E W A L D   B E C K E R – C A R U S

 

Weitere Werke von Ewald Becker-Carus

 

 

„Dresden“

Aquarell auf Velinpapier; verso in den oberen beiden Ecken befestigt in Passepartout
u.r. in Blei datiert „1927“

nicht signiert, auf Blatt verso u.l. Nachlassstempel, sowie auf Passepartout verso u.l. nochmals Nachlassstempel
u.l. in Blei betitelt

€ 180,-

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Größe
Blattgröße: 47,8 x 58,9cm
Passepartoutgröße: 49 x 61,1cm

Zustand
durchgehend Druckstellen im Blatt; recto & verso durchgehend (stock-)fleckig; in den oberen beiden Ecken kleine Einstichlöcher; Randbereiche durchgehend mit kleinen Beschädigungen (Druckstellen, kleine Knickspuren); im unteren Blattbereich diagonale Stauchung; unterer Rand etwas uneben zugeschnitten; am unteren Rand rechts Einriss (Länge etwa 1,5cm); am unteren Rand links Einriss (Länge etwa 1cm) ; am oberen Rand links kleiner Papierverlust; verso fleckig; Passepartout recto & verso fleckig

Provenienz
aus dem Nachlass des Künstlers

 

 

Von 1924 bis 1927 studierte Ewald Becker-Carus an der Kunstakademie Dresden (bei Richard Dreher) und war zuletzt Meisterschüler. Nach Beendigung des Studiums unternahm er eine ausgiebige Reise durch die Schweiz und Oberitalien, sowie zu den bekanntesten deutschen Kunstmuseen und Galerien. In dieser Zeit entstanden mehrere expressiv-realistische Aquarelle mit Landschaftsansichten, bei denen deutlich die Farbe gegenüber der Form obwiegt. Im Herbst des Jahres 1927 kehrte er nach Dresden zurück und war kurzzeitig als freischaffender Maler und Graphiker tätig. 1928 verzog er nach Leipzig und begann dort ein Studium an der Akademie für Graphik in Leipzig, welches er mit dem Werklehrerexamen im Jahr 1929 abschloss.
Vorliegendes Aquarell zeigt der Betitelung nach eine Ansicht bei Dresden und datiert auf 1927. Betrachtet man die kahlen Bäume, wie auch die insgesamt trübe, gedrückte Stimmung, so ist anzunehmen, dass das Werk in der Zeit nach der Studienreise, also im Herbst oder Winter 1927, entstanden ist.
Die kleinen Häuser und Bretterzäune lassen an Schrebergärten denken. Eingerahmt werden diese durch die Hügel im Hintergrund und die hohe Bäume.
Insgesamt wird die Komposition bestimmt von einem violetten Ton, der sich durch die gesamte Landschaft zieht. Die Häuser und auch die Zäune bleiben in einem erdigen Kolorit, so dass alles sehr ruhig und im besten Sinne herbstlich trüb wirkt.

 

 

Zu Ewald Becker-Carus (17.9.1902 Dingelstedt b. Halberstadt – 5.10.1995 Hamborn b. Paderborn):
Maler, Zeichner, Grafiker, Kunsterzieher; 1919 Abitur; 1922 1.Lehramtsprüfung; 1924-27 Studium an der Akademie der bildenden Künste zu Dresden (bei Prof. Richard Dreher, Schwerpunkte waren Landschaftsmalerei, Akt, Kunstgeschichte); Ernennung zum Meisterschüler; 1927 Studienreise durch die Schweiz und Oberitalien und durch die bekanntesten deutschen Kunstmuseen und Galerien (München, Düsseldorf, Kassel, Berlin, Hamburg, Bremen); ab Herbst 1927 selbständig als freischaffender Maler und Graphiker in Dresden tätig; 1927 Beteiligung an einer Gruppenausstellung im Kunstverein Dresden (Brühlsche Terasse, Dresden); 1928-29 Studium der graphischen Techniken an der Akademie für Graphik in Leipzig mit angeschlossenem pädagogischen Institut ( Abschluss: Werklehrerexamen); 1929 Ruf als Leiter des Werkunterrichts und Erzieher an das Pädagogium zu Niesky/Oberlausitz und dort Ausbau des künstlerischen Unterrichts; 1929/30 Auf Grund privater Malaufträge Sommeraufenthalte in Schweden (Stockholm, Jämtland, Lappland); 1933 Lehrauftrag an der Rudolph-Steiner-Schule Hamburg-Altona (Flottbeker Chaussee, heute: Elbchaussee) für künstlerische Fächer und Werkunterricht; dort bis zum Verbot der Schule 1937 durch die Nationalsozialisten tätig; 1938 freischaffend tätig in eigenem Atelier in Hamburg-Altona (heute: Max Brauer-Allee); 1939 Einrichtung des „Atelier für Malerei und Graphik“ in Hamburg-Blankenese, Elbchaussee 82 (heute: 485) mit Werkstatt für Radierung, Holzschnitt, Schnitzen und Plastizieren; 1940 Einberufung zur Wehrmacht; Kriegsdienst in Norddeutschland bis 1945; 1945 Wiederaufnahme und Ausbau des Ateliers an der Elbchausse zum „Studienatelier für bildende Künste“ mit berufsbildendem Unterricht auf den verschiedenen Gebieten der bildenden Kunst (Schwerpunkt Malerei); 1949 Ruf als Professor an die Staatliche Hochschule für Bildende Künste Hamburg, Lerchenfeld, dem er nicht Folge leistete, da dies zwangsläufig die Aufgabe des eigenen Studienateliers in Hamburg-Blankenese zur Folge gehabt hätte; stattdessen folgte er der dringenden Nachfrage der 1946 wiedereröffneten Rudolf Steiner-Schule Hamburg-Wandsbek und übernahm dort den Aufbau des Kunstunterrichts insbesondere in der Oberstufe (bis 1971 dort tätig); 1951 erscheint sein Aufsatz „Über das Farbenerleben des Kindes“ (in: Erziehungskunst. Monatsschrift zur Pädagogik Rudolf Steiners (15. Jg./Heft 8); Verlag Freies Geistesleben; Stuttgart; S. 234-240); 1967 Einzelausstellung in der Anthroposophischen Gesellschaft Hamburg; zu Becker-Carus‘ Schülern gehörten u. a. K.R.H.-Sonderborg, Pit von Frihling, Werner Freytag (bürgerlich: Sauernheimer), Vera Hedrich, Marianne Spälty; im Rahmen der internationalen Waldorfschulbewegung führte er nahezu regelmäßig im Sommer / Herbst öffentliche Künstlerische Kurse in Malen sowie Plastizieren durch, u. a. in: Stockholm, Schweden (1954); Krogerup Höjskole, Dänemark (1956, 1958 und 1959); Hamburg, (1957); Stuttgart, öffentl. päd. Arbeitswoche (1960); Aarhus, Dänemark, Egmont Höjskole (1960, 1961); Helsingfors, Finnland (1961); Wanne-Eikel, Hibernia-Schule (1968); Ejstupholm, Dänemark (1969); Ausstellungsbeteiligungen; Werke befinden sich im Besitz der Waldorfschule Hamburg-Wandsbek, der Waldorfschule Stockholm, im Privatbesitz, sowie bei seinen Erben

Literatur
Familie Kay Rum (Hrsg.): Der neue Rump. Lexikon der bildenden Künstler Hamburgs (überarbeitet von Maike Bruhns); Wachholtz; Neumünster – Hamburg; S. 34
HEYDORN, Volker Detlef (1974): Maler in Hamburg 1966-1974; Christians; Hamburg; S. 117
Online-Ausgabe des Allgemeinen Künstlerlexikons (AKL)
KAUPERT, Walter (Hrsg.): Internationales Kunst-Adressbuch 1954/55; Deutsche Zentraldruckerei; Berlin, S. 721