G U S T A V    R A D B R U C H

 

Weitere Autographen

 

 

Autograph von Gustav Radbruch (1942)

dunkle Tinte auf Postkarte
undatiert, Poststempel datiert auf den 12. Januar 1942
recto im Absenderfeld mit Namen und damaliger Adresse „Dr. Radbruch / Heidelberg / Friesenberg 1a“
Größe: 10,4 x 14,8 cm

€ 390,-

Kaufanfrage

 
 
 
 

Titel
„Übersteigerung“, Nr. 1772 im „Nachlassverzeichnis Gustav Radbruch“ (bearb. von Manfred Stange; für den Druck überarb. von Armin Schlechter; Heidelberg: Winter 2001). Dort wird angeführt, dass sich im Nachlass eine von Lydia Radbruch ausgeführte handschriftliche Abschrift dieses Gedichts befindet.
Postkarte ist gerichtet an die Schriftleitung der „Frankfurter Zeitung“.

Zustand
Postkarte gelaufen; etwas nachgedunkelt, sowie leicht fleckig; Ecken etwas bestoßen

 
 

Freundliche Hinweise zur Einordnung des Objektes kamen von Dr. Armin Schlechter.

 
 

Text des Gedichtes von Gustav Radbruch:
„Übersteigerung.

‚Das Einzigste, Bestmöglichste
ist wohl das Unerträglichste‘.

Das Unerträglichste? O Qual!
Ein logisch-sprachlicher Skandal!
Ein scharfer Denker muß sich weigern
ein Negativum noch zu steigern.
Das Nicht-Sein hat ein Vollgewicht,
mehr oder wen´ger gibt´s die nicht.

So haften sich Bernt Engelmann [1]  
zuweilen selber Mängel an.“

[1] Möglicherweise handelt es sich hierbei um den späteren Journalisten und Schriftsteller Bernt Engelmann (20.01.1921 Berlin – 14.04.1994 München), was jedoch nicht gänzlich sicher ist.

 
 

Der große Rechtswissenschaftler Gustav Radbruch geht hier in Form eines Gedichtes („Übersteigerung“) auf einen nicht bekannten Text von Bernt Engelmann ein, der wohl eben in der „Frankfurter Zeitung“ veröffentlicht wurde. Konkret kritisiert Radbruch auf eine humorvolle, wie zugleich auch sprachlich sehr schöne, treffliche Weise, einen sprachlichen Ausdruck Engelmanns. Womöglich handelt es sich bei jenem um den späteren Journalisten und Schriftsteller Bernt Engelmann (20.01.1921 Berlin – 14.04.1994 München), doch ist dies nicht gänzlich geklärt.

Zeitlich gesehen entstand dieses ‚Gelegenheitswerk‘ in der Phase der Zurückgezogenheit, die aber dennoch von großer Arbeit bestimmt war. Als erster deutscher Professor wurde Radbruch bereits am 28. April 1933 aus seinem Lehramt an der Heidelberger Universität entlassen. Sein vornehmliches Interesse galt in den folgenden Jahren insbesondere der eher unverfänglichen Rechtsgeschichte und Rechtsphilosophie. In Teilen widmete er sich auch der Kunstgeschichte, was vor allem dadurch bedingt war, dass seine Tochter Renate am 22. März 1939 bei einem Lawinenunglück auf tragische Weise verstarb – und zu dieser Zeit war sie noch dabei an ihrer kunsthistorischen Dissertation zu arbeiten, welche dann von Gustav Radbruch zu Ende geführt wurde.
Bereits zugesagte Lehraufträge an ausländischen Universitäten (u.a. Kaunas, Zürich) wurden ihm vom Auswärtigen Amt nicht gestattet. Dagegen konnte er sich aber ab April 1935 zumindest für ein Jahr in Oxford aufhalten, um dort Studien zu betreiben.

 
 

–Die vorgedruckte Briefmarke ist nur auf dem Foto farblich überarbeitet!–