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Weitere Werke von Walter Gutbrod
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Ältere Frau an einem Grab

Kreide auf Zeichenpapier
u.l. datiert „17.VIII [19]27“

Grösse: 27,6×20,6cm

verso u.l. Künstlerstempel mit Künstlersignum (drei Noten)
auf beigefügtem Blatt die Werknummer in Blei

€ 240,-

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Zustand
durchgehend leichte Druckstellen; linker Rand mit Abrissspuren; Ecke u.r. mit leichter Knickspur; Ecke o.r. schwach fleckig

 

 

Walter Gutbrod begann bereits in Jugendjahren zu malen und zu zeichnen. So datiert das älteste erhaltene Skizzenbuch auf 1920 und bereits zu dieser frühen Zeit lässt sich durchaus das künstlerische Talent Gutbrods erkennen, wie Barbara Lipps-Kant es am Beispiel eines 1921 entstandenen Aquarells ausführt (Barbara Lipps-Kant (2013): Ein reiches Künstlerleben – in Bildern durchmessen, in: Heck, Thomas Leon (Hrsg.): Walter Gutbrod 1908-1998. Malerei und Zeichnung; Dußlingen: Nous-Verlag; S. 7-12 [hier: 8]). Sein Kunststudium absolvierte er schließlich von 1927 bis 1932 an der Stuttgarter Akademie bei u.a. Hans Spiegel, Robert Breyer, Alex Eckener. Auf Wunsch der Eltern belegte er auch Pädagogikkurse, was im Späteren zu seiner langjährigen Tätigkeit als Kunsterzieher v.a. in Ludwigsburg führte.
Die vorliegende Zeichnung datiert exakt auf den 17. August 1927 und ist damit in die Anfangsphase seiner Studienzeit einzuordnen.
Die schnellen, deutlich sicheren Striche wirken bei dieser werksbiografischen Einordnung umso erstaunlicher. Gutbrod entwirft in expressiv-realistischer Manier eine leicht hügelige Landschaft. Im Hintergrund stehen wenige Bäume, deren Pendant im direkten Vordergrund ein schräg stehendes, bereits beschädigtes hölzernes Grabkreuz ist. Vor diesem steht die hohe, gebeugte Gestalt einer älteren Frau. Der Kopf, das verhärtete Gesicht neigen sich zum Grab, die Arme bleiben mit ihren langen, dürren Fingern dicht am Körper und verweisen damit zugleich auf den mageren Körper der Frau. Durch das zu kurz geratene Kleid, werden zugleich die dünnen Beine wie auch die abgetragenen Arbeitsschuhe sichtbar, was den Eindruck der Armut und des Elends noch verstärkt.
Diese zeichnerisch eingefangene Bedrücktheit unterstreicht Gutbrod noch durch eine überaus subtile, wie zugleich auch raffinierte Weise. Die innerbildliche Rahmensetzung mit ihren dunklen Linien erscheint gerade bei der Person als überaus einengend und bedrängend. Der obere, leicht gewellte Rand vermag sich nach unten zu beugen, um den Kopf der Frau noch weiter zu drücken, so dass der Rücken schon beinahe einen Buckel bildet.
Beeindruckend expressiv realistische Komposition aus dem frühen Schaffen Walter Gutbrods!

 

 

Zu Walter Gutbrod (05.07.1908 Stuttgart-Zuffenhausen – 06.06.1998 Ludwigsburg):
Maler, Zeichner, Kunsterzieher; bereits als Jugendlicher erste Mal- und Zeichenversuche; 1927-32 Studium an der Kunstakademie Stuttgart (bei u.a. Hans Spiegel, Robert Breyer, Alex Eckener); 1929 Aufenthalt in Nancy; 1930 Aufenthalt in Paris; 1931 Aufenthalt in Bodman am Bodensee; 1932 Lehramtsprüfung; ab 1932 wohnhaft in Duisburg und dort Lehrtätigkeit an einem privaten Institut; 28.12.1933 standesamtliche Trauung mit Lydia, geb. Siegel (1909-2004) (kirchliche Trauung am 06.01.1934); der Ehe entstammten die Töchter Regine und Linde; 1934 Reisen in die Niederlande, die Eifel und nach Spiekeroog; ab 01.04.1935 Amtsverweser im Katharinenstift Stuttgart; 1937-79 Kunstlehrer am Schiller- und Mörike-Gymnasium in Ludwigsburg; dazwischen kurzzeitige Lehrtätigkeit in Korntal (1940); 1943 Bodenseeaufenthalt; 1962 Frankreichreise; 1966, 1972, 1975, 1976, 1990 Paris-Aufenthalte; 1979 Pensionierung und Intensivierung der künstlerischen Tätigkeit; neben der bildenden Kunst war Gutbrod auch leidenschaftlicher Pianist und spielte auch vor Publikum (durch diese Leidenschaft lässt sich auch sein Künstlersignum mit den drei Noten erklären); zahlreiche Reisen und Studienaufenthalte

AUSSTELLUNGEN (Auswahl)
Einzelausstellungen: 1971 Rathaus Bietigheim-Bissingen, 1978 Landratsamt Ludwigsburg, 1983 Landratsamt Ludwigsburg, 1988 Landratsamt Ludwigsburg, 1997 Buchhandlung Aigner Ludwigsburg, 1999 Stadtmuseum Ludwigsburg, 2000 Kunsthaus Watzel Ludwigsburg, 2002 Zehntscheuer Münsingen, 2005 Kreissparkasse Münsingen, 2008 Landratsamt Ludwigsburg, 2013 Kunsthalle Heck Dusslingen, 2013 Buchhandlung Aigner Ludwigsburg; — Gemeinschaftsausstellungen: 1965 Stuttgarter Sezession Kunstgebäude am Schlossplatz, 1966 Spendhaus Reutlingen, mit Anton Greiner und Johannes Schönert, 1967 Stuttgarter Sezession Kunstgebäude am Schlossplatz, 1973 Haus Baden-Württemberg Bonn

MITGLIEDSCHAFT: Stuttgarter Sezession
ANKÄUFE: Städtisches Museum Ludwigsburg, Landratsamt Ludwigsburg, Staatsgalerie Stuttgart

Literatur
HECK, Thomas Leon (Hrsg.) (2013): Walter Gutbrod 1908-1998. Malerei und Zeichnung; Dußlingen: Nous-Verlag [mit einem Beitrag von Barbara Lipps-Kant] NAGEL, Gert K. (1986): Schwäbisches Künstlerlexikon; Kunst & Antiquitäten; S. 51
TRIER, Dankmar: Gutbrod, Walter, in: „Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, Onlineversion, Künstler-ID: 00400815