W A L T E R   G U T B R O D

 

Weitere Werke von Walter Gutbrod

 

 

(wohl) heimkehrende Feldarbeiter bei Lonsingen

Ölfarben auf bräunlichem Packpapier
nicht datiert, (wohl) 1943, hierzu verso u.m. vom damaligen Nachlassverwalter in Blei bez. mit Verweis auf das Tagebuch des Künstlers „vgl. TB 1943, Oktober“, sowie darüber Verwerfung der nachträglichen Datierung des Künstler („Walters Datierung: 30er (unten rechts) sicher falsch“)

verkauft

 

 

 

Titel
verso u.r. vom Künstler in Blei bez. „Lonsingen“, sowie darunter in Blei mit der Werkverzeichnisnummer, wohl) heimkehrende Feldarbeiter bei Lonsingen

Blatt
Blattgrösse: 35,7×45,5cm

Signatur
u.r. in Blei signiert „WGutbrod“, sowie ebenso verso u.r. signiert, sowie verso u.l. Künstlerstempel in Schwarz

Zustand
leichte Druckstellen; unterer Blattrand mit durchgehender horizontal verlaufender Knickspur; die Randbereichen mit kleineren Beschädigungen (kleine Einrisse, Knicke, Bestoßungen); durchgehend leicht fleckig; Ecken etwas bestoßen; Ecke u.r. mit stärkerer Knickspur, sowie minimalem Papierverlust; verso leicht fleckig, sowie verso in den Ecken & am oberen und unteren Rand mittig Reste früherer Befestigung; verso u.r. zwei aufgeklebte Etiketten des damaligen Nachlassverwalters (diese schlagen recto schwach durch)

 

 

„1932 mit dem Examen für das Lehramt als Kunsterzieher von der Stuttgarter Akademie abgegangen, fand sich der junge Mann [d.h. Walter Gutbrod] unversehens im Heer der Arbeitslosen wieder. Er wandte sich nach Nordrhein-Westfalen, wo er eine zeitlich begrenzte Stelle an einer Privatschule in Duisburg fand. Alles andere als begeistert widmete er sich dem Kunstunterricht. Daneben malte er in der niederdeutschen Landschaft Bilder, denen man förmlich ansehen konnte, wie unglücklich und fremd er sich fühlte. Die Gemütslage änderte sich nur wenig, als er wieder nach Württemberg kam. Hier unterrichtete er als Amtsverweser für kurze Zeit am Stuttgarter Katharinenstift, pendelte dann wieder nach Duisburg und gelangte schließlich nach weiteren Stationen 1937 ans Schiller- und Mörickegymnasium in Ludwigsburg, wo er bis 1979 Kunsterzieher blieb. Da er sich mit seiner künstlerischen Diktion während des Regimes der Nationalsozialisten im Rahmen von Naturdarstellungen in fast altmeisterlicher Weise bewegte, wurde er nicht als entartet eingestuft, litt also weder unter Malverbot noch unter dem Mangel von Malmaterialien“ (Barbara Lipps-Kant (2013): Ein reiches Künstlerleben – in Bildern durchmessen, in: Heck, Thomas Leon (Hrsg.): Walter Gutbrod 1908-1998. Malerei und Zeichnung; Dußlingen: Nous-Verlag; S. 7-12 [hier: 9]).
Die vorliegende Arbeit ist in diese Schaffensphase Walter Gutbrods einzuordnen. Der Künstler selbst hat für diese Arbeit retrospektiv eine grobe Datierung in die 1930er Jahre vorgeschlagen, was jedoch vom Nachlassverwalter anhand von damaligen Tagebuchaufzeichnungen Gutbrods verworfen und mit 1943 korrigiert wurde. Folgt man dieser Auffassung, so entstand das Werk zu jener Zeit als der Künstler Duisburg bereits den Rücken kehrte, um in Ludwigsburg heimisch zu werden.
Walter Gutbrods Vater stammte aus Lonsingen – heute ein Ortsteil der Gemeinde St. Johann in der Nähe Reutlingens. Durch diese familiäre Bindung zog es auch im Späteren den Künstler immer wieder dorthin, um die Natur, das dörfliche Leben und die Menschen zeichnerisch und malerisch festzuhalten. Bei der vorliegenden Ansicht befinden wir uns etwas außerhalb des kleinen Ortes, dessen Häuser wir im linken Hintergrund sehen. Vor uns geht eine Gruppe von Menschen, mit Karren und Tier dem Ort entgegen. Vielleicht handelt es sich hierbei um heimkehrende Feldarbeiter? Über der ganzen Szenerie liegt der dunkle warme Klang der Abendsonne, durch den alles einen rötlich violetten Ton erhält. In Kombination mit den schnellen, dezidiert sichtbaren Pinselstrichen, wirkt diese expressiv realistische Ansicht überaus bewegt und in einem gewissen Sinne auch dramatisch.
Sehr schöne, stimmungsreiche Komposition aus dem verhältnismäßig frühen Schaffen Walter Gutbrods!

 

 

Zu Walter Gutbrod (05.07.1908 Stuttgart-Zuffenhausen – 06.06.1998 Ludwigsburg):
Maler, Zeichner, Kunsterzieher; bereits als Jugendlicher erste Mal- und Zeichenversuche; 1927-32 Studium an der Kunstakademie Stuttgart (bei u.a. Hans Spiegel, Robert Breyer, Alex Eckener); 1929 Aufenthalt in Nancy; 1930 Aufenthalt in Paris; 1931 Aufenthalt in Bodman am Bodensee; 1932 Lehramtsprüfung; ab 1932 wohnhaft in Duisburg und dort Lehrtätigkeit an einem privaten Institut; 28.12.1933 standesamtliche Trauung mit Lydia, geb. Siegel (1909-2004) (kirchliche Trauung am 06.01.1934); der Ehe entstammten die Töchter Regine und Linde; 1934 Reisen in die Niederlande, die Eifel und nach Spiekeroog; ab 01.04.1935 Amtsverweser im Katharinenstift Stuttgart; 1937-79 Kunstlehrer am Schiller- und Mörike-Gymnasium in Ludwigsburg; dazwischen kurzzeitige Lehrtätigkeit in Korntal (1940); 1943 Bodenseeaufenthalt; 1962 Frankreichreise; 1966, 1972, 1975, 1976, 1990 Paris-Aufenthalte; 1979 Pensionierung und Intensivierung der künstlerischen Tätigkeit; neben der bildenden Kunst war Gutbrod auch leidenschaftlicher Pianist und spielte auch vor Publikum (durch diese Leidenschaft lässt sich auch sein Künstlersignum mit den drei Noten erklären); zahlreiche Reisen und Studienaufenthalte

AUSSTELLUNGEN (Auswahl)
Einzelausstellungen: 1971 Rathaus Bietigheim-Bissingen, 1978 Landratsamt Ludwigsburg, 1983 Landratsamt Ludwigsburg, 1988 Landratsamt Ludwigsburg, 1997 Buchhandlung Aigner Ludwigsburg, 1999 Stadtmuseum Ludwigsburg, 2000 Kunsthaus Watzel Ludwigsburg, 2002 Zehntscheuer Münsingen, 2005 Kreissparkasse Münsingen, 2008 Landratsamt Ludwigsburg, 2013 Kunsthalle Heck Dusslingen, 2013 Buchhandlung Aigner Ludwigsburg; — Gemeinschaftsausstellungen: 1965 Stuttgarter Sezession Kunstgebäude am Schlossplatz, 1966 Spendhaus Reutlingen, mit Anton Greiner und Johannes Schönert, 1967 Stuttgarter Sezession Kunstgebäude am Schlossplatz, 1973 Haus Baden-Württemberg Bonn

MITGLIEDSCHAFT: Stuttgarter Sezession
ANKÄUFE: Städtisches Museum Ludwigsburg, Landratsamt Ludwigsburg, Staatsgalerie Stuttgart

Literatur
HECK, Thomas Leon (Hrsg.) (2013): Walter Gutbrod 1908-1998. Malerei und Zeichnung; Dußlingen: Nous-Verlag [mit einem Beitrag von Barbara Lipps-Kant] NAGEL, Gert K. (1986): Schwäbisches Künstlerlexikon; Kunst & Antiquitäten; S. 51
TRIER, Dankmar: Gutbrod, Walter, in: „Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, Onlineversion, Künstler-ID: 00400815