K A R L   S C H R I C K E R

 

Weitere Werke von Karl Schricker

 

Karl Schricker: Der Größte

 

„Der Größte“

Mischtechnik (Öl-, Dispersionsfarben, Tusche, Farbstifte) auf Papier, auf Leinwand, aufgespannt auf Holzplatte, gerahmt [Originalkünstlerrahmen];
nicht datiert

Rahmengrösse: 78,2x99cm
Bildgrösse: 75×95,5cm

u.r. signiert „K. Schricker“, sowie verso u.m. vom Künstler in blauem Kugelschreiber mit Name und damaliger Anschrift bez.
verso u.m. vom Künstler in blauem Kugelschreiber betitelt: „Der Größte“, sowie darüber in Schwarz nummer. „110“; ebenso in Blei betitelt verso auf dem Rahmen o.m.

€ 780,-

 

 

                    

 

Zustand
schöner, frischer Zustand; Rahmen mit wenigen leichten Gebrauchsspuren (an Ecken und Kanten mitunter leicht berieben)

 

 

Der Themenkomplexe Gewalt, Aggression, Unterwerfung tauchen bei Karl Schricker immer wieder auf. Zur mitunter drastischen Veranschaulichung seiner künstlerischen Sprache verwendete er neben Tieren auch häufig menschlich-tierische Mischwesen, die in schon archaisch anmutenden Posen dargestellt werden. Damit vermittelt Schricker dem Betrachter das Gegenüber einer Urgewalt und zugleich wird man daran gemahnt, dass derartige Motive und Wesenszüge sich unzweifelhaft auch in uns, die wir uns zivilisiert nennen, weiter schlummern und ausbrechen können.
Der hier gezeigte ‚Größte‘ lässt sich exemplarisch in die beschriebene Werkgruppe einordnen. Vor einer diffusen, fremdartig wirkenden Landschaft erblicken wir zwei Gestalten. Eine große, muskulöse, männliche Person nimmt dabei den Großteil der Fläche ein. Die Faust ist wie zum Schlag geballt und der verbissen zornige Blick ist auf die zweite, weitaus kleinere Person im unteren Bildbereich gerichtet. Diese schaut hinauf zum Kontrahenten, doch lässt sich aus Mimik, Gestik und Körperhaltung nicht erkennen, ob eine Verteidigung oder womöglich ein Angriff erfolgen soll. Erstaunlich ist bei dieser kleineren Person zudem, dass sich hinter dem Gesicht noch ein zweites Gesicht, nämlich eine mit Zähnen besetzte, animalische Schnauze, abzeichnet. Mag man anfangs noch an sehr deutlich ausgeführte Pentimenti denken, so muss man diese Konturen vielmehr doch als genuin zur Komposition gehörend ansehen. Der restliche Körper hinter dieser Schnauze bleibt unklar und gänzlich vage. Und vielleicht wollte Schricker hier auch kein weiteres Wesen, sondern vielmehr eine menschlich-tierische Metamorphose, eine Chimäre darstellen, welche das Animalische dieses knallharten Ringens unterstreichen sollte.
Herausragend ausgeführte, überaus beklemmende und brachiale Komposition!

 

 

Zu Karl Schricker (04.12.1912 – 22.09.2006):

Leben / Künstlerische Ausbildung
4. Dezember 1912 in Förstenreuth geboren – Sommer 1922/23 Lehre beim Kunstmaler Max Schaffner (1881 – 1960) in Münchberg – 1930 bis 1932 Ausbildung zum Modelleurvolontär in der Porzellanfabrik Hertel, Jakob & Co., GmbH (Rehau) – 1932 bis 1939 Studium an der Akademie der bildenden Künste in Nürnberg (Fachklasse -Freie Graphik und Malerei-) – seine Lehrer waren: Prof. Friedrich Heubner und Prof. Karl (Carl) Dotzler – 1937 Verleihung des Albrecht-Dürer-Preis der Stadt Nürnberg – 1939 Ernennung zum Meisterschüler – 1940 bis 1945 Militärdienst – 1945 bis 1948 freischaffend – 1948 – 1975 Industriegraphiker (Porzellanfabrik Rosenthal) – 1951 Heirat mit Thea Schricker, geb. Pülz (gest. 1996) – ab 1951 Wohnsitz in Redwitz – ab 1975 freischaffender Künstler – ab 1997 Wohnsitz in Bayreuth – 22. September 2006 in Bayreuth gestorben

Mitgliedschaften
1964 Gründungsmitglied der Künstlergruppe -Nordfranken- – 1967 Aufnahme in den -Bund Fränkischer Künstler- – 1969 Aufnahme in den -Berufsverband Bildender Künstler- STIL, THEMEN, TECHNIKEN – v.a. Tier- und Naturthemen, die sowohl gegenständlich als auch symbolisch dargestellt werden; aber auch Landschafts-, Städtedarstellungen; vereinzelt auch Skulpturen – verwandte Techniken: Zeichnung, Spachtel, Mischtechnik, Aquarell, Tusche, Öl – oftmals großformatige Werke

Einzelausstellungen
u.a.: – 1976 Hypo-Galerie Hof / Saale – 1976 Kleine Ravenna-Galerie (Bischofsgrün) – 1977 Kleine Ravenna-Galerie (Bischofsgrün) – 1990 Steingraeber & Söhne Galerie (Bayreuth), Titel: Das verfolgte Tier – 1993 Neues Rathaus (Bayreuth), Titel: Das Tier im Bild

Beteiligung an Ausstellungen
u.a.: – 1972 Galerie Mudil (Berlin), Gruppenausstellung mit Horst Böhm, Heinrich Schreiber und Fritz Böhme – 1977 Die kleine Galerie; (Bamberg) Ausstellung mit Heinrich Schreiber [dazu: Katalog zur Ausstellung: Die kleine Galerie – Karl Schricker / Heinrich Schreiber; Bamberg; Fränkischer Tag GmbH & Co.; 1977] – 1978 Beteiligung an der Gruppenausstellung des Berufsverbandes Bildender Künstler in Oberfranken und dem Künstlerbund Graz; Künstlerhaus Graz

Literatur
u.a.: – Berufsverband Bildender Künstler Oberfranken e.V. (Hrsg.) (1992): Karl Schricker; [ohne Verlag / Ort] – Max Escher (1973): Karl Schricker – ein fränkischer Maler und Dürerpreisträger, in: Kulturwarte. Monatsschrift für Kunst und Kultur (XIX. Jg. / Nr. 12), S. 236 – 241