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Weitere Werke von Wolfgang von Websky

 

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Sitzende junge Frau nach rechts

Tuschfeder auf Transparentpapier
nicht datiert, wohl um 1955-60

Blattgrösse: 20,5×28,2cm

u.r. in Blei monogrammiert „WvW“
nicht betitelt

€ 540,-

 

 

 

 

       

 

Zustand
oberer Blattrand mit leichten Abrissspuren; im Bereich o.l. etwas farbfleckig (wohl Tusche), sowie am rechten Rand oben und im linken Randbereich unten leicht farbfleckig; Ecke u.l. minimal bestoßen; Ecke o.l. mit leichter Knickspur; im rechten Bereich mittig schwach fleckig

 

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Wolfgang von Websky erst 1950 aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassen und ließ sich mit seiner Familie anfangs im oberbayrischen Steingaden nieder. 1952 verzog die Familie weiter nach Wangen im Allgäu, wo der Künstler bis zu seinem Tod ansässig blieb. Erlebnisse, verarbeitete Erinnerungen aus Krieg und Gefangenschaft malte Wolfgang von Websky in den ersten Jahren nach seiner Heimkehr „danach verschwinden diese Gespenster aus der Vergangenheit, er blüht auf, es entstehen die lebhaften und farbstarken Gemälde der 50-er und der 60-er Jahre“ (Michael von Websky (2009): Erinnerungen, in: Muzeum Miejskie Wroclawia (Hrsg.): Wolfgang von Websky (1895-1992) Realnosc i impresja. Realität und Impression; Drukarnia Panda; Wroclaw; S. 8-13 [hier: 10]).
Es sind dabei insbesondere Porträts, Reiseimpressionen und Landschaften, die das folgende Schaffen kennzeichnen und in ihrem Wesen, ihrer Wirkkraft nolens volens doch keine absolute Zäsur zu den vergangenen Erlebnissen darstellen. „Wolfgang von Websky hat selbst oft gesagt, daß die Turbulenzen, die er miterlebt und miterlitten hat, für mehrere Leben ausgereicht hätten“ (Eberhard Günter Schulz (2009): Beherrschtheit als Qualitätsmerkmal von Kunst, in: Muzeum Miejskie Wroclawia (Hrsg.): Wolfgang von Websky (1895-1992) Realnosc i impresja. Realität und Impression; Drukarnia Panda; Wroclaw; S. 43-47 [hier: 44]).
So finden sich nicht zuletzt in den Porträts und den Menschenbildnissen immer wieder Brechungen innerhalb der Darstellungen, die den Betrachter zumindest mit melancholisch nachdenklichen Ahnungen vor dem Werk verweilen lassen. Und explizit zur Darstellung junger, eigentlich doch hoffnungsfroher Menschen bei von Websky schreibt Schulz: „In den Porträts junger Menschen zeigt sich die neue Art des Ausdrucks in der Weise, das der Maler andeutet, wie groß die Gefahren sind, denen der Mensch im Leben ausgeliefert ist. Dies gibt Grund zu einer gewissen Traurigkeit auch angesichts der Blüte oder – besonders bei jungen Mädchen – der Knospenhaftigkeit der Jahre. Ich kenne kein Jugendbildnis von Wolfgang von Websky, das ohne Züge von Melancholie wäre“ (ebd.; S. 45).
Die vorliegende Federzeichnung ist eben ein solches Bildnis eines jungen Menschen. Die junge Frau sitzt scheinbar locker in einem Stuhl, der rechte Arm ist aufgestützt auf einer nicht näher definierten Unterlage. Die Beine weisen über den Bildrand hinaus und sind nahezu nicht ausgeführt. Gebrochen wird diese vordergründig locker gelassene Haltung des Oberkörpers durch die filigrane Ausarbeitung des Kopfes und dabei insbesondere durch die individuellen Gesichtszüge. Den geschlossenen Mund umspielt ein zartes Lächeln, die uns als Betrachter gar nicht registrierenden Augen weisen auf einen fernen Punkt und lassen ein Nachdenken, ein inneres Beratschlagen vermuten. So jung Wolfgang von Websky die Dargestellte hier oberflächlich zeigt, so erwachsen bzw. so lebenserfahren und ernst wirkt sie damit doch durch ihr Wesen.
Brillant herausgearbeitete, expressiv-realistische Komposition!

 

 

Zu Wolfgang von Websky (29.09.1895 Berlin – 12.03.1992 Wangen im Allgäu):
Maler, Zeichner, Grafiker; 1900 Umzug der Familie auf das Familiengut Schwengfeld bei Schweidnitz in Niederschlesien; 1911 Besuche im Atelier von Wilhelm Herberholz in Düsseldorf, der von Webskys Vater porträtierte; 1914 Abitur in Schweidnitz; bei Kriegsbeginn Offiziersanwärter; 1915 Fronteinsatz, schwere Verwundung und zweijähriger Lazarettaufenthalt; Beschäftigung mit Malerei; 1917 Besuch der Kunstakademie Breslau (Porträtklasse von Eduard Kaempffer); 1920 Verabschiedung aus dem Militär wegen dauernder Frontuntauglichkeit; auf Empfehlung von Kaempffer Studium an der privaten Kunstschule von Arthur Wasner in Breslau; 1921 Studium bei Moritz Heymann in München; Freundschaft mit Konrad Kardorff; 1922 erste Einzelausstellung in der Galerie Lichtenberg in Breslau; 1922-23 Besuch der Hochschule für Bildende Künste in Berlin (bei Adolf Strübe, Peter Fischer); 1924 neunmonatige Italienreise; 1925 dreimonatiger Aufenthalt in Paris bei Wilhelm Uhde; 1925-30 Atelier in Berlin und während dieser Zeit auch immer wieder in Schlesien; 1928 erneuter Studienaufenthalt in Paris; 1930 Aufgabe des Berliner Ateliers und vollständiger Umzug auf Gut Schwengfeld; Heirat mit Wita von Nimptsch; Mitglied im „Künstlerbund Schlesien“; 1934-39 Vorsitzender des Künstlerbundes Schlesien; 1936 wird er zu militärischen Übungen abberufen und muss in der Folge dann das Amt als Vorsitzender aufgeben; 1938 Studienreise nach Ägypten und in den Vorderen Orient; 1939 Einberufung als Reserve-Offizier; 1939-45 Kriegsdienst im Westen und Osten; 1945-50 sowjetische Kriegsgefangenschaft; 1950 Neubeginn in Steingaden/Oberbayern; 1952 Umzug der Familie nach Wangen im Allgäu in die dort neu erbaute Siedlung („Am Atzenberg“) für schlesische Künstler; 1955 Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland; 1957 Begegnung und Freundschaft mit Anne von Molo (Ehefrau Walter von Molos); 1961-68 zahlreiche Studienreisen nach Italien, Frankreich; 1969 Schlesischer Kulturpreis; 1972-72 Studienaufenthalte in Portugal an der Algarve; 1978-79 Studien auf Kreta; 1981 Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen; 1982 Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg; 1985 Ehrenprofessur des Landes Baden-Württemberg; 1985 Pro-Arte-Medaille der Künstlergilde Esslingen

Literatur
Muzeum Miejskie Wroclawia (Hrsg.) (2009): Wolfgang von Websky (1895-1992) Realnosc i impresja. Realität und Impression; Drukarnia Panda, Wroclaw
Stiftung Schlesien (Hrsg. ) (1985): Wolfgang von Websky. Zeichnungen [Schriftenreihe der Stiftung Schlesien/Hannover Bd II]; Schertgens; Köln
Freundeskreis Bildende Kunst e.V., Kißlegg (Hrsg.) (1995): Wolfgang von Websky. Ein Maler des Expressiven Realismus; Robert Gessler; Friedrichshafen
JESSEWITSCH, Rolf / SCHNEIDER, Gerhard (Hrsg.) (2008): Entdeckte Moderne; Kettler; Bönen; S. 524
SCHNEIDER, Erich (Hrsg.) (2009): Expressiver Realismus. Die Sammlung Joseph Hierling [Schweinfurter Museumsschriften 166/2009]; Schweinfurt; S. 343
ZIMMERMANN, Rainer (1994): Expressiver Realismus. Malerei der verschollenen Generation; Hirmer; München; S. 459