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Exemplar des Kataloges zur großen Gustav Klimt-Ausstellung 1943 in Wien

Titel: „Gustav Klimt Ausstellung 7. Februar bis 7. März 1943. Veranstalter: Der Reichsstatthalter in Wien“
Umfang: unpag. [32 S. (davon 16 S. mit jeweils ganzseitigen s/w-Abb., sowie eine Seite mit einer s/w-Fotografie Klimts)], Kartoneinband;

Erscheinungsjahr: 1943
Format: 22,9 x 15,6cm
Druck: Wien: Chwalas Druck

€ 200,-

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Zustand
Einband recto & verso leicht beschmutzt / fleckig, sowie an den Ecken etwas bestoßen; Innenteil sauber erhalten

Zum Inhalt
Nach einem dreiseitigen Vorwort Fritz Novotnys folgt die Liste der insgesamt 100 Exponate, wobei hier mitunter mehrere Objekte in einer Zeile zusammengefasst wurden (bspw. „34-37 Entwurf für das Wandmosaik im Speisesaal von […]“, „67-100 Handzeichnungen“). An die Auflistung schließen sich die s/w-Tafeln an.

 

 

Bei der Debatte innerhalb hochrangiger Parteivertreter um die moderne Kunst nahm Baldur von Schirach eine Position ein, die versuchte den Expressionismus und expressive Tendenzen politisch zu integrieren; ganz im Gegensatz zu insbesondere Alfred Rosenberg, der eine strikte Abneigung gegen die Moderne hatte. Als Reichsstatthalter von Wien versuchte Baldur von Schirach aus Wien eine Kunstmetropole zu gestalten, wofür er immer wieder mit Ausstellungen für Aufsehen und Unmut sorgte, wurden doch oftmals Werke von Künstlern gezeigt, die an sich als ‚entartet‘ galten.

Exemplarisch lässt sich dies an der groß angelegten Schau „Junge Kunst im Deutschen Reich“ zeigen. Hier wurden immerhin 582 Werke präsentiert, die v.a. eingebracht wurden von Künstlerinnen und Künstlern, die man ohne Zweifel der Moderne zuordnet – dazu gehörten u.a. Eduard Aigner, Carl Barth, Walter Becker, Hubert Berke, Adolf Dahle, Erich Glette, Tom Hops, Paul Kälberer, Bruno Müller-Linow, Josef Karl Nerud, Hanna Nagel, Otto Niemeyer-Holstein, Robert Pudlich, Leo von Welden. Die Eröffnung der Ausstellung war am 7. Februar 1943, doch kam es bereits am 8. März 1943 auf Geheiß von Oben zum vorzeitigen Abbruch.- „This time von Schirach had gone too far. Hitler was incensed, calling the show an ‚act of sabotage‘ and demanding its closure on 8 March“ (Laura Morowitz (2016): „Heil the Hero Klimt!“ Nazi Aesthetics in Vienna and the 1943 Gustav Klimt Retrospective, in: Oxford Art Journal, Vol. 39, No. 1, S. 107-129 [hier: 115]).

Und ebenso ist auch die große Ausstellung zu Gustav Klimt einzuordnen. Schirach wollte Wien als kulturellen Gegenpol zu Berlin etablieren, wollte die Moderne stärken (wenn auch nicht so offenkundig wie bei der Schau „Junge Kunst..“) und er wollte schließlich auch das kollektive Gedächtnis was Leben und Schaffen Klimts angeht prägen, besser: umprägen (explizit zu dem letzten Punkt vgl. Morowitz 2016: 126ff.).

Bis zum damaligen Zeitpunkt war es die größte Klimt-Ausstellung, die 24.000 Besucher anzog und in der Presse oft besprochen und erwähnt wurde.
Retrospektiv ist diese Schau auch deswegen von Bedeutung, da zahlreiche der gezeigten Werke aus Raubkunstbeständen kamen, wobei die Eigentümer unerwähnt blieben. Zudem wurden Provenienzen nicht erwähnt und Bildtitel (insbesondere bei Porträts) wurden umbenannt, um so keinen Hinweis auf die Dargestellten und damit auf die Auftraggeber Klimts zu geben.