T H O M A S   S H O T T E R – B O Y S   ( z u g e s c h r i e b e n )

 

 

thomas-shotter-boys

 

„The Bonne making my fire“

Aquarell über Bleistiftskizze; auf bräunlichem Transparentpapier; an den vier Ecken auf sandfarbenem Karton befestigt (an den unteren beiden Ecken gelöst)
nicht datiert, wohl um 1830-35

Blattgrösse: (etwa) 12,8×9,5cm
Kartongrösse: 25,2×35,9cm

unten rechts (nach der Betitelung) in Blei monogrammiert „T.B.“, sowie rechts unterhalb des Blattes auf dem unterlegten Karton in violett stempelsigniert „Thomas Boys“

€ 1.800,-

    

 

unten links in Blei betitelt: „The Bonne making my fire“

Zustand
an den vier Ecken auf sandfarbenem Karton befestigt (an den unteren beiden Ecken gelöst); im unteren rechten Bereich Einriss im Blatt (etwa 4cm); die vier Ecken jeweils (wohl direkt vom Künstler) beschnitten; an den oberen beiden Ecken (montierungsbedingt) etwas wellig/knittrig; am oberen Rand rechts Blatt leicht bestoßen mit minimalem Papierverlust (etwa 2x1mm); im unteren Blattbereich zwei leichte diagonale Stauchungen; unterlegter Karton mit Druckstellen; unterlegter Karton an den Rändern etwas nachgedunkelt; unten rechts leichte diagonale Stauchung und kleiner Papierverlust an der Ecke (etwa 4x2mm); am unteren Kartonrand zwei kleine Einrisse (je etwa 2mm), sowie unten links kleiner Papierverlust (etwa 4x2mm); am rechten Kartonrand zwei Einrisse (je etwa 3mm), sowie unten und mittig kleine Papierverluste (je etwa 1x2mm); am oberen Rand im linken Bereich kleine Einrisse (bis etwa 3mm); Ecke links oben mit geringem Papierverlust (etwa 2x2mm); verso auf Karton Lagerspuren

Provenienz
1) Privatbesitz Rheinland-Pfalz
2) Antiquitätenhandel (Lkr. Koblenz)

 

 

Der Künstler gibt dem Betrachter Einblick in einen privaten, alltäglichen Bereich. Die Hausdame (‚Bonne‘) sorgt für das Wohl des Künstlers, indem sie ihm das Kaminfeuer entfacht. Für den Landschafts-, Städte und Gebäudemaler Boys sind derartige Sujets eher die Ausnahme, die sich im Schaffen Boys‘ aber dennoch gelegentlich finden (man denke bspw. an die Zeichnung von Boningtons Ateliers (um 1826-27, im Besitz des British Museum (Reg.no. 1952,0510.9))). Betrachtet man die Darstellung der ‚Bonne‘ unabhängig vom übrigen Bildaufbau, so zeigen sich deutliche Verbindungen zu ähnlichen – beinahe idealtypischen – Frauendarstellungen von Boys, die insbesondere auf französischen Werken auftreten (vgl. bspw. „L´Hotel de Sens, Paris“ (1833, Abb. in: ROUNDELL, James (1974): Thomas Shotter Boys 1803-1874; Octopus Books; London; S. 127 (plate 49)), „La Tour de Beffroi, Calais“ (1845, Abb. in: ebd. S. 171 (plate 76)), „S. Pierre, Caen“ (1864, Abb. in: Thomas Shotter Boys – Centenary Exhibition [Nottingham University Art Gallery & Thos. Agnew and Sons Ltd., London]; Abb. XIX)). Der Einfluss des Pariser Freundes Bonington ist in der kleinen Komposition insbesondere in der Farbgebung evident (tiefes Blau, sowie kontrastierende Rot- und Schwarztöne) (vgl. hierzu Thomas Shotter Boys – Centenary Exhibition [Nottingham University Art Gallery & Thos. Agnew and Sons Ltd., London]; S.30 [#2]). Zu der Wahl des dünnen Transparentpapiers als Medium schreibt Alaistar Smart: „Most of the surviving drawings [Smart schreibt hier über die Zeit um 1833] are on tracing paper, which is difficult to account for unless they represent copies of earlier studies or aids to the execution of a lithograph, or indeed unless they were used for both purposes together“ (SMART, Alastair (1974): Introduction, in: Thomas Shotter Boys – Centenary Exhibition [Nottingham University Art Gallery & Thos. Agnew and Sons Ltd., London]; S.16). Eine hinreißende, äußerst gefühlvolle und lebendige Zeichnung, die weit über das Maß ein er ‚bloßen Skizze‘ hinausgeht!

 

 

Zu Thomas Shotter-Boys (02.01.1803 London – 10.10.1874 ebd.):
1817-1823 Ausbildung beim Kupferstecher George Cooke; während dieser Zeit bereits Arbeiten bei diversen Publikationen (bspw. Loddiges` „Botanical Cabinet“), die jedoch noch nicht mit Namen gezeichnet wurden, da sich Boys noch in der Lehre befand; 1821 Tod des Vaters; ab 1824 freischaffend tätig; 1825 Umzug nach Paris; Atelier und Unterkunft wohl in 15 Rue de la Rochefoucauld; in Paris Bekanntschaft mit Richard Parkes Bonington (William Callow schreibt in seiner „Autobiography“ (1908, London, Kap. III, S.12) zwar, dass Boys ein Schüler Boningtons war, was aber wohl nicht korrekt ist (vgl. Roundell (1974: 20f.))); 1832-33 erreicht Boys seine künstlerische Fülle; ab 1833 verstärkte Arbeit mit Lithographien; 1837 Rückkehr nach England um von den Arbeiten David Roberts‘ und Clarkson Stanfield Lithographien herzustellen; 1837-39 Arbeiten für „Picturesque Architecture“ (u.U. verbunden mit Reisen nach Kontinentaleuropa); in den 1830ern und 1840ern war Boys als Lithograph und Aquarellist in hohem Ansehen; 1842 Veröffentlichung von „Original Views of London as it is“ (mit Arbeiten von Boys); 1840 erster gewählter Associate der „New Water-colour Society“; 1841 zum Vollmitglied ernannt; es folgten zahlreiche Ausstellungen bei der New Water-colour Society; in den 1840ern und 1850ern plagten Boys finanzielle Nöte (bezeichnend ist, dass er aufgrunddessen 1850 ein Aquarell von Bonington („The Corso Sant Anastasia and the Palazzo Maffei, Verona“) bei Sothebys einliefern musste); seine Aquarelle fanden nicht genügend Abnehmer, so dass er auf seine Tätigkeit als Lithograph und Radierer angewiesen war; 1851-53 illustrierte er „The Stones of Venice“ von John Ruskin;

Literatur
HARGRAVES, Matthew (2007) (Hrsg.): Great British Watercolors: From the Paul Mellon Collection; Yale University Press; S.170
ROUNDELL, James (1974): Thomas Shotter Boys 1803-1874; Octopus Books; London
SMART, Alastair (1974): Introduction, in: Thomas Shotter Boys – Centenary Exhibition [Nottingham University Art Gallery & Thos. Agnew and Sons Ltd., London]; S.7-29