C. D.   F R A N Q U E T

 

Zur Motivseite ‚Stillleben‘
Zum Themenflyer ‚Stillleben – lebendige Stille‘

C.D. Franquet

 

Früchtestillleben auf einem Tisch

Öl auf Leinwand (verso mittig gestempelt „W. Koller & Cie. in Wien / Silberne Medaille“), Keilrahmen, gerahmt [Originalrahmen];
u.l. in Schwarz datiert „[1]862“

Rahmengrösse: 71×84,5cm
Leinwandgrösse: 63×76,5cm

u.l. in Schwarz signiert „C.D. Franquet“
nicht betitelt

€ 3.300,-

Kaufanfrage

 

Zustand
partiell leicht fleckig; Rahmen mit wenigen Gebrauchsspuren (mitunter etwas berieben und etwas fleckig)

Provenienz
Arthur von Franquet (1854 Braunschweig – 1931 ebd.) [hierzu auf dem Keilrahmen o.l. und o.r., sowie verso auf dem Rahmen u.l. und u.r. Sammlungsstempel (Brandstempel „Gallerie / Arthur / v. Franquet“ mit Braunschweiger Löwen und Krone)]

 

 

Inschrift am Keilrahmen verso links (wohl vom Künstler):
„Zur Beurteilung des Bildes die Bemerkung, daß die Tischplatte des Modells nicht aus Marmor,/ sondern aus Marmor vermaltem Holz war. [unleserl.]“
Sowie links davon von derselben Hand in Rot: „Anch io sono pittore!“

 

 

                                               

 

 

Die Nähe zu altmeisterlichen Vorbildern ist bei dem vorliegenden Stillleben durchaus deutlich zu erkennen und soll wohl auch keinesfalls verdeckt sein. Auf einer gräulichen Tischplatte, die, wie wir einer rückseitigen Beschriftung entnehmen, „nicht aus Marmor,/ sondern aus Marmor vermaltem Holz war“, ist ein reichhaltiges Früchtestillleben arrangiert. Eine Melone bildet ihrer Größe und mittigen Lage wegen das Zentrum, um welches sich dann Pfirsiche, Birnen, Pflaumen, Nüsse und Weintrauben anordnen.
Es sind dabei insbesondere die Trauben, welche durch eine überaus feine, realistische Malweise das Auge fesseln und eine Räumlichkeit und Tiefe vermitteln. Man mag dabei unweigerlich an die häufig rezitierte Legende denken, wonach der antike Maler Zeuxis es verstand Weintrauben so exakt künstlerisch abzubilden, dass selbst die Vögel versuchten diese aufzupicken. Ohne die hier gezeigten Trauben von Franquet in eine solche Traditionslinie stellen zu wollen, zeigt diese Überlieferung doch die Bedeutung welche explizit den Weintrauben im Stillleben seitens des Malers aber auch des Betrachters zukam. Franquet gelingt diese scheinbare Plastizität durch die Lichtspiegelungen auf den runden Oberflächen. Als ein kleiner weißer Punkt zeigt sich der Lichtkegel um den herum das Auge des Betrachters dann ganz von selbst die Rundung der Traube vollzieht. Und gerade die links angeordneten, bräunlichen Trauben wirken durch dieses Lichtspiel kühl, frisch und als zum Verzehr bestens geeignet. Diese Bedeutung der Trauben wird durch das einzelne Weinrebenblatt auf dem Tisch, ebenso wie durch die im oberen Bereich in das Bild hängende Weinrebe nochmals unterstrichen.
Aufgrund der engen Beziehungen von sowohl Künstler, als auch Vorbesitzer (Arthur von Franquet) zu Graz, ist anzunehmen, dass verwandtschaftliche Beziehungen zwischen Beiden bestanden. Möglicherweise gelangte das Früchtestillleben hierdurch in diese bedeutende Braunschweiger Sammlung.

 

 

Zu Arthur von Franquet (1854 Braunschweig – 1931 ebd.):
Paul Friedrich Arthur von Franquet ist der Sohn von Friedrich F. (18.11.1821 Graz – 16.07.1867 Braunschweig) und der Neffe von Carl Ludwig F. (04.05.1817 Graz – 28.07.1871 Braunschweig). 1845 wurden die zu dem Zeitpunkt verwaisten Friedrich, Carl Ludwig zusammen mit einem weiteren Geschwisterteil von deren Onkel Carl Friedrich F. (27.05.1783 Meiningen – 22.08.1851 Braunschweig), Pflegekind des Zichorienkaffeefabrikanten Ludwig Otto Bleibtreu (1752–1820), aufgenommen. Durch diese Verbindung stellte sich auch der Wohlstand der Familie ein, wodurch es Arthur von Franquet erlaubt war eine überaus respektable Kunstsammlung aufzubauen.
Bereits sein Großonkel Carl Friedrich (1783-1851) hatte Kunst und Antiquitäten gesammelt und konnte seinem Großneffen neben jenen Objekten, welche er erwarb, auch Gegenstände aus der Sammlung Ludwig Otto Bleibtreus als Erbe hinterlassen.
Zusammen mit seinem Bruder Eugen (1858-1925) war Arthur von Franquet ein früher Sammler und Förderer Edvard Munchs, mit dem ihn auch eine Freundschaft verband, welche sich in einer langjährigen Korrespondenz zeigte. Neben anderen Werken besaß Arthur von Franquet auch eine, wohl von ihm selbst bei Munch in Auftrag gegebene, Fassung des „Schreis“ (‚Das Geschrei‘, 1895). Um 1926 erwarb Hugo Simon (1854-1950) diese Pastellarbeit direkt von Franquet. Nach mehr als 70 Jahren wurde die Arbeit aus norwegischem Privatbesitz im Mai 2012 bei Sotheby´s in New York versteigert und dort von Leon Black erstanden.
Das Wohn- und Geschäftshaus, in dem Arthur von Franquet bis zu seinem Tod auch lebte, lag am Steinweg 4 in Braunschweig.
Als Sammlungsstempel verwendete Arthur von Franquet einen Brandstempel, der den Braunschweiger Löwen, eine Krone, sowie den Schriftzug „Gallerie Arthur v. Franquet“ aufweist.

 

 

Zu C.D. Franquet (19. Jhd.):
Über den Maler C.D. Franquet ist wenig bekannt. Er stammt wohl aus Graz und war dort auch tätig. So wird er im „74. Jahresbericht des steiermärkisch-landschaftlichen Joanneums zu Graz“ von 1886 explizit als ‚grätzer Maler‘ bezeichnet. Anhand der Datierungen auf Gemälden ist eine Tätigkeit für den Zeitraum von 1855-63 nachzuweisen. Im Universalmuseum Joanneum (Graz) befindet sich das Gemäldepaar mit den Porträts der Eltern des Künstlers (datiert auf 1858 und 1863, Inv.-Nr. I/909 und I/910). Daneben malte er Stillleben und wohl auch Landschaften.
Da Teile der Familie Franquet aus Graz stammen, ist es wahrscheinlich, dass es sich bei C.D. Franquet um einen Verwandten von Arthur von Franquet (1854 Braunschweig – 1931 ebd.) handelt. So wurde dessen Vater Friedrich F. (18.11.1821 Graz – 16.07.1867 Braunschweig), wie auch dessen Onkel Carl Ludwig F. (04.05.1817 Graz – 28.07.1871 Braunschweig) in Graz geboren. 1845 wurden die zu dem Zeitpunkt verwaisten Friedrich, Carl Ludwig zusammen mit einem weiteren Geschwisterteil von deren Onkel Carl Friedrich F. (27.05.1783 Meiningen – 22.08.1851 Braunschweig), Pflegekind des Zichorienkaffeefabrikanten Ludwig Otto Bleibtreu (1752–1820), aufgenommen.

Literatur / Quellen
Allgemeines Künstlerlexikon (AKL) (Bd. 44); K.G. Saur; München – Leipzig; 2005; S. 121
Allgemeines Künstlerlexikon (AKL) – Online, Künstler-ID: 40199021
74. Jahresbericht des steiermärkisch-landschaftlichen Joanneums zu Graz über das Jahr 1885; Graz; 1886; S. 13
Skreiner, Wilfried (Hrsg.) (1988): Gesamtkatalog der Gemälde; Gesellschaft der Freunde der Neuen Galerie; Graz; S. 186
Kirchenbuch St. Katharinen (Braunschweig), G III 1: 98; S. 110, 211