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Weitere Hamburger Künstler

 

Rudolf Führmann: Schwäbischer Bauernhof
(wohl) „Schwäbischer Bauernhof“

Linolschnitt auf sandfarbenem Karton
u.r. in Blei datiert „1970“

Blattgrösse: 49,5×39,5cm
Bildgrösse: (etwa) 35,5×26,5cm

u.l. in Blei nummeriert „39/100“
u.r. in Blei signiert „R. Führmann“
nicht betitelt, (wohl) „Schwäbischer Bauernhof“ (vgl. Museumsverein für das Fürstentum Lüneburg (Hrsg.) (1974): Rudolf Führmann. Porträts, Landschaften, figürliche Graphik, Holzschnitte [Ausstellung vom 8. Juni bis zum 7. Juli 1974]; E. Holterdorf; Oelde; S. 16 (Nr. 70))

€ 175,-

 

 

ZUSTAND
Partiell leichte Druckstellen; verso in den vier Ecken Reste früherer Befestigung (etwas nachgedunkelt aufgrund früherer Befestigung mit doppelseitigem Klebeband)

 

Zwischen 1959 und 1974 war Rudolf Führmann in Leinfelden ansässig und es entstanden immer wieder Arbeiten mit Motiven der württembrgischen, schwäbischen Gegend. Bei dem vorliegenden Linolschnitt dürfte es sich um die Arbeit „Schwäbischer Bauernhof“ handeln. In demselben Jahr (1970) entstanden weitere Graphiken mit ländlichen Motiven aus dem süddeutschen Raum (bspw. „Bäume im Schnee“, „Straße nach Musberg“). Die Strichführung wirkt ungemein harmonisch und lässt ein ruhiges, beinahe besinnliches Bild dieses Bauernhofs entstehen. Ganz treffend schreibt Gerhard Körner, dass Führmanns Werk „in seinen Landschaften den aufgeschlossenen Betrachter erkennen [läßt], der romantische Sehnsüchte nicht verschmäht“ (Gerhard Körner (1974): Einführung, in: Museumsverein für das Fürstentum Lüneburg (Hrsg.) (1974): Rudolf Führmann. Porträts, Landschaften, figürliche Graphik, Holzschnitte [Ausstellung vom 8. Juni bis zum 7. Juli 1974]; E. Holterdorf; Oelde; S. 5-6 [hier: 6]).

Zu Rudolf Führmann (20.09.1909 Hamburg – 21.07.1976 Lüneburg):
Maler, Graphiker, Restaurator; wuchs unter autoritärem Vater auf; anfänglich Besuch der Oberrealschule, von der er wegen Schulschwierigkeiten zum Rauhe Haus wechselte; aufgrund Quälereien durch Lehrer und Aufseher im Rauhe Haus verübte er Suizidversuch; Umschulung und Besuch der Hamburger Lichtwarkschule bis zur Primarreife; 1927 Besuch der Kunstgewerbeschule Hamburg (bei Carl Otto Czeschka, Willy von Beckerath); Führmanns Vater erzwang einen Abbruch der Ausbildung und meldete ihn stattdessen zu einer Malerlehre in Bremen an; Abbruch der Lehre nach einem Jahr und Fortsetzung der künstlerischen Ausbildung v.a. bei Arthur Illies und Willy von Beckerath (Wandmalereiklasse); gänzliche Trennung von den Eltern; Engagement für die KPD und die ASSO; 1932 erhielt er Amsinckstipendium und konnte für ein Semester nach Berlin zu Arthur Kampf; in Berlin Bekanntschaft mit Kurt Hiller und Beitritt zur „Gruppe Revolutionärer Pazifisten (GRP)“; da er in Berlin keine Erwerbsmöglichkeiten fand, ging er mit dem Rest des Stipendiums nach Paris; blieb in Paris bis 1938; am 22.06.1938 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt; versuchte Emigration nach Kanada scheiterte; im März 1938 meldete er sich freiwillig zur Fremdenlegion, um so die französische Staatsbürgerschaft zu erhalten; wurde nach der Grundausbildung mit Kunstaufgaben betraut (Ausmalen von Kasernen, Portraits von Vorgesetzten); 1941 wurde er nach der Kapitulation Frankreichs an die deutsche Besatzungsmacht in Südfrankreich ausgeliefert und kam in das Konzentrationslager Hinzert bei Hermeskeil (nahe Trier); auch hier wurde er zu künstlerischen Arbeiten herangezogen; ab 01. August 1941 in Staatsgefängnis Kilau, dort Gestapo-Verhöre und Anklage wegen Landes- und Hochverrats; im Sept. 1941 unvermutete Entlassung, aufgrund eines Sondererlasses, wonach ehemalige Fremdenlegionäre zur Afrikaarmee Rommels kommen sollten; gesundheitsbedingt (Magengeschwüre) wude er nicht zum Kriegsdienst herangezogen und arbeitete er bis Kriegsende als technischer Zeichner in einem Rüstungsbetrieb in Harburg; er musste sich täglich bei der Polizei melden;1942 Heirat mit Anneliese, geb. Lauer; im selben Jahr erreichte seine Frau seine Wiedereinbürgerung; 1943 Geburt des Sohns Andreas; 1944 Scheidung, Führmann zog zu seinem Kollegen Franz May nach Harburg; nach 1945 Umzug nach Lüneburg, dort half er mit bei der Rettung der Bestände der Lüneburger Ratsbibliothek; bis 1949 unterhielt er in den Ruinen des Museums eine Werkstatt und war als Restaurator tätig; weiterhin tätig als Presse-, und Illustrationszeichner; 1951 Umzug nach Stuttgart, dort u.a. tätig für die Verlage „Scherz & Goverts“, „Deva“, „Ensslin“; in den 1950er Jahren Heirat mit Ursula, geb. Holterdorf; die Ehe wurde später geschieden; 1959 Umzug nach Leinfelden; bis 1965 Dozent an der Volkshochschule; bis 1967 Kunsterzieher an der Mittelschule; Mitglied beim Verband Bildender Künstler Nordwürttembergs; 1974 Umzug nach Lüneburg

LITERATUR: BRUHNS, Maike (2001): Kunst in der Krise (Band 2); Dölling und Galitz; Hamburg; S.141-146 — BRUHNS, Maike (2007): Geflohen aus Deutschland. Hamburger Künstler im Exil 1933-1945; Edition Temmen; Bremen; S. 60-61 — Museumsverein für das Fürstentum Lüneburg (Hrsg.) (1974): Rudolf Führmann. Porträts, Landschaften, figürliche Graphik, Holzschnitte [Ausstellung vom 8. Juni bis zum 7. Juli 1974]; E. Holterdorf; Oelde