G I R O L A M O   I S E P P I

 

 

Girolamo Iseppi

 

Zwei Frauen in Landschaft vor einer Stadt

schwarze Kreide auf Bütten (angeschnittenes Wasserzeichen am linken Rand; oben, rechts, unten Goldschnitt), verso am oberen Rand durch zwei Klebestreifen in Passepartout gesetzt
u.l. in dunkler Tinte datiert „1779“

€ 550,-

 

 

 

                        

 

Passepartoutgrösse: 35,1x28cm
Blattgrösse: 21,3×15,1cm
Grösse des Passepartoutausschnitts: 20,7×14,3cm

u.l. (wohl) signiert in dunkler Tinte „Girolamo Iseppi Ing.“
nicht betitelt, am unteren Rand in dunkler Tinte zwei Verse aus Dantes „Göttlicher Komödie“ (Fegefeuer, 11. Gesang, Verse 91f.): „O vana gloria delle humane posse / Com pocho verde in su la cima dura“ (‚O eitler Ruhm des menschlichen Vermögens / Wie kurz das Grün an deinem Wipfel dauert‘)

Zustand
Blatt am oberen Rand durch zwei Klebestreifen in Passepartout gesetzt; recto in Ecke o.r. von fremder Hand in dunkler Tinte nummer. „13“, sowie verso o.l. ebenso nummer. „14“; in den Randbereichen mitunter leicht gebräunt; verso etwas fleckig

Provenienz
1) Theophil Friedrich Jakob Künhans (1727 Wernigerode – April 1786)
2) 06. Dezember 2012, Christie´s, South Kensington, Auktion [Old Master & Early British Drawings & Watercolours (Sale 7893)], Los 80 [zusammen mit einer Zeichnung von Giovanni Battista Tosolini]

 

 

Zu Theophil Friedrich Jakob Künhans (1727 Wernigerode – April 1786):
Sohn eines Pastors; Schulbesuch in Erfurt mit anschließendem Theologiestudium; in der Folgezeit als Gesellschafter ansässig in der Schweiz und in Italien; vom 01. Juni 1756 bis zum Mai 1760 war er im Hause des Kaufmanns, Sammlers und Mäzens Sigismund Streit (13.04.1687 Berlin – 20.12.1775 Padua) in Padua ansässig und tätig; ab etwa 1773 ist sein Aufenthalt in Venedig belegt, wo er als Sekretär des britischen Diplomaten John Strange (1732–1799) tätig war; um etwa 1779 bis zu seinem Tod sammelte er Zeichnungen venezianischer Künstler, Wissenschaftler und Freunde, die ihm die Zeichnungen wohl als Freundschaftsgeschenke widmeten; in Künhans Besitz befand sich auch Sigismund Streits Stammbuch mit Eintragungen aus dessen Freundeskreis, und er verwendete dieses Stammbuch weiter während seines Venedig-Aufenthalts und ließ Freunde und Bekannte sich eintragen (frühester Eintrag wohl vom 18.04.1782), neben Gelehrten und Adligen finden sich Einträge von den „hervorragendsten der italienischen Juden des 18. Jahrhunderts“ (Lanckoronska 1931: 268) (u.a. Rabbi Aboab, Rabbi Jacob ben David Pardo (aus Ragusa, Spalato), Rabbi Simcha ben Abraham Calimani); er trug eine Sammlung seltener Bibeln, theologischer Kommentare und orientalischer Manuskripte zusammen, die er der Bibliothek des Evangelischen Ministeriums in Erfurt vermachte

Literatur
KRAUSE, Friedhilde et al. (Hrsg.) (1998): Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland [Bd. 19, Thüringen A-G]; Georg Olms; Hildesheim; S. 208
LANCKORONSKA, Maria (1931): Hebraica aus Stammbüchern des 18. Jahrhunderts, in: Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland; 3. Jg. (Heft 4); Philo Verlag; Berlin; S. 263-269 [hier: 268-269] PETZHOLDT, Julius (Hrsg.) (1853): Handbuch deutscher Bibliotheken; H.W. Schmidt; Halle; S. 117

 

 

Zu Girolamo Iseppi (Lebensdaten unbek.):
(wohl) Ingenieur, Naturwissenschaftler; 1788 erschien seine Publikation „Analisi di alcune acque de Portugallo“ (Venedig), was eine der damals wenigen Schriften zu den Heilquellen Portugals darstellt; um 1817 Lehrtätigkeit an der Universität in Vicenza —

Literatur
CALLISEN, Adolph Carl Peter (1832): Medicinisches Schriftsteller-Lexicon der jetzt lebende Aertze, Wundärzte, Geburtshelfer, Apotheker, und Naturforscher aller gebildeten Völker [Zehnter Band]; Königl. Taubstummen-Institut; Kopenhagen; S. 24
HARLESS, Chr. Fr. (1846): Die Heilquellen und Kurbäder Griechenland und seiner Inseln, der Europäischen Türkei, West-Asiens, […]; Albert Nauck; Berlin; S. 22