E M I L   B E U T I N G E R

 

 

emil-beutinger
„Entwurf / zum [?] Schloss [?] Öhringen / Thür gegen den Flur / in Ausführung begriffen / [?]“

Tuschfeder, grau laviert; auf festerem sandfarbenem Karton
u.r. in Blei datiert „1899“

Kartongrösse: 35,9×52,9cm

u.r. etwas farbschwacher violetter Stempel „E. Beutinger / Atelier für Architektur / u. Kunstgewerbe / Darmstadt“, darüber in Blei sign. & dat. „Entw. E. Beutinger 1899“; sowie o.l. nochmals Stempel in Violett „E. Beutinger / Architekt“

€ 160,-

 

 

 

 

          

 

Zustand
am oberen Rand (gewollte?) durchgehende horizontale Knickspur (an den Rändern hier kleine Einrisse); Ränder durchgehend nachgedunkelt und fleckig; Ecken/Kanten bestoßen; verso v.a oben und links fleckig

 

 

Die vorliegende Entwurfszeichnung von Emil Beutinger entstand zu einer Zeit als der spätere Heilbronner Oberbürgermeister sein Architekturstudium bereits abgeschlossen hatte und als Architekt freischaffend tätig war. Auch seine Tätigkeit bei Otto Rieth (Berlin) dürfte bereits – wenn auch noch nicht sehr lange – hinter ihm liegen, gibt doch der Stempel deutlich Darmstadt als Lokalisierung an. Beutinger erhielt insbesondere Aufträge für Neu-, Umbauten in der Heilbronner Gegend und auch das vorliegende Blatt verweist auf einen solchen Auftrag aus Öhringen. Ob es schlicht bei diesem Entwurf blieb, oder ob es auch zu einer praktischen Umsetzung kam ist nicht bekannt. Verhältnismäßig frühes künstlerisches bzw. zeichnerisches Zeugnis des damals 24jährigen Emil Beutinger!

 

 

Zu Emil Beutinger (09.08.1875 Heilbronn – 19.10.1957 ebd.):
Architekt, Maler, Politiker; der Vater war Graveur bei der Firma P. Bruckmann & Söhne (Heilbronn); Steinmetzlehre; Architekturstudium an der Baugewerbe- und Kunstschule Stuttgart, an der Technischen Hochschule Darmstadt; im Anschluss daran u.a. in Berlin tätig bei dem Architekten Otto Rieth; danach Tätigkeit als Lehrer und stellvertretender Direktor an der Gewerbeschule Darmstadt und Hauptlehrer an der Großherzoglichen Landesbaugewerkschule; im Späteren Assistenztätigkeit an der Technischen Hochschule Darmstadt und darauf Professor des Lehrstuhls für bürgerliche Baukunst; 1905 entstand in Zusammenarbeit mit dem Architekten Adolf Steiner das Krematorium auf dem Hauptfriedhof in Heilbronn, welches zu den ersten eigenen Bauten Beutingers zählt; Beutinger und Steiner hatten Architekturbüros in Heilbronn und Darmstadt; in den folgenden Jahren bauten sie mehrere Gebäude in und um Heilbronn (u.a. 1907-08 Villa Pfleiderer in Heilbronn, 1911 das Gebäude für das Portland-Zementwerk in Lauffen am Neckar, 1912 das Nettel-Kamerawerk in Sontheim); 1911 Berufung als Professor an die Kunstgewerbeschule Wiesbaden; 1913-21 Direktor der Kunstgewerbeschule Wiesbaden; 1921 wurde er als parteiloser Kandidat (mit Unterstützung der SPD) zum Oberbürgermeister von Heilbronn gewählt; 1933 wurde Beutinger seines Amtes enthoben; am 26.07.1933 wurde er gegen seinen Willen in den Ruhestand versetzt; 13. April 1945 setzte die US-Militärregierung Beutinger wieder als Oberbürgermeister und zusätzlich noch als Landrat ein; 01.10.1946 ging Beutinger als Oberbürgermeister in den Ruhestand; 1955 Ernennung zum Ehrenbürger von Heilbronn; Beutinger war Gründer und langjähriger Herausgeber der Zeitschrift „Industriebau“

Literatur
COLSMAN, Edla (1999): Möbel : Gotik bis Jugendstil [Kataloge des Museums für Angewandte Kunst Köln, Bd. 12]; Arnold; Stuttgart; S. 493
SCHRENK, Christhard (2008): Heilbronn nach dem Krieg – wie Phönix aus der Asche, in: MOERSCH, Karl / WEBER, Reinhold (Hrsg.): Die Zeit nach dem Krieg: Städte im Wiederaufbau; Kohlhammer; Stuttgart; S. 158-179 [hier: 162];
WINTER, Henning (2001):Die Architektur der Krematorien im Deutschen Reich, 1878-1918; J.H. Röll; Dettelbach; S. 237
Internetseite des Stadtarchivs Heilbronn [stadtgeschichte-heilbronn.de]