L U D W I G   ( L U I S )   N E U

 

Weitere Werke von Ludwig (Luis) Neu

 

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„Kanal in Amsterdam”

Tuschezeichnung auf sandfarbenem Ingrespapier (mit Wasserzeichen “INGRES” und “JCA France”)
u.r. in Blei datiert “[19]32”

Blattgrösse: 62,6x48cm

u.r. in Blei signiert “L. Neu”
u.r. in Bleir betitelt: “Kanal in Amsterdam”

€750,-

 

 
Zustand
insgesamt etwas gebräunt/nachgedunkelt; Druckstellen im Blatt; Ecken etwas bestoßen; Kanten mitunter mit (leichten) Bestoßungen und Knickspuren; an den Ecken u.l. und u.r. leichte Papierverluste; im rechten Blatttereich durchgehende leichte diagonale Stauchung; am oberen Rand zwei hinterlegte Einrisse im Blatt; am linken Blattrand Einriss; am rechten Blattrand zwei kleinere Einrisse und ein etwas längerer Einriss; am unteren Blattrand drei Einrisse; an den oberen beiden Ecken etwas knittrig; in Ecke u.r. (von fremder Hand?) in Blei numer. “1”; verso umlaufend am Rand braunes Klebeband; verso u.r. in Blei nummeriert “5”; verso u.m. etwas fleckig; verso Lagerspuren

 

Das vorliegende Blatt zeigt eine nächstliche Szenerie an einem Kanal in Amsterdam. Das Licht der Straßenlaternen spiegelt sich im Wasser wider und gibt vereinzelten Einblick in die Straßenbereiche. Verträumt und den Formen nach beinahe in das Wasser übergehend lehnt ein Pärchen am linken Rand unter einer Laterne. Die Zeichnung entstand zu einer Zeit als Ludwig Neu bereits etabliert war und gute Aufträge von u.a. Hamburger Firmen und Vereinen erhielt. Weiterhin wurde er durch Gustav Pauli und Gustav Schiefler unterstützt, so dass “die Familie [vor 1933] ein reichliches Auskommen [hatte]” (Bruhns, Maike (2007): Geflohen aus Deutschland. Hamburger Künstler im Exil 1933-1945; Edition Temmen; Bremen; S.20).

Zu Ludwig (Luis) Neu (14.10.1897 Wasserlos – 14.05.1980 Buenos Aires):
1911-13 Besuch der Zeichenakademie in Hanau (bei Professoren Schimke, Koch, Schulz); darauf Studium an der Kunstgewerbeschule Offenbach (bei Prof. Richard Troll, Rudolf Koch); im Weiteren Studium an der Kunstakademie München (bei Max Slevogt); im 1. Weltkrieg Einsatz in Russland; bis 1920 in Frankfurt am Main (Atelier im Städelschen Institut); ab 1922 freischaffender Künstler in Hamburg; Heirat mit Ida Boch (trotz Widerstand der jüdischen Eltern, die gegen die Verbindung mit der evangelischen Postbeamtin waren); 1923 Geburt der Tochter Ida; in den 1920-30er Jahren zahlreiche Studienreisen (Orient, Ägypten, Italien, Holland, Norwegen, Island); Förderungen durch Gustav Pauli und Gustav Schiefler; 1921 Eintritt in die Hamburgische Künstlerschaft (1933 ausgeschlossen); 1927 Beteiligung an einer Ausstellung der Hamburgischen Sezession; nach der Machtübernahme der NSDAP verschlechterten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse Neus, so dass er zum Wohlfahrtsempfänger wurde; 1935 Verleihung des Ehrenkreuzes für Frontkämpfer; 02.06.1936 Ablehnung des Antrags auf Aufnahme in den Reichsverband Bildender Künstler (mit gleichzeitiger Untersagung der weiteren Ausübung des Künstlerberufes); es folgte ein Verkaufsverbot; im Geheimen malte und verkaufte Neu weiterhin; Mai 1938 Flucht nach Buenos Aires; Neu wurde ausgebügert; in Buenos Aires zunächst tätig als Fotograf, dann wieder als Maler; 1954 wohnhaft in El Palomar; 04.09.1954 Wiedereinbürgerung in Hamburg; 1958 erneute große Europareise; 1978 Bundesverdienstkreuz

Literatur
BRUHNS, Maike (2001): Kunst in der Krise (Band 2); Dölling und Galitz; Hamburg; S.304-307
BRUHNS, Maike (2007): Geflohen aus Deutschland. Hamburger Künstler im Exil 1933-1945; Edition Temmen; Bremen; S.20-21