S E L B S T B I L D N I S S E

 

Entwirft ein Künstler ein Bild von sich selbst, so ist dieser künstlerische Prozess immer von einer Besonderheit begleitet. Der Künstler, als das Subjekt des Malprozesses, und das Motiv, das Objekt des Malprozesses, fallen zusammen. Mitunter kann das dazu verleiten ganz idealistisch vom Künstler als jenem zu denken, der sich selbst vollends ergründet, der uns, den Betrachtern, seine Seele in ihrer Individualität offenbart und dem wir uns in irgendeiner Form nähern wollen.
Doch ist auch jedes Selbstbildnis, ebenso wie bspw. ein beim Künstler in Auftrag gegebenes Portrait, auch immer eine Form der Inszenierung, hier: der Selbstinszenierung. Der Künstler nimmt eine gewünschte Rolle ein, fokussiert dadurch gewisse Punkte, wie bspw. Gegenstände, Gesichtszüge, Farben, und blendet andere zugleich aus. Und vielleicht ist es für uns als Betrachter gerade diese wechselseitige Spannung zwischen dem Dargestellten und dem Weggelassenen in der Selbstinszenierung, was den unablässigen Reiz eines Selbstbildnisses ausmacht und wodurch ein Selbstbildnis immer wieder neu ‚entdeckt‘ werden kann.