L E O N H A R D   B L U M

 

 

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Selbstbildnis

Öl auf Leinwand; gerahmt [Originalrahmen];
u.r. etwas farbschwach in Rot datiert „1893“

Rahmengrösse: 56,5×62,6cm
Leinwandgrösse: 41,5×47,5cm

u.r. etwas farbschwach in Rot signiert „L. Blum“; verso auf Keilrahmen u.l. in dunkler Tinte (wohl) sign. & lokalisiert „Prof. LBlum / München / Neuburg a.I.“; weiterhin darunter von der Bediensteten bez. „geboren 7.III.1856 [sic] – 12.8.33 / Selbstbildnis / er war Kunstmaler / Bei dieser Herrschaft war ich 10 Jahre in Dienst / Fanni Bremm-[unleserl.]“; hierzu etwas oberhalb in dunkler Tinte (von Hand des Künstlers?) bez. „in Schloß Neuburg 1922-1933“ (was sich wohl auf die Dienstzeit der Bediensteten bezieht); am unteren Keilrahmenelement links in Blei nochmals bez./sign. „Blum“
verso auf Keilrahmen u.l. von der Bediensteten Fanni Bremm-[unleserl.] bezeichnet: Selbstbildnis

€ 3.400,-

 

 

Zustand
leicht beschmutzt; partiell leichte Retuschen; leichte Craquelé-Bildung; Leinwand im rechten oberen Bereich (etwa in Höhe der Augen), sowie u.l. (etwa auf Höhe des Kragens) mit leichter Druckstelle; Rahmen mit z.T. stärkeren Gebrauchsspuren (berieben, Ecken/Kanten etwas bestoßen, Abplatzer)

Provenienz
(laut rückseitiger Bezeichnung) vom Künstler (als Geschenk?) an die Bedienstete Fanni Bremm-[unleserl.]

 

 

Der erst verhältnismäßig spät zum Malersein gekommene Leonhard Blum war zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein bekannter und geschätzter Portrait- und Bildnismaler. Insbesondere in der Münchener Region machte er sich einen Namen, jedoch erlangte er auch durchaus überregionale Bekanntheit, wie bspw. die Teilnahme an der ‚Grossen Berliner Kunstausstellung‘ 1914 zeigt. Beinahe unbegreiflich erscheint es, dass der künstlerisch und auch gesellschaftlich so tätige Leonhard Blum nach seinem Tod in eine arge Vergessenheit geriet. Nur dadurch lässt sich erklären, dass Wilhelm Lux zu seinem sehr dankenswerten Artikel (die stets noch ausführlichste Abhandlung über Blum!) zum Künstler kein Foto bzw. Portrait von diesem vorlag, so dass er ein abgebildetes Gemälde mit dem Portrait eines sitzenden Mannes als ein mögliches Selbstbildnis ansah (vgl. Wilhelm Lux (1985): Leonhard Blum – ein bedeutender Porträtmaler aus Gunzenhausen, in: Verein für Heimatkunde Gunzenhausen (Hrsg.): Alt-Gunzenhausen. Beiträge zur Geschichte der Stadt und Umgebung (Heft 41); S. 62-65 [hier Abb. auf S. 63]). Das vorliegende Gemälde, welches laut rückseitiger Bezeichnung aus dem Besitz des Künstlers an die Bedienstete Fanni überging, stellt dahingehend ein Novum dar. Es zeigt den Künstler zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn. – 1893 beschloss er sich dauerhaft in München als freischaffender Künstler niederzulassen. Seine Raffinesse und sein Können im Bildnismalen zeigten sich bereits hier – ein gekonntes Lichtspiel, sowie eine beinahe psychologisierende Ausarbeitung der eigenen Gesichtszüge!

 

 

Zu Leonhard Blum (07.03.1857 Gunzenhausen – 12.08.1933 Schloss Neuburg am Inn):
Architekt, Maler; Sohn von Conrad Blum (Steinhauer) und dessen Frau Margarethe, geb. Funk; dem Wunsch seines Vaters entsprechend lernte er Architektur und kam wohl über seinen Paten, Zimmermeister und Magistratsrat Leonhard Schlennert, in das Baufach; erst mit 33 Jahren wechselte Blum zur Malerei; 1889 Umzug nach München, dort Unterricht in der privaten Malschule von Simon Holósy; Studienreisen; ab 1893 dauerhaft in München ansässig (Atelier in der Gabelsbergerstraße 77a/III); es entstanden vornehmlich Portraits; ab 1902 fast alljährlich bei den Glaspalast-Ausstellungen vertreten; 1911 Wahl zum Vorsitzenden des Künstler-Unterstützungsvereins (dieses Amt hatte er bis zu seinem Tod inne); 1922 Leiter des auf Schloss Neuburg am Inn vom Künstler-Unterstützungsverein eingerichteten Künstlererholungsheims; Mitglied der Münchner Künstlergenossenschaft

Literatur
LUDWIG, Horst (1986): Kunst, Geld und Politik um 1900 in München. Formen und Ziele der Kunstfinanzierung und Kunstpolitik während der Prinzregenten-Ära (1886-1912); Berlin; Gebr. Mann; S. 318
LUX, Wilhelm (1985): Leonhard Blum – ein bedeutender Porträtmaler aus Gunzenhausen, in: Verein für Heimatkunde Gunzenhausen (Hrsg.): Alt-Gunzenhausen. Beiträge zur Geschichte der Stadt und Umgebung (Heft 41); S. 62-65
SINGER, Hans Wolfgang (Hrsg.) (1922): Allgemeines Künstler-Lexikon; Rütten & Loening; Frankfurt a.M.; S. 29