue Rump. Lexikon der bildenden Künstler Hamburgs (überarbeitet von Maike Bruhns); Wachholtz; Neumünster – Hamburg; S. 34
HEYDORN, Volker Detlef (1974): Maler in Hamburg 1966-1974; Christians; Hamburg; S. 117
Online-Ausgabe des Allgemeinen Künstlerlexikons (AKL)
KAUPERT, Walter (Hrsg.): Internationales Kunst-Adressbuch 1954/55; Deutsche Zentraldruckerei; Berlin, S. 721