L U D W I G   ( L U I S )   N E U

 

Weitere Werke von Ludwig (Luis) Neu

 

ludwig-luis-neu-rothenburg-tauber

 

„Rothenburg Tauber“

Aquarell & Kohle auf leichtem, strukturiertem hellbräunlichem Aquarellkarton; am oberen Rand durch zwei Klebestreifen in Passepartout gesetzt
u.r. in Blei datiert „[19]28“

Passepartoutgrösse: 49,8x60cm
Blattgrösse: 39,3x50cm
Grösse des Passepartoutausschnitts: 39x50cm

u.r. in Blei signiert „L. Neu“
u.r. in Blei bez.: „Rothenburg Tauber“

€ 680,-

 

 

             

 

Zustand
Blatt am oberen Rand durch zwei Klebestreifen in Passepartout gesetzt; insgesamt etwas gebräunt/nachgedunkelt; im unteren Bereich leicht (stock-)fleckig; Ecke u.r.mit minimalem Papierverlust; Ecke u.l. mit minimaler Knickspur; in den oberen beiden Ecken kleine Einstichlöcher; partiell leichte Druckstellen im Blatt; u.l. in Blei nummer. „35“; verso stockfleckig, sowie u.r. in Blei nummer. „5“

 

 

Nach seiner Studienzeit in Hanau, Offenbach und München nahm Ludwig Neu als Soldat am Ersten Weltkrieg teil. „Danach bezog er bis 1920 ein Atelier am Städelschen Institut in Frankfurt. 1922 ließ er sich in Hamburg nieder. Er emanzipierte sich vom jüdischen Glauben und heiratete 1921 die Postbeamtin Ida Boch, die ihrerseits bis 1934 Mitglied der jüdischen Gemeinde wurde. […] 1921 trat Luis Neu der Hamburgischen Künstlerschaft bei, 1927 stellte er als Gast in der Hamburgischen Sezession aus. Die Reederei Hamburg-Süd richtete ihm als Honorar für Fotos, die er für ihre Firmenzeitung machte, ein Reisekonto ein, mit dem er ausgiebig reiste […]“ (Maike Bruhns (2007): Geflohen aus Deutschland. Hamburger Künstler im Exil 1933-1945; Edition Temmen; Bremen; S.20).
Das vorliegende Aquarell aus dem Jahr 1928 ist in diese Phase einzuordnen, in der Neu sich als Künstler etablierte. Die vorliegende Ansicht zeigt den markanten Siebersturm in Rothenburg o.d. Tauber aus einer eher ungewöhnlichen Sicht. Aus einer leicht nach rechts führenden Gasse schauen wir an alten Fachwerkhäusern empor und erblicken hinter den Dächern nur noch die Spitze des Turms. In der Gasse sehen wir als Detailsetzung zwei Personen, die sich von uns weg bewegen. Es dürfte sich hierbei um eine Mutter mit ihrem Kind handeln. Der Darstellung des Siebersturm folgend, kann man annehmen, dass Neu dieses Motiv nicht von einem Standpunkt im Plönlein oder in der Unteren Schmiedgasse stand. Vielmehr befinden wir uns womöglich in der Neugasse und der Künstler zog diesen Ort vielleicht aufgrund des Bezugs zu seinem Namen vor. Man kann sich gut vorstellen, wie Neu dieses Werk vor Ort malte – die schnellen Kohlevorzeichnungen bilden die Rahmensetzung in die dann ausfüllend die Aquarellfarben gesetzt wurden. Gerade bei dem Einsatz der teilweise flächig aufgetragenen, sich vermengenden Aquarellfarben zeigt sich die Ausgereiftheit Neus in dieser Technik, die er zeitlebens anwandte. Dies und der ganz bewusste atypische Blickwinkel lassen dieses Werk zu einer überaus eigenständig formulierten Rothenburger Ansicht werden.
Herausragende Komposition aus dem verhältnismäßig frühen Schaffen von Ludwig Neu!

 

 

Zu Ludwig (Luis) Neu (14.10.1897 Wasserlos – 14.05.1980 Buenos Aires):
1911-13 Besuch der Zeichenakademie in Hanau (bei Professoren Schimke, Koch, Schulz); darauf Studium an der Kunstgewerbeschule Offenbach (bei Prof. Richard Troll, Rudolf Koch); im Weiteren Studium an der Kunstakademie München (bei Max Slevogt); im 1. Weltkrieg Einsatz in Russland; bis 1920 in Frankfurt am Main (Atelier im Städelschen Institut); ab 1922 freischaffender Künstler in Hamburg; Heirat mit Ida Boch (trotz Widerstand der jüdischen Eltern, die gegen die Verbindung mit der evangelischen Postbeamtin waren); 1923 Geburt der Tochter Ida; in den 1920-30er Jahren zahlreiche Studienreisen (Orient, Ägypten, Italien, Holland, Norwegen, Island); Förderungen durch Gustav Pauli und Gustav Schiefler; 1921 Eintritt in die Hamburgische Künstlerschaft (1933 ausgeschlossen); 1927 Beteiligung an einer Ausstellung der Hamburgischen Sezession; nach der Machtübernahme der NSDAP verschlechterten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse Neus, so dass er zum Wohlfahrtsempfänger wurde; 1935 Verleihung des Ehrenkreuzes für Frontkämpfer; 02.06.1936 Ablehnung des Antrags auf Aufnahme in den Reichsverband Bildender Künstler (mit gleichzeitiger Untersagung der weiteren Ausübung des Künstlerberufes); es folgte ein Verkaufsverbot; im Geheimen malte und verkaufte Neu weiterhin; Mai 1938 Flucht nach Buenos Aires; Neu wurde ausgebügert; in Buenos Aires zunächst tätig als Fotograf, dann wieder als Maler; 1954 wohnhaft in El Palomar; 04.09.1954 Wiedereinbürgerung in Hamburg; 1958 erneute große Europareise; 1978 Bundesverdienstkreuz

Literatur
BRUHNS, Maike (2001): Kunst in der Krise (Band 2); Dölling und Galitz; Hamburg; S.304-307
BRUHNS, Maike (2007): Geflohen aus Deutschland. Hamburger Künstler im Exil 1933-1945; Edition Temmen; Bremen; S.20-21