H A N S   O R L O W S K I

 

Weitere Werke von Hans Orlowski

 

 

„Studie zu dem Bilde ‚Variéte‘[sic]“

schwarze Kreide auf Maschinenbütten
verso u.m. in Blei datiert „1932“

Grösse: 54,3×37,7cm

u.r. in Blei mt dem Künstlersignum, sowie verso u.m. in Blei mit dem Künstlernamen bez.
„Studie zu dem Bilde ‚Variéte‘[sic]“, so verso am unteren Rand in Blei bez.; die Mischtechnik „Variété“ im Werkverzeichnis: 1932.37 (verbrannt)

€ 260,-

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Zustand
in der Blattmitte horizontal verlaufende Faltspur; Blattränder mit leichten Abrissspuren; am linken Blattrand oben zwei kleine Einrisse (Länge 1cm bzw. 2cm), sowie darüber kleine Quetschung; in den vier Ecken kleine Einstichlöcher; unterer Blattrand links mit minimalem Papierverlust, sowie leichte Quetschung; leichte Druckstellen im Blatt; mitunter etwas fleckig; verso etwas fleckig

Provenienz

Hans-Werner Schwarzenberger (1943-2015, Sohn von Fritz Schwarzenberger (Bearbeiter des Werkverzeichnisses zu Hans Orlowski), (Werbe-)Grafiker, Kunstsammler)

 

 

Das vorliegende Werk ist der rückseitigen Bezeichnung nach eine Studie zu der Mischtechnik „Variété“[sic] aus dem Jahr 1932 (im WV verzeichnet unter 1932.37 (Hans-Orlowski-Kreis (Hrsg.) (1972): Werkverzeichnis Hans Orlowski (bearb. v. Fritz Schwarzenberger); Berlin; S. 10). Jene war vormals im Besitz von Wolfgang Gurlitt, ist heute aber nicht mehr überliefert, da sie, dem Werkverzeichnis folgend, verbrannte. Orlowski war zu dieser Zeit (1932) gerade frisch ernannter Professor an der Kunstgewerbeschule Charlottenburg. Vom Einfluss des Expressionismus hatte er sich seit etwa acht Jahren gelöst und suchte eine eigene expressiv-realistische Bildsprache. Doch zugleich greift er mit dem Varieté-Thema ein Motiv auf, welches sich gerade bei Künstlern des Expressionismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts großer Beliebtheit erfreute. Sicherlich zeigt die hier dargestellte junge Frau sich in einer deutlich realistischen Ausführung. – Haltung, Körper und Bildaufbau an sich geben mehr das Gesehene als das Empfundene des Künstler wider. Einzig die Licht- und Schattensetzung durch zarte bis satte Schwarzflächen mag an eine expressive Dynamik und Impulsivität denken lassen. Aufgrund dieser zeichnerischen Ausführungen wie auch aufgrund des Entstehungsjahrs, mag man daher versucht sein, diese ‚Varieté-Studie‘ in eine „Zeit des Übergangs vom Suchen und Experimentieren zu einem persönlichen Stil und eigener Formensprache“ (ebd.; S. 3) einzuordnen.
Sehr schöne figürliche Komposition aus dem verhältnismäßig frühen Schaffen des Künstlers.

 

 

Zu Hans Orlowski (01.03.1894 Insterburg / Ostpreußen – 03.05.1967 Berlin):
Maler, Zeichner, Grafiker, Illustrator; Sohn eines Schneiders; 1899 Umzug der Familie nach Königsberg; 1905 Umzug der Familie nach Potsdam und später nach Charlottenburg; 1911-15 Besuch der Kunstgewerbeschule Berlin-Charlottenburg (bei Harold Bengen, Edmund Schaefer); 1914 zum Kriegsdienst eingezogen und Soldat in Serbien; 1915 aufgrund einer Verwundung Einsatz als Zeichner im Kriegsministerium; zu dieser Zeit entstehen erste Linol- und kurze Zeit später erste Holzschnitte; 1918 erste Ausstellungsbeteiligung bei der Berliner Sezession; 1918-19 Besuch der Staatlichen Kunstschule Berlin (bei Philipp Franck); 1919 Abschluss des Studiums mit dem Diplom als Kunsterzieher; 1921-45 Lehrer an der Kunstgewerbeschule Charlottenburg; 1924 Reise nach Paris und Abkehr vom Expressionismus; Orlowski selbst zerstörte ein Großteil seines bis dahin entstandenen Werks; 1931 Ernennung zum Professor; es entstehen zahlreiche Holzschnitte und Illustrationsfolgen; 1934 erste Einzelausstellung in der Galerie Gurlitt (Berlin); 1935, 1937, 1939 Beteiligungen an der Ausstellung „Ostpreussenkunst. Kunstausstellung des Kunstvereins Königsberg“ (Kunsthalle am Wrangelturm, Königsberg); 1936 Beteiligungen an der Ausstellung „Deutsche Graphik-Schau“ (Museum der bildenden Künste, Leipzig); 1937 werden bei der Aktion „Entartete Kunst“ sieben Werke Orlowskis beschlagnahmt; 1937 Beteiligung an der Ausstellung „Graphik und Kleinplastik“ (Haus der Kunst, Berlin); 1940 Beteiligung an der Ausstellung „Deutsche Graphik“ (Kunstverein Hamburg); 1943 Kollektivausstellung mit Otto Niemeyer-Holstein, Otto Manigk, Arno König und Anny Schröder (Anhaltischer Kunstverein, Dessau); Orlowskis Atelier in der Kunstgewerbeschule wird ausgebombt, wobei alle Holzstöcke, sowie 65 Gemälde vernichtet werden; 1945 wird seine Wohnung durch Bombenangriff zerstört; nach 1945 zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen; 1945 Leiter einer Klasse für Wand- und Glasmalerei an der Hochschule für bildende Künste Berlin; 1953 Wahl zum Mitglied der Königlich Flämischen Akademie der Wissenschaften, Literatur und Schönen Künste, Brüssel; 1954 Kunstpreis der Stadt Berlin (West); 1959 Gründung des Hans-Orlowski-Kreises durch Fritz Schwarzenberger (Berlin); 1962 Ernennung zum Offizier im Orden Leopold II von Belgien; 1962 Verleihung der Ehrenmedaille des Ministeriums für nationale Erziehung und Kultur von Belgien; 1963 Verleihung des Kulturpreises für Bildende Kunst der Landsmannschaft Ostpreußen; 1964 Ernennung zum Ehrenmitglied der Accademia delle Arte del Disegno von Florenz; die Witwe Orlowskis vermachte den Nachlass dem Freilichtmuseum Bokrijk bei Hasselt; Orlowski schuf Illustrationen zu über 120 Büchern (u.a. zu Werken von Heine, Hölderlin, Rilke, Schiller)

Literatur
JESSEWITSCH, Rolf / SCHNEIDER, Gerhard (Hrsg.) (2008): Entdeckte Moderne; Kettler; Bönen; S. 507
OSMAN, Silke: Dem Alltäglichen enthoben. Gedenken an den Graphiker Hans Orlowski aus Insterburg, in: „Das Ostpreußenblatt“ (v. 27.02.1999)
ZIMMERMANN, Rainer (1994): Expressiver Realismus. Malerei der verschollenen Generation; Hirmer; München; S. 427
Hans-Orlowski-Kreis (Hrsg.) (1965-72): Werkverzeichnis Hans Orlowski (6 Bände, bearb. V. Fritz Schwarzenberger); Berlin