J O H A N N E S   H A N N O T
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JOHANNES-HANNOT-Grossbild

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johannes-hannot

 

Stillleben mit verschiedenen Früchten, einem Kelch, einer Koffertruhe, Blättern und weiterem auf einem Tisch.

Das Gemälde ist in der Datenbank des „Rijksbureau voor Kunsthistorische Documentatie (RKD)“ (Den Haag) unter der Nummer 1001091485 registriert.

Öl auf Leinwand; doubliert; Keilrahmen; gerahmt [Rahmung spätestens seit 1962; da sich hier u.a. Lempertz-Nummerierung findet];
nach Einschätzung von Herrn Fred G. Meijer (RKD) entstanden in den 1670er Jahren

€ 22.000,-

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Weitere Bilder des Stilllebens von Johannes Hannot (zugeschrieben)

 

Rahmengrösse: 82,4×95,5cm
Leinwandgrösse: 66,5×79,8cm

u.r. auf der Tischplatte bez. „JDH“ bzw. „IDH“

Zustand
Leinwand doubliert; im Bereich o.l. und u.r. oberflächlich etwas berieben; im Bereich u.l. leichte oberflächliche Beschädigung (partiell später sichtbar bearbeitet); Ränder rahmungsbedingt etwas berieben; Herr Meijer nimmt an, dass das Gemälde beschnitten wurde und genuin ein Hochformat war (eine mögliche Beschneidung müsste vor 1887 erfolgt sein, da hier bereits die vorliegenden Maße dokumentiert sind); Rahmen mit leichten Gebrauchsspuren (etwas berieben, minimale Abplatzer)

Ausstellungen
15. Mai – 6. Juni 1887, „Ausstellung von Gemälden aus Privatbesitz“, Stadttheater Mainz, Nr. 89 (Katalog: „Verzeichniss der im Stadttheater zu Mainz ausgestellten Bilder aus Mainzer Privatbesitz“; Mainz; Gottsleben) [als Jan Davidszoon de Heem]

Provenienz
1) [spätestens 1887] Sammlung des Geheimen Kommerzienrates Stephan Carl Michel (09.06.1839 Mainz – 30.03.1906 ebd.)
Stephan Carl Michel war Lederindustrieller in Mainz (Teilhaber der Lederfabrik Mayer, Michel und Deninger) und in diesem Kontext auch Vorsitzender der Lederindustrie-Berufsgenossenschaft. Zudem war er Präsident der Handelskammer, passionierter Kunstsammler, sowie Mitglied des Mainzer Stadtrats.
2) 27.02.1917, Rudolph Lepke, Berlin, Auktion „Sammlung des Verstorbenen Herrn Geheimen Kommerzienrat Stefan Carl Michel, Mainz“ (Versteigerungskatalog 1775), Los 9 (Abb. Tafel 33) [als Jan Davidszoon de Heem, hierzu verso mittig auf Keilrahmen mit weißer Kreide nummer. „9“], verkauft für 6.000,- Reichsmark
3) 17. Mai 1962, Lempertz, Köln, Auktion [„Alte Kunst“, Katalog 468], Los 84 (Abb. Tafel 44) [als Jan Davidszoon de Heem, hierzu verso am Rahmen rechts mittig mit weißer Kreide nummer. „84“]

 

 

Fred G. Meijer (RKD, Den Haag) hat das Gemälde im Original begutachtet und die vormalige, auf Basis von Fotos/Abbildungen getätigte Zuschreibung an Johannes Hannot (1633-1684) bestätigt. Hierzu liegt eine schriftliche Beurteilung von Herrn Meijer vor.

 

 

Das niederländische ‚Goldene Zeitalter‘ (Gouden Eeuw) lässt sich ohne näher in historische Details zu gehen, und immer mit dem Gedanken, dass sich kulturelle Strömungen und Entwicklungen niemals anhand chronologischer Daten exakt abtrennen lassen, in die Zeit von 1600 bis 1700 verorten. Auf wirtschaftlichem, wissenschaftlichem und auch kulturellem Gebiet setzte eine Blüte in bis dato unbekannten Ausmaßen ein. Eine Vielzahl an Malern erschuf eine noch größere Zahl an Kunstwerken.
Die niederländische Stilllebenmalerei dieser Zeit erreichte ein qualitativ hohes Niveau, um nicht zu sagen: eine Brillanz, die in späteren Zeiten ihresgleichen nicht mehr fand. Zeitlos faszinierend erscheint insbesondere die Darstellungsweise, die darauf abzielt im Gemalten einen Moment der Wirklichkeit, der Realität einzufangen. Auf den Betrachter kann dies als eine irritierend verblüffende Augentäuschung wirken, wenn man beispielsweise durch malerisch Dargestelltes schon den Reiz verspürt die Hand danach auszustrecken, um es zu ergreifen. Interessant wird dieser Aspekt, wenn man an prunkvolle, überschwänglich ausstaffierte Stillleben mit wertvollen Tellern, Pokalen in Gold und Silber, exotischen Früchten und weiterem denkt. Hierzu schreibt Wouter Kerk: „Die Darstellung ist ähnlich schön wie der wirkliche Gegenstand, oder vielleicht noch schöner, denn mit Farbe wird eine Wirklichkeit erzeugt, die der Künstler so schön gestalten kann wie er möchte. Hierbei spielt das Spannungsfeld zwischen unserem Wissen und unseren Erwartungen eine interessante Rolle: wir wissen, dass es prächtig ausgeführt und nicht echt ist, weil wir die jeweiligen Gegenstände kennen und demnach vergleichen können. Das gilt natürlich für die gewöhnlichen Objekte, wie einen Kerzenleuchter aus Keramik, oder einen Apfel. Aber wie sieht es aus mit Sachen, die wir nicht kennen? […] [Die] Meister des Stilllebens haben gerne Gebrauch gemacht von dem reichhaltigen Angebot an Gegenständen und mit ihren Künsten wollen sie uns einen Augenblick in dem Glauben lassen, dass wir wirklich eine solch glanzvoll gedeckte Tafel oder schlichte Trauben vor uns sehen“ (Wouter Kerk (1999): De betovering van het stilleven, in: Alan Chong / Wouter Kerk (Hrsg.): Het Nederlandse Stilleven 1550-1720; Waanders; Zwolle; S. 39-49 (hier: 40) [Niederländisch im Orig.]).
Das vorliegende, an Johannes Hannot zugeschriebene Werk wird von Fred G. Meijer in die 1670er Jahre datiert. Die eigenen Talente weiter auszubilden und zu perfektionieren war ein Ideal der damaligen Künstler, dies nicht zuletzt deswegen, um sich von der zahlreich vorhandenen Konkurrenz abzusetzen. Der Künstler dieses Stilllebens präsentiert eine reiche, auf einem Tisch angeordnete Früchtetafel. Ein Tuch und ein Teller sind dezent in die Szenerie eingefügt. Hinter den Früchten erkennt man eine Koffertruhe, ein Weinglas, Blätterwerk, sowie auf der Truhe stehend einen Pokal, aufgrund dessen nur angeschnittener Darstellungsweise Fred G. Meijer eine genuine Ausführung im Hochformat annimmt. Nota bene: die gegenwärtigen Maße sind bereits bei der Ausstellung in Mainz 1887 dokumentiert. Rote und grüne Trauben und Pflaumen sind zusammen präsentiert mit den damals eher rar bzw. schwer erhältlichen Granatäpfeln und Orangen, was an die obigen Ausführungen von Kerk Wouters denken lässt.
Insbesondere das Blätterwerk, aber auch die Trauben erscheinen bestechend räumlich dargestellt. Ein warmes Abendlicht scheint sich auf ihnen zu brechen und suggeriert so dem Betrachter eine wunderschöne Plastizität, welche die meisterliche Ausführung unterstreicht und auch heute, nach nun mehr als 300 Jahren, nichts von ihrer ergreifenden Faszination verloren hat.

 

 

Zu Johannes Hannot ([vor 16.08.1633] Leiden – 1684):
Maler, v.a. von Stillleben, Weinhändler; Sohn des Schneiders Michiel Hanoth und dessen Ehefrau Elysabeth Weysens; über Jugendzeit und Ausbildung ist nichts bekannt; 16.08.1633 getauft; Stilllebenmaler; 1650 Eintritt in die Malergilde in Leiden, wobei er einige Male die Funktion des Hauptmanns (1663-64, 1667, 1675-77, 1683-84) und des Dekans bekleidete; 1654 war Hannot möglicherweise im Atelier von Jan Davidsz. de Heem tätig, wofür es jedoch keinen Nachweis gibt; denkbar wäre auch eine Beeinflussung von Pieter de Ring, dem sich Hannot im Späteren stärker annähert, doch auch hierfür fehlen Belege; ab dem 18. Sept. 1665 vermietete Hannot ein vorderes Zimmer an Johan de Bye, Mäzen und Förderer von Gerard Dou, so dass dieser Werke Dous dort ausstellen konnte (Hannot wohnte damals in der Breestraat, gegenüber des Leidener Rathauses); war zudem als erfolgreicher Weinhändler tätig und hatte in diesem Zusammenhang mehrmals das Amt des Hauptmanns und des Dekans in der Weinhändlergilde inne; am 25.11.1684 wurde Hannot begraben; auf vielen Stillleben wurde die Signatur Hannots mit der von De Heem übermalt bzw. zu dieser umgearbeitet; erst im späten 20. Jhd. Wurden mehr Werke Hannots bekannt und ihm zugeschrieben; Werke Hannots befinden sich u.a. im Rijksmuseum Amsterdam, im Rheinischen Landesmuseum, in der Museumslandschaft Hessen Kassel, im Ashmolean Museum (Oxford), im Museum of Art (Toledo, Ohio), im Kunsthaus Zürich

Literatur
Staatliche Museen Kassel (1996): Gesamtkatalog. Gemäldegalerie Alte Meister (Textband); Phillip von Zabern; Mainz; S. 140
BERGER-HOCHSTRASSER, Julie (2011): Still Life, in: MULLER, Sheila D. (Hrsg.): Dutch Art. An Encyclopedia; Routledge; S. 365-367 [hier: 366] BERNT, Walther (1969): Die niederländischen Maler des 17. Jahrhunderts
MARTIN, Wilhelm (1902): Gerard Dou; George Bell and Sons; London; S. 66
MEIJER, Fred G.: Hannot, Johannes, in: „Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, Onlineversion, Künstler-ID: 00079176
Internetseite des „Rijksbureau voor Kunsthistorische Documentatie (RKD)“ [rkd.nl]