O T T O   B L A N C K

 

 

Otto Blanck

 

Wohl Straßen-, Hinterhofansicht in Oldenburg

Öl ((wohl) über vormals verworfenem Werk) auf Platte
nicht datiert, um 1960-70

Grösse: 49,3×58,7cm

u.r. signiert „O. Blanck“
nicht betitelt

€ 750,-

 

 

 

 

                

 

Zustand
in den Randbereichen mitunter (aufgrund früherer Rahmung) etwas berieben; Ecken etwas bestoßen; im unteren Bereich, sowie im Bereich o.l. leichte oberflächliche Verluste der Farbschicht (mit durchscheinenden Farben des früheren, verworfenen Werks); am Rand o.m. etwas beschädigt; verso etwas fleckig, sowie an den Rändern mit Spuren früherer Befestigung

 

 

Herzlichen Dank an Renate und Michael Schildmann (Oldenburg) für freundliche Hinweise zur Einordnung des Werks!

 

 

Der aus Wilhelmshaven stammende Otto Blanck zeigte bereits in der Schulzeit ein zeichnerisches Talent. So war er dann auch neben seiner handwerklichen Malerlehre (1926-30) und der darauf folgenden Gesellentätigkeit (1930-37) auch immer künstlerisch tätig. Ab 1937 erhielt er eine Anstellung als Grabungszeichner in Hannover, welche ihm eine neue Herausforderung und auch eine gewisse künstlerische Befriedigung verschaffte. Im Zweiten Weltkrieg war Blanck mit wenigen Ausnahmen vom Juni 1940 bis zum Juni 1948 im Kriegsdienst bzw. in Kriegsgefangenschaft. Zurückgekehrt nach Wilhelmshaven arbeitete er zunächst erneut als Grabungszeichner und fand im folgenden Jahr eine Stelle als Malergeselle. Nebenbei besuchte er die Meisterschule, die er Ende 1952 mit Auszeichnung abschloss und im Anschluss daran bis 1974 als selbstständiger Malermeister in Oldenburg arbeitete. Neben dieser Tätigkeit erhielt er immer wieder Aufträge Häuser oder Bauernhöfe zu malen (vgl. hierzu Jürgen Derschewsky (2014): Biografie, in: Renate und Michael Schildmann (Red.): Otto Blanck. Ein Wilhelmshavener Landschaftsmaler und Ausgrabungszeichner; Edition Lichtblick; Oldenburg; S. 36). 1955 trat er dem Bundesverband Bildender Künstler bei und beteiligte sich ab etwa dieser Zeit auch an zahlreichen Ausstellungen. Nachdem er 1974 seinen Malerbetrieb an seinen Sohn übergab, widmete er sich fortan nur noch der Malerei.
Das vorliegende Gemälde wird eine Ansicht aus Oldenburg zeigen. Es dürfte zeitlich in die 1960er Jahre einzuordnen sein und lässt sich was Mal- und Darstellungsweise angeht in Beziehung setzen zum 1967 entstandenen Werk „Oldenburg – Hinter der Handwerkskammer“ (Öl auf Malpappe, Abb. in: Renate und Michael Schildmann (Red.) (2008): Otto Blanck. Norddeutsche Landschaften; Edition Lichtblick; Oldenburg; unpag.).
Vor dem Betrachter erheben sich in unmittelbarer Nähe verwinkelte Mauern, Häuserwände und Dächer. Durch den Schattenwurf auf der vor uns liegenden Mauer lässt sich erahnen, dass sich diese Häuserreihen auch hinter dem Betrachter fortsetzen. Obgleich Blanck den Betrachter auf eine solche Weise in eine eng umgrenzte, von hohen Mauern und Wänden umgebende Szenerie setzt, wirkt das Ganze doch nicht großstädtisch und hat nichts von einer urbanen Anonymität, wie man sie bspw. bei expressiven Künstlerinnen und Künstlern aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts finden kann. Es erscheint alles auf eine gewisse Art und Weise fröhlich, ruhig, hell und angenehm vertraut. Man mag sich demnach gut vorzustellen, dass die gemalten Gebäude und die darin lebenden Menschen dem Künstler keineswegs unbekannt waren, so dass ihm mit diesem Einblick in eine Oldenburger Gasse eine wunderschöne Verbindung zwischen (groß-)städtischem Motiv und harmonisch fröhlicher Stimmungslage gelingt.

 

 

Zu Otto Blanck (04.03.1912 Rüstringen/Wilhelmshaven – 12.05.1982 Oldenburg):
Maler, Zeichner; Sohn von Wilhelm und Annchen Blanck; sein Vater war Schiffszimmermann und arbeitete auf der kaiserlichen Werft in Wilhelmshaven; 1915 Tod des Vaters; die Mutter nimmt Stelle als Reinigungskraft an, um den Lebensunterhalt zu sichern; 1918-26 Besuch der Volksschule in Wilhelmshaven bei dem sich sein zeichnerisches Talent bereits zeigte; 1926-30 Malerlehre bei Fa.Otto Onnen (Wilhelmshaven); nach der Gesellenprüfung arbeitete er u.a. bei dem Malermeister Thoben in Wilhelmshaven; bis 1937 war er als Maler und Anstreicher tätig und beschäftigte sich daneben auch immer künstlerisch; 1937 Tätigkeit als Bühnenmaler beim Stadttheater Wilhelmshaven; 1937 Reise entlang der südlichen Ostseeküste mit u.a. Heinz Janszen (1913-1960) und Adi Bender; Anfang 1938 erhielt er eine Anstellung als Grabungszeichner bei der „Provinzialstelle für Marschen- und Wurtenforschung“ in Hannover; neben Blanck war auch der Maler und Grafiker Heinz Hanszen dort beschäftigt; 1938 Reise den Rhein aufwärts bis zum Schwarzwald; 18.05.1940 Heirat mit Hildegard Hoppe; 10.06.1940 zur Wehrmacht eingezogen (anfangs Standort Oldenburg Kreyenbrück, im August 1940 verlegt nach Brüssel); bis 1941 erhielt er ein Jahr Arbeitsurlaub von der Wehrmacht und konnte zur Arbeit als Grabungszeichner zurückkehren; später erneut eingezogen und eingesetzt u.a. bei der 6. Armee in Russland; 1942 Erkrankung an Fleckfieber und zurückgebracht nach Hamburg; nach der Genesung zunächst in Lüneburg eingesetzt und später über Italien nach Tunesien verlegt; Mai 1943 bis Juni 1948 französische Kriegsgefangenschaft; im Juni 1948 zunächst wieder als Grabungszeichner tätig, bevor er im Juli 1949 eine Anstellung als Malergeselle in Oldenburg findet; Besuch der Meisterschule und am 23.12.1952 mit Auszeichnung bestandene Meisterprüfung; 1953 Umzug nach OIdenburg und dort als selbstständiger Malermeister tätig; 1955 Mitglied des BBK in Oldenburg; 1974 übergibt den Betrieb an seinen Sohn Klaus; es folgen zahlreiche Reisen zusammen mit der Ehefrau nach u.a. Tunesien, Jugoslawien, Mallorca, Rumänien, Bulgarien; zahlreiche Ausstellungen

Literatur
SCHILDMANN, Renate und Michael (Red.) (2008): Otto Blanck. Norddeutsche Landschaften; Edition Lichtblick; Oldenburg
SCHILDMANN, Renate und Michael (Red.) (2014): Otto Blanck. Ein Wilhelmshavener Landschaftsmaler und Ausgrabungszeichner; Edition Lichtblick; Oldenburg
Internetseite zum Künstler [ottoblanck.de]