H A N S   O R L O W S K I

 

Weitere Werke von Hans Orlowski

 

 

Einladungskarte zu einem Künstlerfest (1927)

beidseitige, farbige Einladungskarte, vierfach horizontal gefaltet [Entwurf von Hans Orlowski, gesetzt unter der Leitung Orlowskis in der Kunstgewerbeschule Charlottenburg, gedruckt von Albert Fritsch in der Graphischen Kunstanstalt (Berlin W 35)]

Entstehungsjahr: 1927
Grösse: 49,3×18,9cm (komplett)

recto o.r. im Druck signiert, sowie verso unten im Druck bezeichnet „Entwurf der Einladung Hans Orlowski“, sowie recto o.l. wohl von fremder Hand in Blei bez. „Orlowski“

€ 430,-

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Titel
„Die bunte Laterne wirft ihre Schatten wie alle großen Ereignisse voraus und / Gibt sich die Ehre Sie und Ihre werten Angehörigen am 10. Februar 1927 in den Festräumen des Zoo Budapester Strasse 9, Eingang Adlerportal von 9 bis 5 Uhr zu einer Künstlerredoute im Kreise des Vereins für Deutsches Kunstgewerbe und seiner Freunde ergebenst einzuladen. […]“

Zustand
(wohl) bereits ursprünglich vierfach horizontal gefaltet; Ecken sehr leicht bestoßen; an den Faltspuren leicht bereichen; in den Randbereichen mitunter leicht nachgedunkelt

Provenienz
Hans-Werner Schwarzenberger (1943-2015, Sohn von Fritz Schwarzenberger (Bearbeiter des Werkverzeichnisses zu Hans Orlowski), (Werbe-)Grafiker, Kunstsammler)

 

 

Die vorliegende Einladungskarte entwarf Hans Orlowski für ein Künstlerfest des Berliner „Vereins für Deutsches Kunstgewerbe“ am 10. Februar 1927. Orlowski selbst war zu dieser Zeit bereits seit etwa sechs Jahren Lehrer an der Kunstgewerbeschule Charlottenburg und damit bereits durchaus etabliert. Bezogen auf das Schaffen des Künstlers, entstand diese Einladungskarte wenige Jahre nach seiner Abkehr von seinem expressionistischen Frühwerk (vgl. hierzu u.a. Hans-Orlowski-Kreis (Hrsg.) (1972): Werkverzeichnis Hans Orlowski. Holzschnittgraphik der Jahre 1965 bis 1967 und Bilder der Jahre 1926 bis 1967 (bearb. V. Fritz Schwarzenberger); Berlin; S. 3). Von dem eher ‚ruhigeren‘ späteren Malstil, oder auch von der Darstellung späterer exzellenter Holzschnitte ist hier nichts zu finden.
Die Farben und die Formen vermitteln ein grelles, helles, lebenslustiges, wie auch lebenshungriges Bild. Satte, unvermischte Farben und klare Formen vermitteln einen urbanen Charakter und lassen unweigerlich an rauschende Feste der Bohème denken. Ganz in diesem Sinne heißt es auf der Einladung: „Blenden Sie den grauen Alltag ab, zünden Sie die bunte Laterne Ihrer besten Laune an und tun Sie mit. Denn es wird sich etwas tun!“ Kostüme, Vorführungen, „gastronomisch Genüsse“ und weiteres mehr erwarteten die Besucher. Und abschließend verheißt die Karte, dass „es eine glänzende Nacht bis zur Morgendämmerung [wird].“ Da man derartige Einladungskarten zumeist mehr als Gebrauchsgegenstand und nicht unbedingt als Kunstobjekt ansah, wurden diese in der Regel auch nicht aufgehoben und erst in späteren Zeiten gesammelt.
Farblich und gestalterisch eine wunderschöne Arbeit aus dem frühen Schaffen Hans Orlowskis!

 

 

Zu Hans Orlowski (01.03.1894 Insterburg / Ostpreußen – 03.05.1967 Berlin):
Maler, Zeichner, Grafiker, Illustrator; Sohn eines Schneiders; 1899 Umzug der Familie nach Königsberg; 1905 Umzug der Familie nach Potsdam und später nach Charlottenburg; 1911-15 Besuch der Kunstgewerbeschule Berlin-Charlottenburg (bei Harold Bengen, Edmund Schaefer); 1914 zum Kriegsdienst eingezogen und Soldat in Serbien; 1915 aufgrund einer Verwundung Einsatz als Zeichner im Kriegsministerium; zu dieser Zeit entstehen erste Linol- und kurze Zeit später erste Holzschnitte; 1918 erste Ausstellungsbeteiligung bei der Berliner Sezession; 1918-19 Besuch der Staatlichen Kunstschule Berlin (bei Philipp Franck); 1919 Abschluss des Studiums mit dem Diplom als Kunsterzieher; 1921-45 Lehrer an der Kunstgewerbeschule Charlottenburg; 1924 Reise nach Paris und Abkehr vom Expressionismus; Orlowski selbst zerstörte ein Großteil seines bis dahin entstandenen Werks; 1931 Ernennung zum Professor; es entstehen zahlreiche Holzschnitte und Illustrationsfolgen; 1934 erste Einzelausstellung in der Galerie Gurlitt (Berlin); 1935, 1937, 1939 Beteiligungen an der Ausstellung „Ostpreussenkunst. Kunstausstellung des Kunstvereins Königsberg“ (Kunsthalle am Wrangelturm, Königsberg); 1936 Beteiligungen an der Ausstellung „Deutsche Graphik-Schau“ (Museum der bildenden Künste, Leipzig); 1937 werden bei der Aktion „Entartete Kunst“ sieben Werke Orlowskis beschlagnahmt; 1937 Beteiligung an der Ausstellung „Graphik und Kleinplastik“ (Haus der Kunst, Berlin); 1940 Beteiligung an der Ausstellung „Deutsche Graphik“ (Kunstverein Hamburg); 1943 Kollektivausstellung mit Otto Niemeyer-Holstein, Otto Manigk, Arno König und Anny Schröder (Anhaltischer Kunstverein, Dessau); Orlowskis Atelier in der Kunstgewerbeschule wird ausgebombt, wobei alle Holzstöcke, sowie 65 Gemälde vernichtet werden; 1945 wird seine Wohnung durch Bombenangriff zerstört; nach 1945 zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen; 1945 Leiter einer Klasse für Wand- und Glasmalerei an der Hochschule für bildende Künste Berlin; 1953 Wahl zum Mitglied der Königlich Flämischen Akademie der Wissenschaften, Literatur und Schönen Künste, Brüssel; 1954 Kunstpreis der Stadt Berlin (West); 1959 Gründung des Hans-Orlowski-Kreises durch Fritz Schwarzenberger (Berlin); 1962 Ernennung zum Offizier im Orden Leopold II von Belgien; 1962 Verleihung der Ehrenmedaille des Ministeriums für nationale Erziehung und Kultur von Belgien; 1963 Verleihung des Kulturpreises für Bildende Kunst der Landsmannschaft Ostpreußen; 1964 Ernennung zum Ehrenmitglied der Accademia delle Arte del Disegno von Florenz; die Witwe Orlowskis vermachte den Nachlass dem Freilichtmuseum Bokrijk bei Hasselt; Orlowski schuf Illustrationen zu über 120 Büchern (u.a. zu Werken von Heine, Hölderlin, Rilke, Schiller)

Literatur
JESSEWITSCH, Rolf / SCHNEIDER, Gerhard (Hrsg.) (2008): Entdeckte Moderne; Kettler; Bönen; S. 507
OSMAN, Silke: Dem Alltäglichen enthoben. Gedenken an den Graphiker Hans Orlowski aus Insterburg, in: „Das Ostpreußenblatt“ (v. 27.02.1999)
ZIMMERMANN, Rainer (1994): Expressiver Realismus. Malerei der verschollenen Generation; Hirmer; München; S. 427
Hans-Orlowski-Kreis (Hrsg.) (1965-72): Werkverzeichnis Hans Orlowski (6 Bände, bearb. V. Fritz Schwarzenberger); Berlin