U N B E K A N N T :   P r o v e n i e n z   S a m m l u n g   R o b e r t   U d n y

 

 

unbekannt-sammlung-udny


Kain erschlägt Abel

Provenienz Sammlung Robert Udny

braune Tusche auf blau-gräulichem Papier [mit unbek. Wasserzeichen ‚bekrönter einköpfiger Adler in Kreis‘ (nicht bei Heawood)]; am oberen Rand durch zwei Klebestreifen unter Passepartout gesetzt
nicht datiert, (wohl) Ende des 18. Jhds.

Blattgrösse: 39,2×31,6cm

nicht signiert, nicht betitelt

 
€ 1.500,-

 

 

  

 

Zustand
Blatt am oberen Rand durch zwei Klebestreifen unter Passepartout gesetzt; mittig vertikale Knick-, Faltspur; am unteren Rand mittig bei der Faltspur kleiner Einriss; im Blattbereich mittig (im Bereich von Kains linkem Oberschenkel) kleiner Papierverlust (etwa 3x4mm); am oberen Rand durchgehend, sowie an den beiden unteren Ecken und an den seitlichen Rändern Reste früherer Befestigung (Klebestreifen, nicht säurefrei); obere beide Ecken und Ecke u.l. mit leichtem Papierverlust; Ränder minimal nachgedunkelt/gebräunt; leichte Druckstellen im Blatt; partiell leicht fleckig; verso leichte Lagerspuren; verso schlägt Farbe leicht durch; verso u.r. undeutlich in Blei bez.[?]

Provenienz
Robert Udny (10.07.1722 Aberdeen – 03.01.1802) [hierzu recto u.r. Sammlungsstempel in Schwarz (Lugt 2248); nicht explizit gelistet im Versteigerungskatalog der Sammlung Udny („Cataloge oft he entire Cabinet of Robert Udny Part III. comprising the capital Collection of Drawings […]“ (London, 1803)]

 

 

Das Motiv des Brudermords, des unheilvollen Neids zwischen Nahestehenden findet kulturgeschichtlich insbesondere durch Kain und Abel seinen Ausdruck. Abels Opfergabe an Gott wird im Gegensatz zu jener seines Bruders gnädig und wohlgefällig aufgenommen. Der Rauch des Feuers steigt gen Himmel, der Wohnstatt Gottes. Zeichnerisch wird dies in dem vorliegenden Werk durch die zwei Feuer am linken und rechten Rand ausgedrückt, wobei das linke etwas nach vorne gesetzte Feuer seinen Rauch nach Oben sendet und das rechte, nach hinten gesetzte Feuer seinen Rauch der Erde entgegen verteilt.
Zentral im Oval ausgeführten Bild sind die beiden Protagonisten. Kain steht über Abel und holt gerade mit seiner Rechten zum Schlag mit der Knute aus. Beinahe antikisierend anmutend wirkt das wallende Gewand, welches Kain von den Schultern her umgibt und sich hinter dessen Rücken in zahlreichen Falten und Würfen ausbreitet. Im Unterschied zu vielen anderen Darstellungen dieses Themas, erscheint Kain hier nicht als bärtiger, muskulöser, etwas ‚ungehobelter‘ Mann, sondern als ein ebenso schöner, bartloser Jüngling wie sein Bruder. Abel liegt bereits am Boden und man kann annehmen, dass er bereits geschlagen, wenn nicht gar: erschlagen, wurde. Wenn also der Brudermord nicht bereits erfolgte, so steht dieser Moment untermittelbar bevor. Signifikant erscheint dabei die Haltung Abels – den rechten Arm angewinkelt hinter dem Kopf, die linke Hand schmerzhaft zusammengekrümmt, das rechte Bein angezogen. Ganz ähnliche Darstellungsweisen des toten Abels finden sich bei Francois-Xavier Fabre („Der Tod Abels“, Gemälde, 1790), aber auch schon bei Peter Paul Rubens („Abel Slain by Cain“, Kreidezeichnung). Der nicht identifizierte Künstler wird sich an einem früheren Vorbild wenn nicht gänzlich, so doch zumindest in Teilen orientiert haben.
Nicht zuletzt spricht die Herkunft aus der umfangreichen und zugleich ausgewählten Sammlung des englischen Kaufmanns und passionierten Sammlers Robert Fullarton Udny (1722-1802) für die schöne Qualität dieser eher ungewöhnlichen Interpretation des alttestamentarischen Motivs.