K U R T   H O S E L I T Z

 

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kurt-hoselitz
„Loading and Unloading“

Öl auf Hartfaserplatte
u.r. datiert „[20]00“

Plattengrösse: 32,2x23cm

u.l. monogrammiert „KH“, sowie verso auf einem aufgeklebtem Etikett (wohl) signiert „Kurt Hoselitz“ und mit der Adresse maschinenschriftl. bez. „4 Rochester Gardens / Croydon / Surrey CRO 5NN“
verso auf einem aufgeklebtem Etikett in schwarzem Kugelschreiber bezeichnet: „Loading and Unloading“

reserviert

 

   

 

Zustand
Ecken etwas bestoßen; Ränder leicht bestoßen; verso Platte etwas fleckig; verso auf Platte o.r. kleiner Aufkleber mit maschinenschriftl. Nummerierung „MT353“; verso auf aufgeklebtem Etikett handschriftl. frühere Preisangabe „£ 100,-“ und bez. „IOU“

 

 

Unter einem klar blauen Himmel zeichnen sich die kantigen Züge einer Fabrik mit ihren drei markanten Schornsteinen ab. Titelgebend stehen drei LKWs auf dem hellbraunen Gelände und warten auf ihr Ent- bzw. Beladen. Etwas undeutlich ist dabei die Beschriftung auf den LKWs (wohl als „Ivero“, „Benhorm“) zu erkennen. Hoselitz beschönigt hier nichts, er versucht aber auch nicht einen mahnenden Finger auf etwas zu richten. Vielmehr kann das Werk als ein Versuch verstanden werden das Gesehene so darzustellen wie es der Künstler sah und empfand. Interessanterweise wird das titelgebende Element, was wohl im Fokus von Hoselitz‘ Interesse lag, nicht explizit ausgeführt. Nirgendwo findet man malerisch dargestellte Hinweise auf ein Be- oder Entladen der Fahrzeuge, so dass dieser Aspekt nur hinzu gedacht werden kann. Sehr schön gearbeitete, schnörkellose Komposition aus der englischen Arbeits- bzw. Industriewelt.

 

 

Zu Kurt Hoselitz (18.07.1916 Wien – Dez. 2010 Croydon[?]):
Physiker und Maler; Bruder von Berthold Frank Hoselitz (1913–1995); entstammt einer Familie assimilierter Juden; 1922-26 Besuch der Volksschule; um 1924-25 Beitritt zu den „Roten Falken“; 1926-34 Besuch des Realgymnasiums (Kleine Sperlgasse); Austritt von den „Roten Falken“ und Eintritt beim „Verein Sozialistischer Mittelschüler (VSM)“; 1934-37 Studium der Physik und Mathematik an der Universität Wien (u.a. bei Wilhelm Wirtinger, Felix Ehrenhaft, Hans Thirring, Karl Przibram und Erwin Schrödinger); 1936 und 1937 Besuche bei Freunden in England; ab 1937 Beginn des Doktorats (bei Hermann Mark in dessen Polymerforschungsgruppe); im Februar 1937 wurde einer von Hoselitz‘ Freunden verhaftet, da er für eine geheime Hilfsorganisation zur Unterstützung der Republikaner im Spanischen Bürgerkrieg Spenden sammelte; bei dem Verhör des Freundes fiel auch der Name von Kurt Hoselitz, so dass dieser einen Tag später verhaftet wurde und für drei Wochen in Haft blieb; am 10.04.1937 wurde er vom „Kommissar für die Aufrechterhaltung der Disziplin unter den Studierenden an den Hochschulen“ wegen angeblicher politischer Aktivitäten vom Besuch aller österreichischen Hochschulen ausgeschlossen; auf anwaltlichen Druck wurde dieser Beschluss am 14.06.1937 wieder aufgehoben; im März 1938 beschloss Hoselitz zu Freunden nach England zu emigrieren; es folgte eine erneute Inhaftierung mit zahlreichen weiteren Personen; im Juni 1938 verließ er Österreich und reiste über Prag und Rotterdam nach London; er erhielt eine Aufenthaltserlaubnis und konnte sein Studium in Southampton und Bristol fortsetzen; 1942 Promotion; kurzzeitiger Aufenthalt bei Sir Lawrence Bragg in Cambridge; er erhielt eine Forschungsstelle in den Vereinigten Stahlwerken von Sheffield; 1946 wurde er als Spezialist der British Intelligence Commission nach Deutschland geschickt; ab 1952 im Labor von Philips tätig (ab 1969 der Direktor des Labors); ab 1964 außerordentlicher Professor und Fellow der „Institution of Electrical Engineers“; 1976 Pensionierung von Philips; 1976-81 Professor an der Universität von Sussex; im Späteren künstlerisch tätig, wobei insbesondere Stadt- und Industrieansichten in Ölfarben entstanden; die Universität von York besitzt das Gemälde „New Coventry“ (1983, Öl, 40x60cm) von Hoselitz

Literatur
ANGETTER, Daniela / MARTISCHNIG, Michael (2005): Biografien österreichischer [Physiker]innen (hrsg. v. Österreichischen Staatsarchiv); Wien; S. 52-53
STADLER, Friedrich (Hrsg.) (2004): Vertriebene Vernunft II. Emigration und Exil österreichischer Wissenschaft 1930-1940 [Teilband 2]; LIT; Münster et al.; S. 744-750
Österreichische Nationalbibliothek (Hrsg.) (2002):Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft. 18. bis 20. Jahrhundert [Bd. 1]; Saur Verlag; München; S. 581 [Nr. 4450]