J Ü R G E N   R O S T E C K

 

Weitere Werke von Jürgen Rosteck

 


„Rambo-Zambo“

Kaltnadelradierung auf Maschinenbütten („BFK Rives“)
u.r. in Blei datiert „[19]76“

Auflage: u.l. in Blei nummeriert „5/16“
u.r. in Blei signiert „Jürgen Rosteck“
u.m. in Blei betitelt „Rambo-Zambo“

€ 330,-

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Grösse
Blattgrösse: 52,7x75cm
Bildgrösse: 40,6x56cm

Zustand
leichte Druckstellen im Blatt; im unteren Blattbereich leicht (stock-)fleckig; in den Randbereichen schwach fleckig; verso an den oberen beiden Ecken Reste früherer Befestigung (Klebestreifen)

 

 

„Jeder einzelne Traum entfaltet sich im Erwachen und in der nachfolgenden Besinnung auf den Traum in einen Fächer der Zeiten, Orte, Personen und Situationen, zu denen der Traum dabei in Beziehung gerät. Und daraus kann sich ein ungeheuer reiches Netz von Beziehungen und Bedeutungen ergeben, die den Traum in die ganze Lebensgeschichte einbetten, so dass er eben dadurch auch diese Lebensgeschichte deuten kann“ (Detlev von Uslar (2010):Traum als Ereignis. Psychologie der Trauminhalte und Traumsymbole; Würzburg: Königshausen & Neumann; S. 9).
Unweigerlich mag man bei der vorliegenden Radierung von Jürgen Rosteck mit ihren surreal phantastischen Gestalten und deren scheinbar wirrer Anordnung an ein Traumgeschehen denken. Und vielleicht ist dies ein solches ‚ungeheuer reiches Netz‘, welches sich dem Künstler durch die Besinnung auf einen Traum zeigt.
Vor einem dunkel diffusen Hintergrund zeigt sich dabei ein irrer, wirrer Reigen aus verschiedenen Figuren, Wesen und Objekten. In der Bildmitte tanzt ein, die Keule schwingendes Wesen, dessen Drachenkopf vielleicht an süd-, mittelamerikanische Mythen denken lässt. Die ausgebreitete linke Hand ziert in ihrer Fläche ein Auge, das uns als Betrachter anblickt. Von der linken Seite stürmt ein wilder Hund heran und beißt den Keuleschwinger in das Bein. Vielleicht bahnt sich ein Kampf mit dem Wesen zur linken Seite an, das ein Schwert gezückt hält und aus dessen Maskenkopf die Zunge vulgär heraushängt. Ein kleines Männchen mit einer Gitarre flieht mit einem Aufschrei vor dieser Gewalttat. Ins Auge sticht im rechten Bildbereich eine kniende Frau. Die Hände vor das Gesicht geschlagen und die Augen geschlossen haltend, wirkt sie wie abgekehrt, wie entrückt. Und vielleicht ist dies die weibliche, die träumende Seite des Künstlers, der sich hier selbst in das Geschehen setzte. Aus dem Kopf entströmen erstaunlich weiße Vögel, die aber gegen die Schwärze der Umgebung augenscheinlich nicht anzukommen vermögen.
Neben all dem hier nur skizzenhaft Aufgezeigten, finden sich noch zahlreiche weitere, oftmals fein und detailreich erarbeitete Figuren, die immer wieder in andere Beziehungen zu einander treten. Dieses von Rosteck dargestellte ‚Rambo-Zambo‘ mag gerade durch das schwer Fassbare, wie auch durch die Drastik seiner Darstellung den Betrachter zu erschrecken, um ihn im selben Moment doch immer wieder anzuziehen.

 

 

Zu Jürgen Rosteck (1946 Berlin – 2011 Bremen):
Maler und Zeichner; in der Kindheit mit der Familie geflohen aus Ost-Berlin; abgebrochene kaufmännische Lehre; kurzzeitig an der Bremer Kunstschule; lebte von der Hand in den Mund; am 23.02.1966 ermordet Rosteck die Witwe Alma Schütt, 65, und deren Tochter Karin, 25, da er eine seiner Christuszeichnungen nicht an sie verkaufen konnte; nach dem Bekanntwerden wurden Händler auf Rostecks Werk aufmerksam und die Nachfrage stieg; ab 1972 als freischaffender Maler und Graphiker tätig; 1975 Einzelausstellung in der Galerie Pot Krüger (Bremen); 1977 Einzelausstellung in der Galerie Dodenhoff (Wallhöfen); 1983 Einzelausstellung in dem Antiquariat und Galerie Beim Steinernen Kreuz (Bremen); 1985 Beteiligung an der Ausstellung „Junge Kunst in Bremen“ (Kunsthalle Bremen); 2002 Beteiligung an der Ausstellung „Städte und Dämonen“ (Museum Charlotte Zander – Schloss Bönnigheim, Bönnigheim); 2006 Beteiligung an der Ausstellung „15 Jahre Galerie Incontro“ (Eitorf); 2009 Beteiligung an der Ausstellung „Wo soll ich hin?“ (Städtische Galerie Bremen); Werke befinden sich u.a. in der Städtischen Galerie Bremen

Literatur
Katalog zur Ausstellung „Junge Kunst in Bremen“ (3. März bis 21. April 1985); Kunsthalle Bremen; unpag.