K A R L   K L U T H

 

Weitere Künstler des Expressiven Realismus

 

karl-kluth
„Alte Brücke in Troyes“

Bleistift und Tusche; auf Ingrespapier (Hahnemühle); an den vier Ecken befestigt auf Packpapier; unter Passepartout
u.r. in Blei datiert „[19]50“

Passepartoutgrösse: 80×64,8cm
Grösse des Passepartoutausschnitts: 58,6×43,7cm

u.r. in Blei monogrammiert „K“
auf dem Passepartout u.l. in Blei bezeichnet: „Alte Brücke in Troyes“

€ 450,-

 

      

 

Zustand
Blatt an den vier Ecken befestigt auf Packpapier; leichte Druckstellen; im oberen Bildbereich links (links vom Turm der Saint-Pierre et Saint-Paul Kathedrale) etwas beschmutzt; Passepartout partiell wenig fleckig; Ecken des Passepartouts etwas bestoßen

 

 

Karl Kluth kehrte erst 1949 aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. Die öffentliche Anerkennung, die ihm zuvor verwehrt wurde, zeigte sich bereits nach wenigen Jahren – 1950 wurde er sowohl in den Vorstand des Deutsche Künstlerbundes, als auch in den Vorstand des Hamburger Künstlervereins gewählt und 1952 erhielt er schließlich jene Professur für Malerei, für welche er bereits 1933 vorgesehen war, dann aber aufgrund der politischen Verhältnisse doch nicht erhielt. Nach 1949 fand Kluth seinen künstlerischen Ausdruck weiterhin in der ‚alten Sezessionsart‘ (Maike Bruhns (1989): Karl Kluth 1898-1972, in: Verein für Hamburgische Geschichte (Hrsg.): Die Maler. Arthur Illies, Friedrich Ahlers-Hestermann, Karl Kluth [Hamburgische Lebensbilder Band 3]; Hamburg; S. 61) und es entstanden expressiv-realistische Figurenbildnisse, Portraits und Landschaften in die sich mit der Zeit immer mehr abstrahierende Elemente mischten.
Die vorliegende, großformatige Zeichnung mit einer Ansicht von Troyes ist in diese Phase einzuordnen. Im Zentrum des Dargestellten steht die Saint-Pierre et Saint-Paul Kathedrale, davor ordnete Kluth eine ‚alte Brücke‘, sowie einen links im Vordergrund stehenden Baum an. Die gesamte Komposition erscheint als wohldurchdacht, geordnet und überlegt ausgeführt. Partiell füllte der Künstler Flächen mit sattem Schwarz aus, was zum einen auf den vorläufigen, studienhaften Charakter des Werks verweisen kann, zum anderen lässt sich dies unter Umständen aber auch mit Kluths kunsttheoretischen Überlegungen verbinden.
Die Wirkung und der Einsatz von ‚Schwarzweiß/Helldunkel‘ bei der künstlerischen Abbildung der Erscheinungswelt bilden hier eine Besonderheit und Kluth summiert dies in der Aussage: „Im Sinne des Komplementären ist Schwarz und Weiß, ebenso wie Tod und Leben, dasselbe – das eine ist ohne das andere jeweils nie faßbar“ (zitiert nach: Heinz Spielmann (1975): Karl Kluth [Hamburger Künstler-Monographien zur Kunst des 20. Jahrhunderts]; Hans Christians; Hamburg; S. 49). Vor diesem möglichen kunsttheoretischen Hintergrund lassen sich die in Tusche ausgeführten Ausfüllungen nicht nur als Beiwerke, sondern als essenzielle Bestandteile dieser expressiv-realistischen Stadtkomposition begreifen.

 

 

Zu Karl Kluth (12.01.1898 Halle – 15.12.1972 Hamburg):
Maler, Graphiker; 1917 freiwillige Meldung zum Kriegsdienst; bis dahin hatte Kluth noch keinen Schulabschluss und die begonnenen Lithographenlehre noch nicht beendet; 1919-22 Studium an der Kunstakademie Karlsruhe (bei Albert Haueisen); später Meisterschüler bei August Babberger; Fritz Kronenberg war einer seiner Kommilitonen; 1920 erhält er ein Stipendium mit dem er das erste Mal nach Hamburg reiste; ab 1922 in Hamburg ansässig; 1922 Heirat mit Hannah, geb. Ruffler; das Ehepaar bezog einen Kellerraum in der Privatklinik Clausewitz in der Warburgstraße, dort arbeitete Karl Kluth als Heizer; 1925 wendeten sich Erich Hartmann, Paul Bollmann, Kluth und andere an den Senat mit der Bitte um Unterstützung für Künstler durch Ankäufe für Werken; 1928 erhielt Kluth zusammen mit Hans Henny Jahnn den ersten Lichtwark-Preis mit dem er 1929 nach Norwegen reiste, um dort Edvard Munch zu besuchen, mit dem er auch zusammenarbeitete; 1931Beitritt zur Hamburgischen Sezession, bei der er bald eine exponierte Stellung einnahm; 1931 fand ein Prozess statt gegen Kluth, Paul Hamann und Willi Tietze, aufgrund einer Zeichnung im Almanach „Komplott der Komplexe“ (Kluth musste 50,- RM Strafe zahlen); Beitritt zur Hamburgischen Künstlerschaft und zum Hamburger Künstlerverein; 1931 mehrmonatige Studienreise nach Italien und Sizilien (mit Willem Grimm und Hans Martin Ruwoldt); 1932 Ernennung zum Obmann im Ohlendorffhaus in dem er ein Wohnatelier im 3. Stock bezog; zum Sommersemester 1933 sollte Kluth auf Wunsch von Max Sauerlandt eine Professur an der Landeskunstschule in Hamburg erhalten, was aber aufgrund der politischen Verhältnisse nicht mehr möglich war; 1934 Norwegenreise mit Grimm; 1935 und 1937 Unterstützung durch die Amsinck-Stiftung; 1937-39 Bühnenbildner an den Städtischen Bühnen in Kiel; ab 1940 Kriegsdienst und Gefangenschaft; 1949 Entlassung aus der Gefangenschaft und Rückkehr nach Hamburg; 1950 Wahl in den Vorstand des Deutsche Künstlerbundes und des Hamburger Künstlervereins; 1952 Professur für Malerei an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg; 1957 Edwin-Scharff-Preis; 1961 Tod der Ehefrau; 1962 Pensionierung Kluths; 1963 Heirat mit seiner Schülerin Vera Becker; 1964 Ehrengast der Deutschen Akademie in der Villa Massimo Rom

Literatur
BRUHNS, Maike (2001): Kunst in der Krise (Band 2); Dölling und Galitz; Hamburg; S.235-239
BRUHNS, Maike (2005): Ausgegrenzt. Kunst in Hamburg 1933-1945; Hauschild; Bremen; S. 107
HEYDORN, Volker Detlef (1974): Maler in Hamburg 1966-1974; Christians; Hamburg; S. 130
SPIELMANN, Heinz (1975): Karl Kluth [Hamburger Künstler-Monographien zur Kunst des 20. Jahrhunderts]; Hans Christians; Hamburg