L U D W I G   ( L U I S )   N E U

 

Weitere Werke von Ludwig (Luis) Neu

 

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„Tanzgruppe in Rio de Janeiro“

Aquarell ohne Vorzeichnungen auf dickem Aquarellbütten (u.r. Wasserzeichen „Hahnemühle“); verso – zwei kleine Bleistiftskizzen, -vorzeichnungen
nicht datiert, wohl um 1970

Blattgrösse: 54,5×69,1cm

u.r. in Barun lokalisiert & signiert „Bahia L. Neu“
verso u.l. in Blei betitelt: „Tanzgruppe in Rio de Janeiro“

€800,-

 

 

 

 
Zustand
Druckstellen im Blatt; Ecken etwas bestoßen; in den vier Ecken je ein kleines Einstichloch; Ränder partiell etwas bestoßen; an den Rändern mitunter technikbedingt etwas farbfleckig; an den beiden oberen Ecken leicht fleckig; verso partiell leicht farbfleckig; verso mittig in Blei nummer. „64-77“, sowie verso u.r. in Blei nummer. „14“

 

Ludwig Neu befand sich seit 1938, dem Jahr seiner Ausbürgerung, in Südamerika. Er ließ sich in Rio de Janeiro nieder. In den folgenden schaffensreichen Jahren bereiste er den südamerikanischen Kontinent und hielt seine Eindrücke dabei in zahlreichen Arbeiten fest. Im Gegensatz zu den früheren Werken zeigen diese Arbeiten eine noch stärker expressive Ausrichtung, die sich dabei mitunter in einer ungemeinen Farbenpracht zeigt. Das vorliegende Aquarell zeigt diese Entwicklung deutlich auf. Die dargestellten Tänzerinnen und Tänzer werden von Neu in einer Mannigfaltigkeit satter Farben präsentiert, die, verbunden mit der schwungvollen Formgebung, eine ungemeine Dynamik in das Geschehen bringt. Herausragende Arbeit!

Zu Ludwig (Luis) Neu (14.10.1897 Wasserlos – 14.05.1980 Buenos Aires):
1911-13 Besuch der Zeichenakademie in Hanau (bei Professoren Schimke, Koch, Schulz); darauf Studium an der Kunstgewerbeschule Offenbach (bei Prof. Richard Troll, Rudolf Koch); im Weiteren Studium an der Kunstakademie München (bei Max Slevogt); im 1. Weltkrieg Einsatz in Russland; bis 1920 in Frankfurt am Main (Atelier im Städelschen Institut); ab 1922 freischaffender Künstler in Hamburg; Heirat mit Ida Boch (trotz Widerstand der jüdischen Eltern, die gegen die Verbindung mit der evangelischen Postbeamtin waren); 1923 Geburt der Tochter Ida; in den 1920-30er Jahren zahlreiche Studienreisen (Orient, Ägypten, Italien, Holland, Norwegen, Island); Förderungen durch Gustav Pauli und Gustav Schiefler; 1921 Eintritt in die Hamburgische Künstlerschaft (1933 ausgeschlossen); 1927 Beteiligung an einer Ausstellung der Hamburgischen Sezession; nach der Machtübernahme der NSDAP verschlechterten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse Neus, so dass er zum Wohlfahrtsempfänger wurde; 1935 Verleihung des Ehrenkreuzes für Frontkämpfer; 02.06.1936 Ablehnung des Antrags auf Aufnahme in den Reichsverband Bildender Künstler (mit gleichzeitiger Untersagung der weiteren Ausübung des Künstlerberufes); es folgte ein Verkaufsverbot; im Geheimen malte und verkaufte Neu weiterhin; Mai 1938 Flucht nach Buenos Aires; Neu wurde ausgebügert; in Buenos Aires zunächst tätig als Fotograf, dann wieder als Maler; 1954 wohnhaft in El Palomar; 04.09.1954 Wiedereinbürgerung in Hamburg; 1958 erneute große Europareise; 1978 Bundesverdienstkreuz

Literatur
BRUHNS, Maike (2001): Kunst in der Krise (Band 2); Dölling und Galitz; Hamburg; S.304-307
BRUHNS, Maike (2007): Geflohen aus Deutschland. Hamburger Künstler im Exil 1933-1945; Edition Temmen; Bremen; S.20-21