W A L T E R   B E R N S T E I N

 

Weitere Werke von Walter Bernstein

 

Walter Bernstein: Mediterrane Stadtansicht mit Booten

 

Wohl mediterrane Stadtansicht mit Booten

Öl, Deckfarben auf Leinwand, aufgezogen auf Hartfaserplatte, gerahmt
nicht datiert, wohl um 1965-70

Rahmengrösse: 39×58,5cm
Grösse: 32×51,5cm

verso auf der Hartfaserplatte o.m. etwas farbschwach in Blei (wohl) signiert

€ 490,-

 

 

 

 

                 

 

Zustand
Leinwand aufgezogen auf Hartfaserplatte; insgesamt etwas beschmutzt und leicht fleckig; Leinwand mitunter leicht wellig; Hartfaserplatte verso etwas fleckig und leicht berieben; Rahmen mit Gebrauchsspuren (etwas fleckig, an den Ecken/Rändern berieben und leichte Abplatzer)

 

 

Herzlichen Dank an die Förderstiftung-Walter-Bernstein (Schiffweiler) für freundliche Hinweise zur Einordnung des Werks!

 

 

„In seinen Landschaftsbildern galt sein Hauptaugenmerk den zivilisatorischen Momenten, nicht der unberührten Natur. In diesem Sinne schilderte er Landschaften immer als Lebensräume, ohne jedoch die Schönheit einer Landschaft und ihren ästhetischen Erlebnisgehalt auszublenden. Die Gemälde reichen von einer annähernd genauen Ortsschilderung bis hin zur Gattung eines Capriccios als innovationsreiche Werke mit geistvollen Kombinationen heterogener Landschaftselemente. Dabei wird räumlich Auseinanderliegendes zusammenkomponiert und in nachbarschaftliche Beziehung gesetzt. Diese Kombination erzeugt eine neue Semantik“ (Jürgen Ecker (2010): Industriebild – Menschenbild. Der Grafiker und Maler Walter Bernstein; Neunkirchen).
Das vorliegende Gemälde zeigt eine solche Landschafts- bzw. Stadtansicht Walter Bernsteins, die man wohl in den mediterranen Raum verorten darf.
Der vornehmlich dünne, flächige Farbauftrag erzeugt ein beinahe abstrahiert erscheinendes Verwischen der Konturen. So zeigen insbesondere die Häuserwände keine deutlichen Abgrenzungen voneinander, sondern gehen farblich ineinander über, was dem von Jürgen Ecker Beschriebenen entspricht, wonach „räumlich Auseinanderliegendes zusammenkomponiert und in nachbarschaftliche Beziehung gesetzt [wird]“. Einzig die in Deckfarben ausgeführten Details wie Fenster, Schornsteine, Dächer, Boote lassen die einzelnen Elemente aus der lockeren Farbmelange entstehen und verhelfen damit dem Betrachter die Szenerie zu kontextualisieren.
Interessant ist zudem, dass Walter Bernstein den hellbräunlichen Malgrund mit in die Komposition einbezieh, indem er diesen immer wieder farblich unberührt lässt. Signifikant wird dies besonders in den Bereichen um das Wasser im Vordergrund. Ganz minimalistisch setzt Bernstein nur wenige Farbstriche in diese Felder und skizziert so u.a. die grünbräunliche Treppe, welche vom Wasser zu den Häusern führt. Es ist eine ungemeine Reduktion auf das Wesentliche, die dem Betrachter zugleich einen spannenden Balanceakt zwischen Gegenständlichkeit und Gegenstandlosigkeit innerhalb des Bildes vor Augen führt.
In der für Walter Bernstein ganz eigenen Manier ausgeführte, sehr schön locker expressive Stadtansicht!

 

 

Zu Walter Bernstein (17.6.1901 Neunkirchen (Saar) – 26.3.1981 ebd.):
Maler & Zeichner; 1914-18 Lehre in der Neunkircher Eisenwarenhandlung Ludwig Becker; 1919-22 Maler und Anstreicherlehre bei der Firma Fritz Soffel in Neunkirchen. Fortbildung in Dekorationsmalerei in der Malerschule Heinrich Gentes in Zweibrücken; 1922-23 Gesellenprüfung. Gesellenwanderung nach Karlsruhe und Nürnberg; 1923-26 Besuch der Kunstgewerbeschule Nürnberg (bei Johann Will und Karl Selzer); 1926-33 Besuch der Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin-Charlottenburg (u.a. bei Hans Meid); 1934-38 Meisterschüler bei Hans Meid; 1936 Heirat mit der Tänzerin Bertha Bodmer (1939 verstorben); 1939-44 Kriegsdienst; Arbeiten der Berliner Zeit wurden, bis auf wenige Ausnahmen, kriegsbedingt zertsört; 1946 nach einjähriger Gefangenschaft Rückkehr ins Saarland; 1947 Heirat mit Maria Zewe; Schiffweiler wird zum Wohnsitz des Ehepaars; 1949 Gründungsmitglied der „Saarländischen Sezession“; 1955 Mitglied des „Neunkircher Künstlerkreises“; ab 1962 zahlreiche öffentliche Aufträge für Wandgestaltungen; zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen; thematisch widmete sich Bernstein vor allem Thematiken aus den Bereichen Bergbau und Eisenindustrie, daneben entstanden auch Portraits, Landschaften und Tiermotive; 2013 Gründung der Förderstiftung Walter Bernstein

Quelle
Internetseite der Gemeinde Schiffweiler (schiffweiler.de)
ECKER, Jürgen (2010): Industriebild – Menschenbild. Der Grafiker und Maler Walter Bernstein; Neunkirchen
JUNGMANN, Heike: Zu Ehren von Walter Bernstein, in: Saarbrücker Zeitung (v. 08.08.2013)