C H R I S T I A N   R O H L F S

 

Weitere Werke von Christian Rohlfs

 

 

Magnolien-Darstellung (wohl um 1927)

Farbkreiden auf bräunlichem Papier, verso in den Ecken durch Klebestreifen in Passepartout gesetzt
nicht datiert [wohl um 1927];
Größe: 25 x 35cm

verkauft

 

 

 

Signatur
nicht signiert, verso u.r. Nachlassstempel, sowie darunter in Blei Bestätigung der Witwe des Künstlers „Nachlass Christian Rohlfs / Frau Christian Rohlfs“

Titel
nicht betitelt, Magnolien-Darstellung; im Bildaufbau insbesondere vergleichbar mit dem Werk „Große Magnolie“ (1927)[1]

Zustand
Blatt verso in den Ecken durch Klebestreifen in Passepartout gesetzt (Klebung am linken Rand gelöst); Ecken etwas bestoßen; Ecken o.r. und u.r. mit leichten Knickspuren; rechter Blattrand mit leichter Stauchung; linker Blattrand oben mit kleinem Einriss (Länge etwa 1cm); linker Blattrand mittig etwas knittrig; am unteren Rand links drei kleine Einrisse (Länge jeweils zw. 0,3-0,4cm); Passepartout insgesamt fleckig, sowie an Rändern berieben

Provenienz
Prof. Ludwig Hoelscher (23.08.1907 Solingen – 08.05.1996 Tutzing), Cellist; erhalten von Helene Rohlfs (1892-1990)[Ludwig Hoelscher war eng befreundet mit der Witwe des Künstlers, Helene Rohlfs. In Hoelschers Sammlung befanden sich mehrere Werke von Christian Rohlfs.[2]]

 

 

Beim ersten Betrachten wirkt die vorliegende Zeichnung von Christian Rohlfs wie eine Abstraktion bei welcher die Gegenständlichkeit gänzlich verlasen wurde. Erst nach einem Warten bildet sich die große Blüte im linken Bildbereich heraus. Die Konturen sind in etwas dickeren Strichen ausgeführt, während sich die Blütenblätter selbst farblich durch leichte rote und blaue Linien abzeichnen. In etwas kräftigerem Druck und etwas dichterer Farbgebung zeigen die Blätter der Pflanze.

Der Bildaufbau zeigt insgesamt deutliche Bezüge zu dem Werk „Große Magnolie“ (1927), welches 2002 bei Grisebach zum Ausruf kam, so dass im vorliegenden Fall von einer Datierung in eben jene Jahre um 1927 ausgegangen werden kann.

Zu diesen späten Schaffensjahren schreibt Paul Vogt: „Dieser Altersstil, wenn man ihn so nennen will, konnte nicht in einem plötzlichen Umschwung entstehen, Rohlfs mußte sich erst von jener dinglich empfundenen Welt lösen, die ihn in den Jahren nach 1920 wie in einem schöpferischen Rausch besessen hatte. Noch einmal setzte er sich mit ihr auseinander, um nicht durch ihre Auflösung, sondern in der Verdichtung der Erscheinungen zum Gleichnis, zum Kern ihres Daseins vorzudringen.“[3]

[1] Farbkreiden, 50 x 70,4cm [30.11.2002, Grisebach, Berlin, Auktion, Los 227].
[2] Verwiesen werden kann an dieser Stelle bspw. auf „Zweig mit gelben Früchten“ (Aquarell & Gouache, 1931, zuletzt (2014): Thole Rotermund Kunsthandel, Hamburg), „Weiblicher Akt“ (Gouache, 1913, zuletzt: 28.10.2011, Ketterer, München, Auktion 383, Los 724).
[3] Paul Vogt (1958): Christian Rohlfs. Aquarelle und Zeichnungen; Recklinghausen: Aurel Bongers; S. 94.

 

 

Zu Christian Rohlfs (22.12.1849 Niendorf – 08.01.1938 Hagen):
Maler, Zeichner, Grafiker; 1851 die Familie zieht nach Fredesdorf; 1864 aufgrund eines Sturzes von einem Baum, verletzt er sich am Bein und ist ans Bett gebunden, wobei er beginnt zu malen (unterstützt von dem Hausarzt Dr. Stolle, dem Schwager Theodor Storms); ab 1866 Besuch des Realgymnasiums in Bad Segeberg; 1869/70 besucht er auf Empfehlung Theodor Storms Ludwig Pietsch in Berlin; 1870 Pietsch empfiehlt ihn an die Akademie in Weimar, wo er zum 1. Oktober sein Studium aufnimmt (bei Paul Thumann); 1871 das Beinleiden wird schlimmer und es bedarf eines Klinikaufenthaltes in Jena; 1873 Amputation des rechten Beines und Rückkehr nach Fredesdorf; zum 1.Oktober 1874 erneute Studienaufnahme in Weimar (bei Ferdinand Schauss); 1875 Studienaufenthalte in Weißenfels und Dresden; 1876 Lehrzeit bei Alexander Struys; 1877 zum ersten Mal werden Werke von Rohlfs in der Weimarer Kunstschule gezeigt; 1879 Studienreise nach Eisenach und in die Rhön; 1880 wird sein Gemälde „Römische Bauleute“ in Düsseldorf ausgestellt; 1881 Zerwürfnis mit Struys und Hinwendung zu Willem Linnig; 1882 Atelierschüler bei Max Thedy; am 15. Juni 1884 wird er zum selbstständigen Künstler erklärt; 1886 Aufenthalt in Hoof bei Kassel; 1888 erste impressionistische Einflüsse und in der Folge Begegnungen mit Werken der französischen Impressionisten; 1895 ein Jahr Aufenthalt in Berlin; 1899 Aufenthalt in Lübeck; 1900 durch Vermittlung von Henry van de Velde kommt Rohlfs in Kontakt mit Karl Ernst Osthaus; 1901 zusammen mit seinem Freund Karl Arp zieht Rohlfs nach Hagen; am 25.12.1902 wird ihm der Professorentitel verliehen; 1903 Aufenthalt in Hagen/Holstein, es entstehen erste Aquarelle; 1904 Bekanntschaft mit Dr. Kaesbach in Hagen, sowie mit Edvard Munch; 1905 verbringt er die Sommermonate in Soest; Freundschaft mit Emil Nolde; 1907 Mitglied des von Osthaus geleiteten „Sonderbundes westdeutscher Kunstfreunde und Künstler“; 1908 Reisen in die Rhön und nach Bayern; es entstehen die ersten Holzschnitte; 1909 Ausstellung im Folkwang-Museum; 1911 Mitglied der Neuen Secession Berlin; 1914 aufgrund des Kriegsausbruches ist Rohlfs mehrere Monate arbeitsunfähig; ordentliches Mitglied der „Freien Secession“ in Berlin; 1919 Heirat mit Helene, geb. Vogt; 1924 zum 75. Geburtstag wird er zum Ehrenbürger der Stadt Hagen ernannt, sowie Mitglied der Preußischen Akademie der Künste; 1925 außerordentliches Mitglied der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf; 1926 entstehen die letzten druckgrafischen Arbeiten; 1927 erste Reise nach Ascona und ab 1929 jedes Jahr dort; 1933 erwirbt der Louvre eine Tempera-Arbeit; 1937 werden im Zuge der „Entarte Kunst“-Aktion zahlreiche Werke von Rohlfs aus Museumsbesitz beschlagnahmt; 8. Januar 1938 Verkaufsverbot

Literatur (Auswahl)
Fuß, Rowena: Christian Rohlfs, in: „Allgemeines Künstlerlexikon“, Online-Version, Künstler-ID: 00163621
Utermann, Wilfried (1987) (Hrsg.): Christian Rohlfs. Das druckgraphische Gesamtwerk; Dortmund: Galerie Utermann
Vogt, Paul (1960): Christian Rohlfs. Das graphische Werk; Recklingshausen: Aurel Bongers
Vogt, Paul (1958): Christian Rohlfs. Aquarelle und Zeichnungen; Recklingshausen: Aurel Bongers