W L A D I M I R   S A G A L   ( S A G A L O W I T Z )

 

Weitere Schweizer Künstler

 

 

Pferd mit Fuhrwerk

Kaltnadelradierung auf leicht strukturiertem Kupferdruckkarton
nicht datiert, (wohl) um 1950-55

Blattgrösse: 37,7×26,5cm
Bildgrösse: 15,7×11,7cm
Auflage: o.A.

u.r. in Blei signiert & lokalisiert „Sagal / Bretagne“
nicht betitelt, Pferd mit Fuhrwerk, vergleichbar mit der so betitelten Bleistiftzeichnung (Abb. 91 in: Pfankuch / Lüthi (2005): 132)

€ 190,-

Kaufanfrage

 

Zustand
in den Eckbereichen u.l. & o.l., sowie am Blattrand oben braunfleckig; linker, oberer, rechter Blattrand mit leichten Abrissspuren

 

 

„Wladimir Sagal hat auch ein umfangreiches Werk als Radierer geschaffen. Es ist wenig bekannt, aber aus mehreren Gründen für ihn wichtig. Mit den Radierungen will er ein breiteres Publikum ansprechen und als Käufer werben. Hatte er schon die Möglichkeit, durch seine Pressezeichnungen ‚ans Volk‘ zu gelangen, sah er in seinen druckgrafischen Arbeiten eine weitere Möglichkeit dazu. Wir entdecken hier durchaus einen gesellschaftlich-erzieherischen Anspruch. Zum anderen vereint Sagal im Medium Radierung bekannte Qualitäten aus Zeichnung und Malerei zu einer neuen Sprache. Wir entdecken die klare und eigenständige Linienführung seines malerischen Werkes und die reduzierte, aber exakte Sprache seiner Zeichnungen. Sie ergänzen einander in den Radierungen“ (Pfankuch / Lüthi (2005): 166f.).
Das vorliegende, unbetitelte Blatt darf wohl in Kontext gesetzt werden zu der Zeichnung „Pferd mit Fuhrwerk (Jauchefass)“ aus dem Jahr 1951 (Abb. 91 in (Pfankuch / Lüthi (2005)). Die Dreiviertelansicht der Zeichnung wird im vorliegenden Werk fast frontal gesetzt, so dass der Betrachter mehr Zeit und Aufmerksamkeit benötigt, um die einzelnen Konturen des Bildes zu erkennen.
Überaus dichte, spannungsreiche Komposition!

 

 

Zu Wladimir Sagal (Sagalowitz) (18.05.1898 Wizebsk – 31.10.1969 Zürich):
Maler, (Presse-)Zeichner, Grafiker; geboren in wohlhabender, bürgerlicher Familie; sein Vater Hirsch (Gregor) Sagalowitz war Kaufmann und betätigte sich v.a. als Flachsgroßhändler; 1905 flieht die Familie vor Pogromen im Zarenreich nach Deutschland (Wiesbaden); 1914/15 mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs flieht die Familie in die Schweiz; in Zürich beginnt Wladimir zuerst ein Medizinstudium; 1921 erneuter Umzug nach Wiesbaden, die Flucht, die Umzüge, wie auch die Inflation lassen die Familie verarmen; Wladimir Sagal muss sein Medizinstudium aufgeben, um Geld zu verdienen und ist fortan in Berlin ansässig; 1926 Umzug der Eltern nach Frankreich; bis 1933 in Berlin tätig als kaufmännischer Angestellter; gleichzeitig Besuch der Berliner Kunsthochschule; Arbeit als Reklame- und Plakatmaler, Pressezeichner und Porträtist; 1933 Flucht nach Frankreich und Anschluss als Freiwilliger an die franz. Armee; zwischendurch Aufenthalte in der Schweiz; 1937 lernt er bei einem solchen Aufenthalt seine spätere Frau Lucie Aus der Au kennen; ab 1943 Flucht in die Schweiz und ab da an dauerhaft zusammen mit seiner Frau in Zürich; nach zahlreichen Versuchen 1957 Einbürgerung in die Schweiz; in der Schweiz als Pressezeichner u.a. tätig für „Volksrecht“, „Tages-Anzeiger“

Literatur
GISEL-PFANKUCH, Susanne / LÜTHI, Barbara (2005): Gezeichnet. Wladimir Sagal (1898-1969) Flüchtling und Künstler; Zürich:Chronos
Internetseite SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz [sikart.ch];
„Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, Onlineversion, Künstler-ID: 00651525